Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Dotan im clubCANN

Ein Konzert wie eine Tasse Kakao mit Schuss: Warm, gemütlich und ein bisschen schummrig.

Nebel zu Nebel. Pop zu Folk.
Die Bühne versinkt im Nebel. Sphärische Klänge umgarnen unsere Ohren. Wir vernehmen die Silhouetten einer fünfköpfigen Band in der Dunkelheit. Ein Gänsehautmoment. Doch nur ein kurzes, denn als Dotan die Bühne betritt, entlädt sich die Spannung in gierigem Applaus. Die Schläge seiner Pauke hallen durch den aufgeheizten ClubCANN. Ein energiegeladener Auftritt für den sonst so ruhigen Singer-Songwriter.

Erst später lässt Dotan etwas von der Melancholie und Schwere durchblicken, die seine jüngstes Album 7 Layers allzu oft verspricht. Seine Stimme trägt Let the River In durch das andächtig schweigende Publikum und lädt zum Träumen und Verweilen ein. Doch sobald die letzten Klänge seiner Gitarre verstummen, grinst der erfolgreiche Niederländer schon wieder über beide Ohren. Geradezu ansteckend springt das Lachen auf die Hörerschaft über. Es wird den kleinen Saal noch oft erfüllen.

Denn Dotan meistert den fließenden Wechsel zwischen sanften Indie-Sounds und rockigeren Nummern, wie Diamonds in our Bones und Dark in the Morning, zu denen gewippt, gewackelt und sogar wild getanzt wird. Und er schafft es, dass man sich irgendwie verbunden fühlt, auf diesem – wie er sagt – „most intimate concert“ seiner Tour. Das bunt gemischte Publikum weiß die Wohlfühl-Atmosphäre zu schätzen. Ist aufmerksam, textsicher, leise oder laut – immer dann, wenn es leise oder laut sein muss.

Nach all den liebevoll vorgetragenen Songs brandet der Schrei nach einer Zugabe stürmisch auf die Bühne. Die gibt Dotan gerne – und noch ein bisschen mehr. Mit seiner Band gesellt er sich kurzerhand in die Mitte des Publikums und thront über einem Sitzkreis erwartungsvoller Zuhörer. Für einen kurzen Moment sind nur die Stimmen der Musiker und Dotans Gitarre zu hören. Wären da nicht die Soundeffekte der flink gezückten Kameras, könnte man fast von einem perfekten musikalischen Idyll sprechen.

Zuletzt gibt der Folkpopper seine Hit-Single Home zum Besten. "We're coming home now, we're coming home now", wiederholt der selig lächelnde Publikums-Chor. Welch wohlig wärmende Episode des Entkommens aus dem Alltag. Und da versinkt die Bühne bereits erneut im Nebel.

Text: Lena Wiesler

Text:
Geschrieben am
10. Dezember 2015
Dotan Dotan
singer-songwriter, Indie, dutch, seen live, pop