Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 
Intergalactic Lovers im Interview
 
 

Intergalactic Lovers im Interview

Als die Intergalactic Lovers neulich in Stuttgart gastierten, spielten sie eine kleine Session exklusiv für das Popbüro Region Stuttgart. Die Chance auf ein (fast) Privatkonzert ließen wir uns natürlich nicht entgehen und schnappten uns die unglaublich amüsanten Belgier im Anschluss noch für ein Kaffeekränzchen, bei dem sie ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern sollten.

Vorbemerkung: Um euch peinliche Grammatikfehler zu ersparen, haben wir die englischen Fragen und Antworten direkt ins Deutsche übersetzt.

KULTURPEGEL (KP): Unsere erste Frage ist immer, ob es eine Frage gibt, die ihr schon immer mal beantworten wolltet, die euch aber nie gestellt wurde.
INTERGALACTIC LOVERS (IL) – LARA: Gute Frage.
IL – MARTEN: Da fällt mir gerade nichts ein.
KP: Nichts? Gibt es vielleicht ganz intelligente Anspielungen in deinen Texten, die noch nie jemand bemerkt hat und nach denen du immer mal gefragt werden wolltest?
IL – LARA: Nein, eigentlich nicht. Zumindest nicht, dass ich wüsste. Jede Frage, die ich mal beantworten wollte, wurde mir schon gestellt. Irgendwann wurde ich gefragt, was ich mir am meisten wünsche und die Antwort darauf ist: Ein Pony. Ich sage das immer, wenn ich gefragt werde, weil ich hoffe, dass, wenn es mal ein Fan hört, er oder sie mir irgendwann ein Pony schenkt.
KULTURPEGEL: Marten, gibt es etwas, was du gern von einem Fan geschenkt haben möchtest?
IL – MARTEN: Nichts Spezielles, aber sicher kein Pony. Ich hab schon drei Kinder, das reicht. (lacht)
(Fun Fact: Kulturpegel-Mitglied Isa, die bei dem Interview dabei war, hat am selben Tag noch einen Spielzeugladen aufgesucht und ein kleines Pony gekauft, das sie Lara nach ihrem Konzert im Zwölfzehn überreicht hat. Ich hatte im Anschluss kurz Angst, dass Isa unter den Küsschen und Umarmungen von Lara keine Luft mehr kriegen könnte. Ging aber alles gut aus.)

KP: Gibt es Fragen, die ihr hasst?
IL – LARA: Ja, ganz persönliche Fragen, weil sie einfach nichts mit der Band und unserer Musik zu tun haben.
KP: Mist, normalerweise stellen wir diese Frage ja nur, um euch die Hassfrage am Ende doch beantworten zu lassen, aber ich müsste mir eine ganz persönliche Frage einfallen lassen und sie dir stellen – das lassen wir aber lieber.

KP: Ihr habt euer Album ja in Stuttgart aufgenommen. Wie fühlt es sich an, wieder hier zu sein?
IL – MARTEN: Genau genommen, war es Bietigheim-Bissingen, aber es ist schön wieder hier in der Gegend zu sein.
IL – LARA: Das letzte Mal, als wir hier waren, haben wir beim PopNotPop-Festival gespielt und das lief nicht so gut. Es gab einen Stromausfall und meine Stimme war weg. Deshalb freue ich mich drauf, heute Abend mit Strom und Stimme in Stuttgart zu spielen. Ich hoffe, dieses Mal klappt alles.

KP: Ihr seid eine ziemlich heterogene Band. Ihr seid unterschiedlich alt, habt verschiedene Hintergründe – wie habt ihr zueinander gefunden?
IL – LARA: Wir waren alle in derselben Pfadfinder-Gruppe.
KP: Ernsthaft? Pfadfinder?
IL – LARA: (lacht) Ja, ernsthaft. Marten war sogar mein Anführer. Auf jeden Fall saßen wir da ja alle am Lagerfeuer und haben immer gesungen. Als wir älter wurden und nicht mehr bei den Pfadfindern waren, spielten Marten und Raf schon in einer Band, etwas später kam Brendan dazu und wieder etwas später wurde ich gefragt, ob ich nicht mitmachen will. (mit humorvoll-sentimentaler Stimme:) Und so viele Jahre später sind wir immer noch alle zusammen.

