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5. Maifeld Derby - Samstag
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5. Maifeld Derby - Samstag

Am Samstag galoppierten die Teilnehmer von 13 Uhr bis in die späte Nacht zu den Klängen von East India Youth, Soft Moon, Archive und vielen mehr über den Maimarkt.

Am zweiten Tag unseres Ausritts nach Mannheim findet sich das Team des Kulturpegels wohlausgeruht auf dem Maifeld ein, um sogleich die ersten neuen Künstler zu bestaunen.

Den Start macht für mich an diesem Tag der Engländer William Doyle alias East India Youth. Mit eingängigen Basslinien und für diese Zeit sehr anspruchsvollem Licht spielt er ein gutes Elektroset und ist dabei auch noch sehr gut angezogen, denn er trägt einen kompletten Anzug mit Schlips. Manchmal erinnert sein Gesang zu den Elektro-Synthie Klängen leicht an Placebo und so vergeht das erste Konzert wie im Flug.

Und wie geschmiert geht es draußen auf der Fackelbühne mit der nächsten Band direkt weiter. Tops aus Canada begrüßen uns mit unaufgeregtem Gitarren-Pop direkt aus Montreal. Der Gitarrist erinnert ein wenig an Michael Cera in Juno und so klingt auch die Musik der zwei Jungs und zwei Mädels. Ein wenig Pretenders, sehr leichtgewichtig und genau das Richtige für die Sonne über Mannheims Maimarkt.

Nun wird es auch endlich Zeit, dass ich dem Parcours d'Amour einen Besuch abstatte und mit den beiden Verrückten von White Wine ist das auch direkt ein grandioser Spaß. Gelbe Socken, ein olivfarbener Vierknöpfer, ein verrücktes Drumset und drei Reihen Effektgeräte bilden die Grundlage für ein schönes Konzert in entspannter Atmosphäre. Leider lässt die beiden nach kurzer Zeit das E-Drumset im Stich und man kann getrost sagen: Ich habe selten so ein gutes und souveränes Beheben eines Fehlers auf der Bühne gesehen. Nach wenigen Minuten ist das Drumkit gewechselt und als nach einem weiteren Versuch auch die Memory Karte ins neue Gerät gewandert ist, geht es mit raschen ironischen Kommentaren über in China gefertigte Instrumente weiter. Also damit das mal klar ist, wir schreiben morgen bitte alle einen Brief nach China und beschweren uns! Den Abschluss macht eine Drumsession, die dem Safri Duo alle Ehre gemacht hätte.

Weiter geht es dann im Zelt mit der süßen Aurora. Süß ist hier ein durch und durch positives Attribut für die Musik sowie die Art und Weise der 18- jährigen Norwegerin. Trotz ihrer großartigen Stücke ist sie nach wie vor total überrascht, welche Begeisterung sie im Publikum auslöst und freut sich mehrfach darüber, dass wir so zahlreich erschienen sind. In ihrem schwarzen Gewand tanzt sie ergeben zu den eingängigen Schlagzeugrhythmen ihrer Musik, wobei ihre Hände dabei die Stimmung der Lieder nachmalen.

Die Halbzeit am heutigen Samstag macht dann Only Real, die gerade frisch zurück von ihrer Tour mit Jamie T sind. Sie rocken die Sonne mit gemütlichem Gute-Laune-Indie-Hip-Pop und schnell tanzt der halbe Platz mit.

The Soft Moon empfangen uns danach im dunklen Palastzelt mit ähnlich dunkler Musik. Genretechnisch bewegen sich die Amerikaner zwischen psychodelischen Gitarren, Kraut und Darkwave und sind wohl sicher, wie angekündigt, das Dunkelste, was das Maifeld bisher geboten hat. Passend dazu auch das Licht, das die Künstler immer nur von hinten erhellt.

