Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Auf der höchsten Eisenbahn gibt's gar viele Haltstationen

Am Donnerstagabend hielt Die Höchste Eisenbahn in den Wagenhallen und spielte das letzte Konzert, bevor die große Sanierung startet.

Es ist ein besonderer Abend, zu dem das Merlin heute in die Wagenhallen einlädt: Zum einen spielen Die Höchste Eisenbahn mal wieder in Stuttgart und zum anderen ist es das letzte Konzert in den Wagenhallen vor der großen Sanierung. Pünktlich um 20:30 Uhr startet Naima Husseini den Abend, etwas allein sitzt sie am Rand der Bühne an der Rhodes Orgel und stimmt das Publikum mit sanften Klängen auf den Abend ein.

So langsam füllt sich auch die Halle und selbst Francesco Wilking lässt es sich nicht nehmen, ein paar Photos aus der ersten Reihe zu schießen. Nachdem man auch herausgefunden hat, dass Mikros Schalter haben und, dass die anwesenden Menschen auch fleißig mitsingen können, ist die Bühne nun frei für den Hauptact des Abends.

Ein charmanter Einstieg in den Abend gestaltet Moritz Krämer, indem er den Anwesenden schlicht und simpel erklärt, dass eigentlich alle Lieder der Band doch immer davon handeln, dass zwei Menschen nicht am selben Ort sind, oder aber einer da ist und der andere nicht dazu kommen will. Da somit die Fakten klar sind, kann es auch endlich losgehen und mit "Wir Haben So Lange Nachgedacht Bis Wir Wütend Waren" und "Gierig" unterstreicht die Band direkt, dass dieses Thema tatsächlich viel Raum im zweiten Album bekommen hat. Mittlerweile ist die Halle gut voll und ohne viel Moderation spielen die Musiker ein Stück nach dem anderen.

Ein besonderes Lob verdient an dieser Stelle auch das Lichtdesign: Die Blume im Hintergrund und die Scheinwerfer von hinten setzen die Band immer wieder gut in Szene und bestechen durch einfache, aber gelungene Effekte. Auch ein paar der ruhigeren Stücke aus dem ersten Album wie "Isi" haben sich in die Setlist geschlichen. Von oben scheint das Publikum, nach Meinung von Francesco Wilking, so auszusehen wie die Legionäre aus Asterix und Obelix, die sich fleißig in Dreiecksformation aufgestellt haben.

Die Musik des neuen Albums ist längst nicht so poppig wie auf ihrem Erstlingswerk und erst mit der ersten Single des neuen Albums, "Blume", wird tatsächlich im Saal mitgesungen. Die Freude der Band am Auftritt ist besonders beim Intro zu "Alien" zu spüren. Hier gibt es für's Publikum eine Live-Hörspiel, die uns die Stunden vor dem Moment, in dem der Song spielt, erklärt: Moritz Krämer erzählt, Felix Weigt macht die Effekte und Hintergrundstimmen und ab und an darf auch Francesco Wilking mal die Protagonisten synchronisieren.

Dass Publikumsinteraktion nicht immer sinnvoll sein kann, stellte Francesco Wilking fest, als er "Timmy" mit dem Satz ankündigt: "Das sollte Donald Trump vielleicht besser mal machen" und ein Zuschauer prompt und taktlos erwidert: "Sterben!". Zum Glück ist mit "Timmy" ein absoluter Hit gelungen, der dieses Stimmungstief schnell vergessen macht. Direkt danach folgt mit "Lisbeth" der Smash-Hit des neuen Albums.

Leider endet auch dieser Abend trotz des Vorschlags von Felix Weigt, man solle die Wagenhallen doch einfach besetzen. Als letzter Song bleibt nur noch das vom ganzen Saal mitgesungene "Was Machst Du Dann" und macht einem phänomenalen Konzert ein Ende. Es bleibt zu wünschen, dass die Band ihre Ankündigung heute wahr macht und bald endlich mal Songs schreibt, wo beide Protagonisten am selben Ort sind und gemeinsam in die gleiche Richtung gehen wollen.

Text:
Tobias Leicher
Geschrieben am
19. November 2016
Die Höchste Eisenbahn Die Höchste Eisenbahn
german, singer-songwriter, Indie, vorgemerkt, seen live