Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Adam Angst im Keller Klub

Kurz gesagt: Einmal Wochenende, bitte!

Pfui, Freitagabend. Doch so entsetzlich der Gedanke an den wohl stressigsten Abend der Woche ist, desto besser ist das Vorhaben, ihn mit einem lauten Konzert im Keller Klub zu begehen. Lygo, die sympathisch-aggressive Vorband dieses Abends, lässt es ganz im Sinne aller anwesenden Frau Potz-Fans vor komplett versammeltem Publikum ordentlich schallern. Beim letzten Song des Supports aus dem schönen Bonn haben alle Anwesenden den letzten Tag der Woche und die damit verbundenen Erwartungen von sich gestreift und halten längst das dritte Bier in den Händen. Genügend Beweise für diesen gelungenen Auftakt gibt es auf Bandcamp.

Die Gedanken, die Setlist für die Nachwelt im Kopf zu behalten, zerstreuen sich mit jedem Schlückchen kalte Wohltat, die es flaschenweise an der Bar gibt. "Jesus Christus", "Ja, Ja, Ich Weiß" oder "Splitter Von Granaten" - auch über die bekannten Hits hinaus sind alle unglaublich textsicher. Sogar diejenigen, die im Flug ständig Gefahr laufen, mit ihren Füßen sämtliche Traversen mit sich zu Boden zu reißen. "Geht jetzt bitte alle ein paar Schritte zurück, ich möchte nicht, dass jemand hier in der ersten Reihe zerdrückt wird." Auf fragende wie entrüstete Gesichter folgt schnell ein erwartungsgemäßes "Wollte ich schon immer mal sagen". Viel mehr Ansagen braucht es nicht, der ganze Keller ist schon seit den ersten mitgegrölten Zeilen auf einer Wellenlänge. Adam Angst halten nämlich, was sie versprechen. Sänger Felix stolziert schreiend von links nach rechts, seine Bandkollegen, bis auf den tiefenentspannten Basser, tun es ihm gleich. Auf dem Plan stehen ehrliche Riffs, dreckiges Schlagzeuggedresche und lautstarke Parolen.

Besonders lange dauert der Spaß nicht, aber es gibt ja bisher auch nur ein Album und niemand hier erwartet lange Soli oder sonderlich ausufernde Publikumsinteraktion. Mehr als ein halbes Jahr hat Stuttgart auf Adam Angst gewartet und bekommt, was es verdient hat: Blaue Flecken, Schweiß vom Platznachbarn und die unbeschreibliche Glückseligkeit, schon um Mitternacht mit angenehm benebelten Sinnen nach Hause zu wanken.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
29. November 2015
Adam Angst Adam Angst
live gesehen - bands