Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Maifeld Derby 2013 - Tag 3

Gummistiefel in die Ecke! Sonnenbrillen raus! Wir haben den Regen weggefreut! Die Sonne scheint! Da kann man auch schon mal in aller Herrgotts-Festival-Frühe, nämlich um 13.00 Uhr, das Gelände betreten. Es lohnt sich. Das Sonntags-Line-Up ist der Hammer.

Den Anfang machen YESTERDAY SHOP. Für Freunde ruhiger Gitarrenmusik genau das Richtige. Bis zu drei Gitarren plus Bass spielen gleichzeitig auf. Dadurch geht’s mal nach vorne, mal ist’s ganz leise, sodass der vierstimmige Gesang ganz viel Raum bekommt. Aber immer ist eine große Portion Gefühl und Herzblut dabei. Ein Super Start in einen sonnigen Sonntag!

Von DAVID LEMAIDRE kenne ich bisher eigentlich nur Megalomania aus dem Radio. Grund genug, mir den in Berlin lebenden Bolivianer mal genauer anzuhören. Das Palastzelt ist trotz der frühen Stunde gut gefüllt. Habe ich mich am Freitag noch so über dieses Zelt gefreut, find ich’s jetzt sehr schade, David in dieser nachmittäglichen Dunkelheit zuhören zu müssen. Aber da kann er ja nix für. Muss die Musik für gute Laune sorgen. Geige, Schlagzeug, Gitarre und auch ein paar leere Flaschen helfen dabei. Aber alles ein bisschen folkiger und getragener als erwartet. Aber bei Megalomania geht dann gefühlt auch im Zelt die Sonne auf...

Jetzt aber wieder ganz schnell raus in die echte! Die frisch von Grand Hotel Van Cleef gesignten INTERGALACTIC LOVERS spielen. Solide abgeliefert, glasklare Stimme von Frontfrau Lara, aber der Funke will bei mir bis kurz vor Schluss nicht so recht überspringen, erst mit ‚Delay’ gelingt es ein wenig.

Die nächste Performance kann ich gar nicht angemessen in Worte fassen. Electropop at its best. WHEN SAINTS GO MASCHINE haben die Synthies bis zum Anschlag aufgedreht, die Beats gehen nach vorne, das Schlagzeug treibt außerdem vorwärts und die großartige Stimme von Nikolay erfüllt sowieso das ganze Zelt. Ende Oktober spielen sie in Stuttgart. Ich freu mich jetzt schon riesig.

Und auf die nächsten beiden freu ich mich auch schon ewig: JACK BEAUREGARD. Das Release des neuen Albums steht kurz bevor und ich bin gespannt, wie das so klingen mag. Ich hab genug Gelegenheit, um das rauszufinden: Die Setlist besteht fast nur aus neuen Titeln – ‚You drew a line’ und ‚Hollywood’ dürfen trotzdem nicht fehlen. Fast die ganze Kulturpegel-Meute ist versammelt und tanzt zu ‚Not that kind’ und ‚Silvermine’. Schön, wenn live Funken fliegen, obwohl man die Lieder noch nicht mal kennt. Jack Beauregard haben mindestens genauso viel Spaß auf der Bühne wie wir davor, sie mögen die schönen Menschen in Mannheim und der Kulturpegel mag – ungeachtet der Einschmeichelversuche von Seiten der Band – Jack Beauregard. In der Nachmittagssonne tanzt es sich doch am besten, vor allem wenn der Soundtrack stimmt. Danke! Ich geh mir noch schnell die neue Platte im Merch-Zelt kaufen.

Anschließend wirbelt LESLIE CLIO – die kleine Powerfrau mit der großen Stimme – über die Palastzeltbühne. Das Zelt ist gut gefüllt und sowohl mit ihrer frisch-frechen Art als auch mit ihrem poppigen Retro-Soul bringt sie die Beine der Zeltbesucher in Bewegung. Von den Hormonen der männlichen Teilnehmer sprechen wir erst gar nicht.

Apropos männliche Teilnehmer: HERRENMAGAZIN sind jetzt Open-Air dran. Auch im Publikum fällt mir der hohe Männeranteil auf. Da mir das Angst macht, bleibe ich seitlich sitzen, beobachte und höre. Grad nicht so meins. Meine Meinung teilen aber nicht sehr viele, die meisten Menschen im Publikum sind textsicher und stimmen laut mit ein.

Da im Battle Sonne vs. Wallis Bird eindeutig das Wetter gewinnt, ist die nächste Band, die ich mir anschaue WE WERE PROMISED JETPACKS. Sie betreten die Bühne ganz konventionell zu Fuß. Haben wohl immer noch keine Flugrucksäcke bekommen. Die Ärmsten. Aber das macht nichts. Nach einem richtig schön langen Instrumental-Intro jagt eine musikalische Rakete die nächste. Wahnsinns-Live-Band. Da sitzt alles. Denkt man gar nicht, wenn man sie ganz vorurteilsbehaftet im Vorhinein einfach nur betrachtet: Die sehen so normal aus. Aber dann die Stimme, die Riffs, die Hooks. Ich bin jetzt Fan und sag nur: Auf Wiedersehen in Ulm auf der Obstwiese.

So! Jetzt ist es Zeit sentimental zu werden. So wie Sonntag. So wie Sophie Hunger. So wie So das war's jetzt fast mit dem Maifeld 2013. Aber nur fast. Wie gesagt SOPHIE HUNGER kommt noch. Meine Erwartungen sind hoch, denn mir kam bisher nur blanke Euphorie, Verliebtheit und Begeisterung entgegengesegelt, wenn jemand von Sophie live sprach. Ich sollte nicht enttäuscht werden.
Es gibt Künstler, bei denen ertappe ich mich permanent, wie mein Kopf ständig in verzückte Schräglage rutscht. Kann ich gar nichts dagegen machen. Passiert einfach. Sophie – eine Frau, an der Auge, Ohr und Herz einfach die ganze Zeit kleben bleiben. Kann man gar nichts dagegen machen. Passiert einfach.

Ich schaue mich um und sehe ganz viele Köpfe in Neigungshaltung. Phänomen Sophie. Like! Like! Like!

Maifeld Derby - LikeLikeLike! Tschüss, bis nächstes Jahr!

Text:
Isabel Thalhaeuser
Geschrieben am
13. Juni 2013
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