Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Die Heiterkeit & JFR Moon im Merlin

Der Ernst des heiteren Lebens.

Gepflegt unspektakulär beginnt der Abend mit dem überraschenden Support von JFR Moon. Viel Gitarre, viel Gerassel und Geschepper haben die Herren aus Stuttgart mitgebracht. Die Melodien, die im Grunde aus der Feder von einer Person stammen, die heute als Frontmann einer Band aus Resten von Wolf Mountains und Human Abfall besteht, sind verlockend trübselig.

JFR Moon macht den Einstieg in den Abend angenehm und beweist seine beiläufige Hingabe zur lässigen Fusion mehrere Genres auf einen Streich. In der Tat könnte man fast jeden Song in eine andere Stilschublade stecken und man würde immer noch wissen, wer da vorne auf der Bühne steht.

Tief hinab.

So gar nicht heiter beginnen Die Heiterkeit ihr Set mit "Die Kälte". Tieftraurige Untergangsstimmung macht sich breit. Sommers düstere Stimme drückt auf die Stimmung um sie zu packen und in ein anderes Leben zu werfen. Die Texte werden überdeutlich artikuliert. Wagners und Deffners Stimmen gesellen sich von rechts und links als harmonischer Chor hinzu. Die Stimmung wird eigenartig feierlich.

Von der immer wieder aufgestempelten Freudlosigkeit kann keine Rede ein. Die Heiterkeit haben viel zu erzählen, auf Platte spürt man die Botschaften zwischen den Zeilen nur nicht so sehr, wie in den Momenten, in dem die Band vor einem steht.

Wir sind uns so nah.

"Schlechte Vibes im Universum", diese ständige Düsternis, die erschöpfte Welt. Viel Klang und Inhalt erinnert an die Tragik von Alexandra und die klassische Chansonnerie. "Im Zwiespalt" bestätigt diesen Verdacht, als himmelhohe Sythieklänge und tief wummernder Bass zu einander finden.

Ganz dünnes Eis.

Wortgewandt verleihen die Heiterkeit dem Dilemma eine Stimme, jeder Song ist aufgebaut auf ein tiefes Seufzen. "Komm Mich Besuchen" fördert ein aufwallende Soliorgie zu Tage, die die Wurzeln dieser Gruppe offenlegen und den Bandnamen erneut einen saftigen Ironiehieb verpassen.

Unspektakulär verabschieden sich Die Heiterkeit nach einem bemerkenswert angenehmen Konzertabend von der Merlin Bühne: "Du kommst mit Pauken und Trompeten. Die Heiterkeit ist hier gewesen."

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
19. November 2016
Die Heiterkeit Die Heiterkeit
seen live, Indie, pop, german, indie pop