KP: In Belgien seid ihr super erfolgreich: Eure Singles wurden Radio-Hits, ihr habt Preise gewonnen, euer Album hatte Gold-Status, in Brüssel war euer Konzert mit 2000 Leuten ausverkauft. Hier ist ja jetzt alles etwas kleiner...
IL – LARA: Ja, gestern haben wir vor 35 Leuten gespielt … Nein, das waren mehr. Wie viele waren es?
IL – MARTEN: Keine Ahnung, aber deutlich mehr. Um die 100 schätze ich. Können wir das Interview hier bitte beenden. (lacht)
IL – LARA: (schreit ins Mikro) Millionen Menschen waren da! Millionen kommen, um uns zu sehen.
(lachen)
KP: Wie fühlt es sich an, wieder kleine Gigs zu spielen.
IL – MARTEN: Mir macht es Spaß. Es ist schön zu diesen kleinen Sachen zurückzukehren, zu der Intimität. Ich mag das. In Belgien würde das nicht mehr klappen, hier schon.
KP: Ist es wirklich so, dass ihr gar keine kleinen Sachen mehr spielen könnt?
IL – LARA: Ja, eigentlich schon. Häufig sind es Festivals oder große Clubs. Würden wir in einem kleinen spielen, wäre es super voll. Das würde nicht mehr funktionieren. Aber deshalb macht es hier auch so viel Freude. Die Leute kennen uns noch nicht und wir müssen uns etablieren, damit sie wiederkommen. Deshalb spielen wir bei einem Gig vor 20 Mann genauso engagiert wie vor einem riesigen Publikum. Wir wollen ja einen guten Eindruck machen.

KP: Es gibt zwei Einträge zu euch auf Wikipedia – einer ist deutsch, einer niederländisch. Sind das die Länder, wo ihr am erfolgreichsten seid und warum ist das so?
IL – MARTEN: Ja, schon. Es ist der logischste Schritt nach Belgien in den Niederlanden zu spielen und dann kam eben Deutschland. Als wir unser Album aufgenommen haben, haben wir Kontakte knüpfen können und wollten hier in Deutschland etwas starten.
KP: Gibt es schon weitere Pläne für die Expansion?
IL – MARTEN: Ja, Frankreich. Wir haben bisher aber erst ein Konzert dort gespielt, aber das wollen wir ändern.

KP: Deine Texte – zumindest zwei davon, nämlich Shewolf und Howl – haben ein auffälliges Wolf-Motiv. Das fand ich ungewöhnlich. Hat es damit etwas auf sich?
IL – LARA: Als ich die Texte geschrieben habe, bin ich einer alten Freundin begegnet, die ich lange nicht gesehen hatte. Sie ist Mode-Designerin und gab mir ihre Zeichnungen und ich ihr meine Texte. Darunter war eine ganze Sammlung von Wolf-Motiven – das hat mich beeindruckt. Die Jeckyll-&-Hyde- bzw. Werwolf-Thematik, wer wir wirklich sind. Das Hin und Her zwischen einer menschlichen und einer animalischen Seite. Und in zwei oder drei Songs fand das dann Niederschlag.

KP: In Shewolf rätst du den Männern so schnell wie möglich, von dir wegzulaufen. Du scheinst mir auf den ersten Blick keine besonders schreckliche Person zu sein. Bist du so schlecht in Beziehungen und ist das jetzt eine zu persönliche Frage?
IL – LARA: Nein, nein, das ist okay. Ich bin nicht direkt schlecht in Beziehungen, ich bin nur nicht besonders gut darin. Ich will, dass es funktioniert, hab dann aber Angst, dass es nicht funktioniert, deshalb mache ich es kaputt, bevor es jemand anderes tun kann. Denn wenn es besser und schöner wird, wird es am Ende nur schmerzhafter, deshalb mache ich es einfach kaputt, bevor es richtig schmerzhaft wird. Ergibt das Sinn?
KP: Ja, irgendwie schon. Auf jeden Fall ein guter Verteidigungsmechanismus, würde ich sagen.

KP: Viele träumen davon Musiker zu werden, was dachtet ihr früher, womit ihr mal euer Geld verdient oder was wolltet ihr werden?
IL – Lara: Ich wollte Privatdetektivin sein, musste aber schnell feststellen, dass ich nicht unauffällig und subtil genug dafür bin. Ich wäre die schlechteste Detektivin der Welt gewesen. Die Leute hätten sich alle gefragt, warum ihnen dieses auffällige gelbe Auto folgt, deshalb habe ich den Traum irgendwann aufgegeben.

KP: Gibt es noch eine Musik-Empfehlung, die ihr uns mit auf den Weg geben wollt?
IL – LARA: Ja, zwei: Go March und Ondine – die solltet ihr euch unbedingt anhören.
KP: Das werden wir tun. Vielen Dank für dieses tolle Gespräch mit euch.

Intergalactic Lovers Intergalactic Lovers
Indie, belgian, indie rock, alternative, female vocalists
Text:
Robert Willrich
Geschrieben am
05. November 2013