Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Abay im Goldmark's

Hin- und hergerissen zwischen alter Größe und neuer Idee.

Bevor der eigentliche Abend losgeht, serviert uns Heroshimas traurige Songs voller eingespielter Bässe und fluffigem Gitarrenspiel. Im Zentrum steht dabei seine hohe Stimme, die ein wenig an Ben Bridwell von Band Of Horses erinnert aber fast genauso viel Sehnsucht transportiert. Schön, schön.

Abay hingegen sind vom ersten Moment an höchst motiviert. Denn, was anfangs noch nach Blackmails direkte Nachwehen klingt, entpuppt sich auf den ersten Blick zu kraftvollen Popmelodien mit saftiger Grundlage. Der Frontmann und Namensgeber der Band Aydo Abay vollführt dazu Rock- und Popstarposen, wickelt sich um den Mikroständer, wirft Kronkorken achtlos auf den Boden und klopft sich kraftvoll auf die Brust. Währenddessen gibt Jonas Pfetzing, einstiger Gitarrist im Schatten von Eva Briegel bei Juli, alles an seinem Instrument. Scheinbar blieben ihm einige Klangeskapaden bisher verwährt.

Vom ersten Moment an singen ein paar Gäste mit, die sich später als alteingessene Blackmail-Fans verraten. Apropos Blackmail. Nicht erst beim mittendrin herausgekramten Klassiker "Same Sane" wird klar, dass es Abay selbst schwer fällt, sich von der guten alten Zeit zu emanzipieren.

Über lange Strecken gestaltet sich der Auftritt eher in Richtung Easy Listening: Man kann gut zuhören, nur die Botschaft darin bleibt hinter der vorgehaltenen Hand. Aber vielleicht unterschätzen wir diese noch junge Gestalt einer Mini-Super-Group der deutschen Indiepoplandschaft an der Stelle und vielleicht war Aydo Abay der eigentliche Strippenzieher in der als Evelhäuser'sche Meisterleistung anerkannten Band Blackmail. Wir werden es hoffentlich beim zweiten Album von Abay erfahren.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
22. September 2016
Abay Abay
seen live