Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Burning Eagle 2014 - Freitag

Auch wenn es Festival heißt, war's halt doch wieder mehr wie ein nettes Familienfest. Burning Eagle 2014 hat mir wieder gezeigt, wie der Hase läuft. Am Freitag schon.

Schon beim ersten Pavillon, noch vor dem Zeltplatz, schwappt beste Laune herein ins Gefährt. Kurz anhalten, nen Fünfer löhnen und auf ins Wunderland. Ich will, dass jedes Festival so ein Camping Gelände hat. Aber lieber keine Zeit verlieren, von drüben schallt's schon. Kalle Matson hält, was ich mir versprochen habe. Ruhig und knuffig, entspannt und glücklich. Und dann geht's mit Thick As Thieves sogar in die Beine. Textlich trifft er meinen Nerv, kein Schlagzeug zu haben ist für mich die beste Entscheidung, die Bläser machen mich allein schon froh und einsetzender Nieselregen kann mir gar nichts. Gleich nachdem der Typ mit den verdrehten Haaren die Bühne verlässt, sehe ich die Platte im Publikum an mir vorbeiwandern, erstanden am Stand gegenüber. Die dort anstehen, müssen später wiederkommen, denn es geht schon mit David Lemaitre weiter.

Wie immer vor einem Burning Eagle habe ich mir auch dieses Mal die wenigsten Künstler vorher angehört, so auch David Lemaitre. Wahrscheinlich hätte mir das zuhause nicht sonderlich gefallen, auf dem Listhof kann ich mich aber wunderbar auf den Spaß einlassen, der wie am Festeingang diesmal von der Bühne kommt. Am Anfang denke ich noch, dass die Töne eher zu einer Pariser Modenschau passen, am Schluss wundere ich mich über meinen eigenen Vergleich. Die Wiese ist voller Leute, es gibt eine kleine Zugabe und als man sie nicht mehr lässt, verabschiedet man sich fast schon wehmütig vom Reutlinger Publikum.

Zeit für Kins. Eine echte Hipster Band, die es bei mir schwer hat. Mir ist es zu schwermütig, ich will an diesem Abend keine Musik die nach Regen klingt. Außerdem ist mir die Stimme zu piepsig, an der Stelle hätte ich dann doch Donner gebraucht. Ich empfehle Kins fürs nächste Marienplatzfest und nutze sie als ziemlich nette Hintergrundmusik, während ich mich auf die Bar, den Kaffee von dort, das Bier von dort und die Menschen von dort konzentriere.

Zum Ende des Tages bietet sich dann noch eine Großartigkeit auf der kleinen better2gether Bühne. Lubomyr Melnyk, von irgendwem als der alte Mann am Klavier angekündigt, leitet seine zwei Kompositionen in englischer Sprache, mit ruhiger, gelassener Stimme am Mikrofon ein, setzt sich dann auf seinen Hocker, lehrerhaft und freundlich zugleich und überrascht eine verdutzte Menge mit fantastischer Fingerfertigkeit und eindringlichen Klängen. Wohl gerade weil da nichts anderes ist, nur ein Instrument, dass er zweistimmig zu spielen in der Lage zu sein scheint, ertönt, vermag auch das Publikum keinen Mucks von sich zu geben. Bei mir geht's in Mark und Bein, danach brauche ich nichts mehr und verziehe mich mit Vor- und Rückfreude zurück auf die Campingwiese, dabei in Luboymrs Takten wankend.

Was den Morgen danach angeht, tja, da ist der Name Programm. Die Bilder davon sollte man einfach nicht verpassen. Es ist das Schönste, was da alles passiert ist.

Text:
Manuel Niedermann
Geschrieben am
28. Juli 2014
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