Im kleineren Brückenawardzelt übernehmen dann die psychodelischen Gitarrenrocker von Apach-O-Matic in Einheitshemd und weißer Hose. Musikalisch sind die Jungs mit der WahWah-Gitarre gerade aus dem Twinpeaks Soundtrack gefallen und bereiten ideal auf die draußen spielenden Rural Alberta Advantage vor. Die haben wir aus einiger Entfernung bei einer kleinen Pause gehört und zu dem tanzbaren Indie Rock gemütlich in der Sonne mit den Füßen gewippt. Denn auch das ist das Maifeld Derby: Ein ganz entspanntes Festival, bei dem man auch mal gemütlich auf der Wiese liegen und die Atmosphäre aufsaugen kann.

Den Abend leiten dann Sizarr mit einem super Auftritt ein. Sänger Fabian Altstötter überzeugt direkt mit wechselnden Instrumenten und seiner entzückt auf uns blickenden, Aussage: 'Man muss gar nix mehr sagen, Schweigen ist Gold'.

Mein persönliches Highlight an diesem Abend ist jedoch Archive, die ein wundervoll durchmischtes Set spielen aus alten, neuen und ganz neuen Stücken. Ein besonderer Höhepunkt ist definitiv Fuck You, das ich live schon viele Jahre nicht mehr gehört habe. Vermisst habe ich lediglich die Stücke mit weiblichem Gesang. Die Damen der Band sind wohl an diesem Abend nicht mit dabei.

Meine Überraschung des Tages ist definitiv Foxygen mit ihrem Power-Retro-Pop-Rock, die zu Beginn direkt ins Publikum springen und dann eine einstündige Show spielen, die ihresgleichen sucht. Die Band hat mehr Power als ein Duracell-Hase auf Speed und die Sängerinnen sowie Backing Vocals im Supreme Style sorgen auf einer Bühne voller Lichterketten für pausenlose Party Stimmung.

Um 23 Uhr eröffnet dann unser Kulturpegelkollege Alexander Willrich den zweiten Maifeld Derby Poetry Slam und gibt auch sofort das Opferlamm. Trotz vorangeschrittener Zeit und gestiegenem Alkoholpegel beachten alle die goldene Regel "Respect the Poets" und schöner hätte das Votum nicht sein können: Ein Doppelsieg vom Pärchen der Runde Rainer Holl und Svenja Gräfen.

Ein weiterer Headliner des Abends: Mogwai rollen schöne Klangteppiche in psychodelischem Elektro-Pop aus und danken den Zuhörern in schönstem schottischen Englisch, dass sie lieber zu ihnen kommen als dem ESC zu lauschen. Die langen Stücke werden von einem toll illuminierten Back-Drop und einer tollen Lichtshow untermalt. Am Ende des Auftritts knien die Künstler in einem gemeinsamen Ergeben in die Musik und verlassen dann in einem wilden Durcheinander der Klänge die Bühne.

Bevor wir den Abend dann mit feinstem Elektro von von Spar aus dem Rheinland in die Nacht verabschieden, gibt es noch eine Ladung Teenage-Punk-Rock im Palastzelt von The Last Thing und gediegenes Hüftenschwingen. Und noch leicht mitgroovend galoppieren alle Ponys dann auch um 2 Uhr müde in ihre Stallungen.

Text:
Tobias Leicher
Geschrieben am
26. Mai 2015
Mogwai Mogwai
post-rock, instrumental, Indie, alternative, post rock
Foxygen Foxygen
psychedelic, psychedelic rock, indie pop, psychedelic pop, Indie
Archive Archive
trip-hop, electronic, alternative, progressive rock, rock
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emo, rock, alternative, Indie, indie rock
Sizarr Sizarr
Indie, electronic, alternative rock, german, rock
The Rural Alberta Advantage The Rural Alberta Advantage
canadian, Indie, indie rock, indie pop, lo-fi
The Soft Moon The Soft Moon
post-punk, shoegaze, coldwave, new wave, ethereal
Only Real Only Real
Indie, uk, new wave, neo-psychedelia, british
Aurora Aurora
trance, melodic death metal, dance, vocal trance, death metal
Tops Tops
Indie, tops, under 2000 listeners, herz schmerz, canadian