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4. Maifeld Derby - Samstag
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4. Maifeld Derby - Samstag

Keine bunten Gummistiefel. Keine leuchtenden Regenschirme. Keine Pfützen. Dafür viel nackte Haut, fröhliche Gesichter unter Sonnenhüten und der Geruch von Sonnencreme gemischt mit Würstchen vom Grill. Das Maifeld-Derby hat richtig viel Spaß gemacht und nur Käptn Peng war krank und hat so richtig was verpasst. Ich würde mich ja ärgern.

Schon gleich nach der Höchsten Eisenbahn am Freitag Abend würde ich am liebsten direkt ins Zelt kriechen um mit der Stimme von Moritz Krämer in meinem Ohr zu schlafen. Doch dafür ist die Reihenfolge ungeschickt – es kommen Johnossi hinterher und so ist mein Schlaflied kein Schlaflied mehr. Ganz im Gegenteil: Alle tanzen und springen und lachen. Es wird richtig heiß im Palastzelt und die Bewohner des Campingplatzes sind froh, noch ein wenig Wärme getankt zu haben, bevor die kalte Dunkelheit sich über den Zeltdächern ausbreitet und spät in der Nacht auch das letzte Lagerfeuer verschluckt.

Jetzt ist es Samstag. Sonne. Hitze. Ausgedehntes Frühstück. Und zur richtigen Zeit fährt doch tatsächlich ein hupendes Eis-Auto vor.
Schlotzend machen wir uns auf den Weg zu Eau Rouge. Es ist noch recht ruhig und die große Freifläche vor der Draußen-Bühne kaum von Menschen bedeckt. Ein jeder sucht die spärlichen Schattenplätze. Eau Rouge wirkt verloren auf der großen Bühne. Ihre Musik auch. Die Töne plätschern vor sich hin und unterstreichen die träge Stimmung in der Mittagshitze. So gesehen eine ganz passende Vorstellung.

Fröhlicher wird’s, als ich im Parcour d’Amour ankomme. Dort spielen Varley. Varley ist eine fünfköpfige, irisch-deutsch-belgische Band. Mittendrin Claire-Ann Varley – hübsch, zierlich, im Blumenkleid und irgendwie aus der Zeit gefallen. Im ersten Moment bin ich angetan von der Indie-Jazz-Mischung. Ja, hier will ich tanzen! Doch mit dem nächsten Lied kommt die Melancholie und das Publikum verharrt bis zum Ende in seiner Sitzstarre. Schade… ich hatte so sehr auf ein zweites Tanzlied gehofft.

Alles ist für irgendwas gut: Auf Varley folgen L’Aupaire. Und wegen L’Aupaire bin ich nach Mannheim gefahren. Ja genau wegen dieser Band, von der ich nichts erwarte, weil ich sie ja auch gar nicht kenne, die mich einfach nur überrascht, mir eine Gänsehaut und die größte Freude des Tages macht. Ist das nicht schön? Schön zum Anhören und schön zum Anschauen.

Später in der Dämmerung stehe ich draußen vor der Bühne und freue mich ein zweites Mal an diesem Tag. Mighty Oaks sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort, fangen mit ihrer Musik die Stimmung ein und schicken sie nochmal raus in den Abendhimmel. Freudig-melancholischer Folk, alle machen ein glückliches Gesicht. Das ist der letzte Eindruck, den ich vom Maifeld 2014 mitnehme. Klein aber fein ist dieses Festival. Und es sind auch die kleinen Dinge, die zeigen, mit wie viel Mühe und Hingabe es organisiert ist. Danke danke!

Text:
Daniela Bendel
Geschrieben am
03. Juni 2014
Käptn Peng Käptn Peng
rap, german, hip-hop, awesome lyrics
Varley
L'aupaire L'aupaire
Mighty Oaks Mighty Oaks
folk, singer-songwriter, berlin, german, live gesehen
SOHN SOHN
electronic, ambient, electropop, electronica, british
Eau Rouge Eau Rouge