Kulturpegel

 
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Das Lumpenpack: Steil-geh-Tag im Universum

Spaß auf Zellulose-Basis.

Lachen ist gesund, sagt man. Heute lernen wir, man kann über alles lachen: über die Liebe, über den Tod. Und sogar über Stuttgart.

Das Universum ist proppenvoll. Die bebierbänkten Sitzreihen bieten nur einem Teil des ausverkauften Clubs Platz, während die anderen ihr Heil an der Bar suchen. Doch heute ist niemand hier, um sich lange darüber aufzuregen. Pünktlich um neun Uhr lüftet sich der Vorhang zum Backstage und Tino Bomelino steht in den Startlöchern, um uns mit allerhand Schwänken aus seinem Leben zum Schmunzeln zu bringen. Mit Loop-Station, Gitarre, Laptop und Affenmütze bewaffnet, beginnt er mit einem Lied über realistische Liebe: "Baby, du bist wie ein Auto: Praktisch. Und außerdem hast du dahinten so Dellen drin." -- und geht direkt über zu einer wunderbaren Ode an Erfahrungen: "Kennt ihr das, wenn man bei Facebook nicht weiß, was man antworten soll und dann schickt man halt 'nen Sticker?"

Wir müssen alle sterben.
In Sekundenschnelle ist das Publikum am Kichern, Grunzen und Prusten. Tino lässt keinen Überraschungsmoment aus und erntet am Ende seines kurzen Auftritts aufbrausenden Applaus. "Wir müssen alle sterben" ist dabei das Motto der Überleitung zum Lumpenpack, das direkt in den Kollektivgesang des Publikums einsteigt.

Auf eine kurze Vorstellungsrunde in Reimform namens "Zwei" folgen großartige Tanzeinlagen, Partyspaß und endlos ausgelassenes Gelächter. Jonas und Max erzählen von Stuttgart ("Du Busen einer sehr, sehr faltigen Frau"), der Sinnlosigkeit des Heilpraktiker-Berufes und dem Reiz des Geldverdienens als "Joko & Klaas". Nach kurzer Zeit klebt in allen Ecken des Clubs Konfetti. Schließlich sind die beiden auf der Bühne nicht die Einzigen, die den "Spaß auf Zellulosebasis" massenhaft in das Universum importiert haben.

In meinen Adern kocht das Spüli.
Das Publikum hat richtig Bock. Aufmerksam wird jedem Witz gelauscht und jeder Anekdote ein strahlendes Lachen geschenkt. Kein Wunder, das Lumpenpack gibt auch nach der Pause alles, um uns mit existenziellen Fragen über das sagenumwobende Leben vor 12 Uhr zu erheitern oder uns mit der Geschichte von dem Tag, an dem sich alle in die beiden verliebten, losprusten zu lassen.

Nach einem Duett von Max und Tino über wahre Romantik (dieses Thema scheint bei Tino Bomelino unerschöpflich zu sein), gibt es ein waschechtes Stuttgartmusical unter dem Motto "Kehrseite": "Nimm dieses Kehrblech, wir fegen gemeinsam. Ich trenne den Müll, aber mich nie von dir. Das Fegefeuer der Liebe lodert in mir". Natürlich sind alle Anwesenden beim anschließenden "Guacamole" und "Steilgehtag" freudig erregt und textsicher. Auch bei der Zugabe bleibt mit "Don dieses Dorfes" und "Silvester" kein Auge trocken und keine Wunderkerze unangezündet.

Ein Abend mit dem Lumpenpack ist spaßig und irgendwie faszinierend zugleich. Klar wiederholen sich die Witze von Show zu Show, aber jeder Satz fühlt sich so frisch an, wie eben erst gedacht. Und während die letzten Konfettireste am Morgen danach noch bunte Abdrücke auf Wangen und Haaransätzen hinterlassen, steht unser nächster Steilgehtag mit Indiana Jonas und Max Kennel schon ohne Reue im Kalender.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
30. Januar 2016