Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Desperate Journalist & Nervous Twitch im Goldmark's

Einfach hinreißend.

Endlich sind wir auch mal offiziell mit von der Partie, wenn der herzige Verein für gute Musik namens InDieWohnzimmer e.V. zum Tanze lädt. Heute nicht in einem kleinen Wohnzimmer, sondern im Goldmark's, dass sich ohnehin als Kulisse für garagen- und surftaugliche Musik etabliert hat.

Als Vorband werfen Nervous Twitch aus Leeds eben solche knackigen Surfbeats gemischt mit Ramones-Attitüde in die Runde. Frontfrau und Frohnatur Erin und ihre zwei Begleiter an Gitarre und Schlagzeug klappern dabei in atemberaubender Geschwindigkeit einige Hänge voll Liebesszenerien ab: Verrückte Rendez-Vous mit Waffenfanatikern und wilden Mannsbildern, verschmähte Leidenschaft, verschwendete Liebesmühen.

Nach diesem erfrischenden Öffner wird es Zeit für eine weitere wunderbare Band, die jede Erwartung an diesen Abend übertreffen wird. Ursprünglich nach einem Song von The Cure benannt, vereinen Desperate Journalist einen Haufen Inspirationen aus der Entstehungsgeschichte von Post-Punk und Shoegaze. Allen voran natürlich The Cure selbst. Dazu kommt eine dramatische Darstellungsarbeit á la Morissey von Sängerin Jo Bevan, die in ihrer gesanglichen Hingabe an Beth Gibbons von Portishead und vielleicht sogar einen Hauch an Björk erinnert.

Die Songs von Desperate Journalist sind fast ausschließlich Hymnen mit bildschönen Texten. Jo Bevan besitzt die Fähigkeit, jede Spur von Gesangstalent zu nutzen und fördert damit eine Anziehungskraft zu Tage, die man nur mit den Größen ihres Genres aus den 90er Jahren gleichsetzen kann.

Das Publikum teilt dabei nicht nur das Wissen um diese großartige Errungenschaft der noch relativ jungen Band, sondern lässt sich in jedem Moment eng beieinander stehend und im schummrigen Licht der Rock'n'Roll-Kneipe zu den fein arrangierten Stücken treiben.

In diesem Sinne: Bravo an Nervous Twitch, bravo an Desperate Journalist und allen voran bravo an das InDieWohnzimmer, dass sie sich aus ihrer heimeligen Komfortzone in öffentliche Gefilde wagen und uns damit einen Abend bescheren, den wir am liebsten regelmäßig einfordern möchten.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
12. April 2017
Desperate Journalist Desperate Journalist
post-punk, Indie, shoegaze, seen live, alternative
Nervous Twitch Nervous Twitch
coldwave, under 2000 listeners