Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Conor Oberst im Theaterhaus

Am Mittwoch war es also soweit, Conor Oberst gastierte im großen Saal des Theaterhauses auf dem Pragsattel und brachte und gleich zwei Überraschungen mit.

Die Zuschauer kamen reichlich, wenngleich sich manch einer über freie Plätze in den vorderen Reihen freuen durfte. Nachdem der Konzertbeginn für 20 Uhr angesetzt war, mussten sich die pünktlich eingefunden Fans bis 21:20 gedulden bevor sie Conor Oberst zu sehen und hören bekamen. Das Vorprogramm bespielten zwei talentierte Singer Songwriter, welche Conor Oberst als Begleitung für seine Europa Tour mitgebracht hatte. Diese sollten ihn auch später auf der Bühne begleiten.

Zuerst war Miwi La Lupa an der Reihe, dessen sanfte Stimme und unaufgeregtes Gitarrenspiel etwas an Belle and Sebastian erinnerte und ein guter Einstieg in den Abend war. Die Lieder machten einen sehr eigenständigen und durchdachten Eindruck und lohnen sich auf jeden Fall ein zweites Mal anzuhören. Anschließend folgte Phoebe Bridgers aus Los Angeles auf die Bühne, welche ihr Europa-Debüt auf dieser Tour feiert. Ihr melancholisches Spiel wusste durch ihre schöne und kraftvolle Stimme zu beeindrucken und ließ Folk- und Indi-Einflüsse erkennen. Ein Blick auf ihre Facebook-Seite lohnt sich auf jeden Fall auch hier.

Nach kurzer Umbauzeit betrat dann Conor Oberst die Bühne, setzte sich ans Klavier und stieg wortlos in sein Set mit "Tachycardia" ein. Auch live ist Obersts Stimme unverwechselbar und sorgte erstmal für leichte Gänsehaut. Miwi La Lupa begleitete ihn dezent am Bass und lockerte so den abrupten Start etwas auf. Es folgte sogleich "Gossamer Thin", bevor Oberst das Publikum kurz angebunden begrüßte und sofort mit "Barbary Coast" weitermachte. Das Gitarren- und Mundharmonikaspiel wirkten dank des PA-Systems zu Anfang unangenehm laut, sodass von der angekündigten Intimität erst mal wenig zu spüren war. Oberst spulte sein Anfangsprogramm routiniert ab, bevor mit "Cape Canaveral", welches im Duett mit La Lupa gesungen wurde, ein bisschen Ruhe und Abwechslung zum aktuellen Album einkehrte. Auch "White Shoes", welches ursprünglich zusammen mit der Mystic Valley Band aufgenommen wurde, sorgte für Abwechslung.

Conor Oberst fühlte sich nun zunehmend wohl auf der Bühne, feixte hier und da, und freute sich, als er ein Lied der befreundeten Band The Felice Brothers namens "Rockefeller Druglaw Blues" ankündigte. Das Lied handelt von den drakonischen Gefängnisstrafen, welche im Bundesstaat New York auf den Besitz von kleinen Mengen von Drogen stehen, und den privaten Gefängnissen dicke Umsätze bescheren. Von nun an kommentierte er gerne kurz die Themen seiner Lieder und spielte auf die eher schwierige politische Situation in den USA an. Auch bat er Phoebe Bridgers auf die Bühne und spielte mit ihr einen seiner Lieblingssongs namens "Everything is Free" von Gillian Welch, welches die Alles-muss-umsonst-sein-Mentalität in der Musikindustrie und die abnehmende Wertschätzung von Kunst in der Gesellschaft bereits vor 15 Jahren thematisierte.

Hier kam auch die Tradition des Singer-Songwriters zum Vorschein, durch Musik und Poesie gesellschaftliche Missstände anzusprechen und zum Nachdenken und Wandel anzuregen. Das Publikum dankte ihm seine Offenheit mit spontanen Beifällen und forderte nun auch vereinzelt ein Lied der Bright Eyes ein. Dies folgte in Form von "Lua", mit Phoebe Bridgers im Duett gesungen, was dem Lied eine neue Dimension verschaffte. Spätestens hier konnte man verstehen, warum Oberst sie mit auf Tour genommen hatte und so viel von ihr hält. Sie komplementierte ihn mit ihrer zarten Stimme perfekt und stellte zusammen mit La Lupa eine echte Bereicherung des Abends dar.

Die etwas persönlichere und spannendere zweite Hälfte des Konzerts wurde mit einem weiteren Bright Eyes Song abgerundet. Mit "At the bottom of everything" verabschiedete Oberst abschließend die Fans in die kalte Stuttgarter Nacht.

Text: Reiner Vincent

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Geschrieben am
20. Januar 2017
Conor Oberst Conor Oberst
singer-songwriter, Indie, folk, seen live, indie rock