Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Balthazar Im Wizemann

Im Wechsel zwischen Tanzfreudigkeit und andächtigem Lauschen.

Mit Decency eröffnen Balthazar um Punkt neun ihr Konzert Im Wizemann, in das sie im Zuge ihrer Thin Walls-Tour durch Europa gekommen sind. Ihre Melodien und der eindringliche Bass kriechen unmittelbar über das Ohr in die Beine und breiten sich von da im ganzen Körper aus.

Das Quintett wirkt gesetzt und unerschütterlich. Fünf musikalische Talente treffen aufeinander und bilden allein durch die spürbare Harmonie untereinander ihre größte Stärke. Eine Stärke aufgebaut auf Indie-Gitarre, Schlagzeug, Keyboard, Violine und Gesang voller Pathos. Die Gleichwertigkeit der Bandmitglieder ist auch auf der Bühne ablesbar: Alle sind nach vorne gerückt und performen nebeneinander. Alle Lieder, vom ersten Album Applause über Rats bis zur aktuellen Thin Walls-Platte, sind bis zum Optimum ausgefeilt. Vielleicht etwas zu glatt, merkt man doch, dass sie genau so schon endlose Male gespielt wurden. Ein bisschen kratzig darf es ruhig bleiben. Dennoch, der Balthazar´sche, mehrstimmige Gesang funktioniert und packt genauso während der akustisch reduzierten Lieder, wie The Man Who Owns The Place, bei denen nur einer Stimme Raum gegeben wird. Die Musik hüllt uns so abwechselnd in Tanzfreudigkeit und andächtiges Lauschen. Bunker wird unerwartet zum Lieblingssong des Abends – sphärische Klänge, verwandeln den Raum kurzum in eine Kathedrale.

Zwischenzeitlich kommen zwei Fragen auf: Funktionieren Balthazar in einem kleinen Club, wie dem Schocken im letzten Jahr, wohl doch noch besser? Vielleicht braucht es diese Enge, damit die Klänge schnell widerhallen und diese Intimität und besondere Atmosphäre im Raum entstehen können, die alle in ihrem Bann hält. Der Frage, wie zwei Sänger mit solchen Frontmann-Qualitäten nebeneinander bestehen können, folgt die Erkenntnis, dass jeder für sich nicht das wäre, was er heute mit dem anderen ist. Die Stimme von Maarten Devoldere – wundervoll rauchig, melancholisch und so berauscht wie berauschend – könnte alleine fast zu viel des Guten sein. Dann kommt die ebenso markante, aber klarere Stimme von Jinte Deprez ins Spiel und gemeinsam fusionieren die Antithesen zu einem großen Ganzen.

„Die rocken schon“ raunt es aus dem Publikum. Ja, das tun sie. Auf der Bühne ist überall Bewegung und ihre ausdrucksstarke Performance – mal nur tänzelnd, mal ausschweifender – wirkt ansteckend. Die Stimmung schnellt im gesamten Club weit nach oben und findet mit Blood Like Wine schließlich den Balthazar-typischen Höhepunkt, bei dem alle mit erhobenen Bechern den Abend würdigen.

Sinking Ship und Do Not Claim Them Anymore aus dem großartigen Rats-Album gibt's als Zugabe. Nur gut, denn ohne diese wären wir auch nicht bereit gewesen, nach Hause zu gehen. Nach nur 75 Minuten geht das Konzert vielleicht etwas zu routiniert zu Ende. Aber nach diesem mitreißenden, wunderbaren Auftritt, verflüchtigen sich diese Gedanken schnell wieder und wir uns auch. Definitiv bis zum nächsten Mal mit Balthazar.

Text:
Jelka Ottens
Geschrieben am
06. Dezember 2015
Balthazar
belgian, Indie, rock, alternative, indie rock