Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Burning Eagle Festival 2017

Liebe zur Musik trifft Liebe zum Detail. Das kleine Festival am Rand der Schwäbischen Alb überzeugt auch ausverkauft noch mit einem großen Hang zur Gemütlichkeit.

Aufbruchstimmung! Pünktlich zum Feierabend machen wir uns aus Stuttgart nach Reutlingen auf, um unsere von der Woche ausgelaugten Köpfe mit guter Musik und kühlen Getränke zu füllen.

Direkt nachdem wir auf dem Parkplatz eintreffen, ein kurzes Pläuschen mit den Kassenmädchen halten und unsere Bändchen nun stolz am Handgelenk tragen, schlendern wir nach einem Jahr endlich wieder durch das liebevoll dekorierte Dickicht in Richtung der Waldlichtung. Von weitem erklingen schon die letzten Melodien von Hello Piedpiper. Zwar nicht so mitreißend wie erwartet, aber gut geeignet als Soundtrack, um anzukommen, sich zu akklimatisieren und das erste Bier zu genehmigen.

L.A. Salami lädt da die Stimmung um eine dicke Portion mehr auf. Mal bluesig und laut mit Band, mal super entschleunigend allein - nur mit seiner Gitarre. Viele stehen, schwoofen und applaudieren laut. Man merkt deutlich, dass wir uns motiviert in Richtung erster Festivalabend begeben.

Sons of Noel and Adrian liefern als nächster Act auf der Bogak Stage ein unerwartetes sowie vielseitiges Brett mit teils sphärischem Frauengesang ab. Manchmal fühlt man sich ein bisschen an Eddie Vedder erinnert, als dieser mit seinem Soundtrack zu "Into The Wild" im Winter 2008 auch gleich den Soundtrack für den kommenden Sommer lieferte. Dagegen versetzen uns Lambchop direkt in einen dösigen Winterschlaf, in dem die einen schweigsam vor der Bühne schwelgen und die anderen die Chance nutzen, bei Bückware und Bier ein bisschen Zeit mit Freunden zu verbringen.

Zum Abschluss des Freitages beim Burning Eagle Festival gibt es noch eine besonders schöne Sache: Der reisende Fotograf und Menschenfreund Volker Gerling zeigt uns eine traumhafte Auswahl seiner ausdrucksstarken Daumenkinos.


Ganz entspannt was Neues entdecken.

Tag zwei beginnt erfrischend mit Burkini Beach, denen wir zum Teil bereits mit The Dope begegnet sind. Mit selbstbetitelten "Splatterballaden" wecken sie uns unsanft an diesem heißen frühen Nachmittag auf der kleinen Waldlichtung bei Reutlingen.

Albern und stoisch erwartet uns dann auf der Better2Gether Stage der Pantomime Elias Elastisch. Was erst nach Kindernachmittagsprogramm aussieht, entpuppt sich zu verschiedenen, teils obszönen Darstellungen eines Hotelportiers, eines überarbeiteten Geschäftsmannes, der sein stressiges Leben nach eine kurzen Blick auf die Himmelspforte nochmal neu starten darf, eines veschpernden Superspions, der wilde Abenteuer erlebt und einem dramatischen Highlight als Mäusedompteur. Sehr unterhaltsam.

Josin macht die Stimmung mit ein bisschen Radiohead-Feeling für einige Momente lang perfekt. Die Baumwipfel rauschen sanft im Wind und leise fallen Blätter zu ihren sanft tröpfelnden Melodien vor unsere nackten Füße. Mammal Hands setzen den Nachmittag rein instrumental fort. Mal jazzig, mal mit viel Soul aber immer mit einnehmendem Abwechslungsreichtum fällt fast nicht auf, dass für eine knappe Stunde lang niemand singt.

Helgen geben dem kleinen Festival dann seit dem Frühstück zum ersten Mal wieder die Dynamik und Lautstärke, die das Festival verdient. Wir tanzen zu deutschen Texten und Songs ihres Debütalbums, die manchmal an Die Höchste Eisenbahn erinnern und durchwegs Freude bereiten.

Ein bisschen verloren hingegen zaubert Hannah Epperson mit Gesang, Loops und Geige zaghaften Pop zum Verweilen auf einem der zahlreichen Decken auf der Lichtung.

Fúgú Mango aus Belgien mixen im Anschluss ein paar Offbeats, Anleihen von Whitest Boy Alive und Kakkmaddafakka und halten den Stimmungspegel wieder weit oben. Inzwischen schmeckt auch das Bier schon wieder ziemlich gut. Das Golden Dawn Arkestra präsentiert sich zum Abschluss der Bogak Stage für dieses mit einem großen Knall, viel Trara und aufregenden Kostümen. Riecht nach Weihrauch und klingt nach Bollywood, Burlesque und Tarantino zu gleichen Teilen.

Dazu leuchtet abwechselnd die Bühne als Gesamtkunstwerk vor dem immer dunkler werdenden Himmel und dann wieder durch die mystisch anmutende Reifenartistik, mit der die eine der Bandmitglieder uns alle in eine Richtung starren lässt. Als dieses verrückte Spektakel mit einer krachend psychedelischen Jammerei so plötzlich vorbei ist, wie es angefangen hat, fühlen wir uns kurz etwas am Platz verloren.

Also der perfekte Moment, um sich nochmal mit allen Besuchern vor der Better2Gether Stage zusammenzurotten und mit Me And Oceans in unendliche Weiten zu träumen - mehr wird nicht verraten, das muss man einfach selbst einmal erleben!

Das war's dann auch schon wieder mit unserem Ausflug in die musikalische Idylle Reutlingens. Das Burning Eagle Festival ist nicht umsonst in diesem Jahr zum ersten Mal ausverkauft - so viel Liebe zum Detail, zur Künstlerauswahl und der ganzen Crew. Wir kommen auch nächstes Jahr gerne wieder und rufen euch an dieser Stelle dazu auf, falls ihr noch nie in den Genuss dieses Kleinods gekommen seid, den Termin im nächsten Jahr ganz dick im Kalender zu markieren.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
13. August 2017
Lambchop Lambchop
alt-country, Indie, americana, alternative, singer-songwriter
Hannah Epperson Hannah Epperson
seen live, violin, pop, under 2000 listeners, classical
Josin Josin
folk
Me And Ocean
Emma Gatrill Emma Gatrill
dream-pop
L.A. Salami L.A. Salami
seen live, acoustic, classic rock, Indie, hip hop
Sons Of Noel And Adrian Sons Of Noel And Adrian
folk, seen live, Post Folk, indie folk, Indie
Hello Piedpiper Hello Piedpiper
folk, Indie, singer-songwriter, under 2000 listeners, seen live 2013