Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Eau Rouge im Zwölfzehn

Goldene Nächte für rosige Zeiten.

Wir starten entspannt mit sanften Delays und der sanften Stimme von Into The Fray. Der junge Mann, der heute ohne Band im Rücken den Support bestreitet, bekommt leider nicht ganz die Aufmerksamkeit, die er für seine stimmungsvolle Musik verdient hat.
Dann, komplett in Nebel eingehüllt, beginnt die Releaseparty von Eau Rouge und ihres jüngst veröffentlichten Debütalbums „Nocturnal Rapture“ mit dem Song "Margery".

In den vereinzelten Lichtflecken zwischen den dunklen Schwaden erscheinen immer wieder die Menschen hinter dem vollen Klangkonstrukt. Hits ballern auf Hits. Bässe auf bis in die Unendlichkeit ausgedehnt Synthiekaskaden. Schon beim dritten Song "Hunting Melodies" rührt sich das Publikum erheblich.

Strahlende Stimmung.

Die angekündigten neuen Lichtspiele halten alle Versprechen: Der Nebel lichtet sich langsam und taucht die Bühne in ein mysteriöses Etwas aus blauem Licht. Eau Rouge erstrahlen kurz darauf düster in Mustervariationen und werfen dramatische Schlagschatten auf die Wände.
Der Abend konzentriert sich aber vor allem auf die Musik. Man kann nur hin und wieder einen klaren Blick auf die Bühne werfen. In mitten dieser eigenartigen Unsichtbarkeit wird erst wirklich deutlich, wie jeder der drei seinen Part zum idealen Ganzen beizutragen weiß. Die Drums, die dem gesamten Spiel ausdrucksstarke Bodenhaftung verleihen, die beiden Stimmen, die sich in Leidenschaft ergänzen und zu übertreffen wissen und nicht zuletzt die Gitarren und Effekte, die aus den Puzzlestücken ein fertiges 1000-teiliges Gesamtkunstwerk werden lassen.

„Macht mal Stimmung,“ grölt halblaut eine Pfeife im Hemd aus der ersten Reihe. „Wir haben ne Stimmung. Aber die ist nicht Helau,“ setzt Jonas Treuter ihn Schachmatt.
Und er hat recht. Das Zwölfzehn ist stimmungsvoll angetan, fast besinnlich. Die neuen Stücke sind basslastig und verheerend tanzbar, die alten bewiesen nach wie vor noch ihre Intensität.

Von verträumtem Pop zu verschwurbeltem Indie bis hin zu wummernden Electronica-Abstechern haben Eau Rouge alles in ihrem Portfolio. Zum Schluss löst sich mitten in einer goldenen Nacht alles in einem einzigen Sprung in eine rosige Zukunft auf, in der wir sicherlich noch einiges von dieser talentierten jungen Band hören werden.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
14. Oktober 2016