Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Fink im LKA

Wenn man was zu verlieren hat, ist das Konzert von Fink im LKA an diesem Abend der richtige Ort. Man konnte sich hineinverlieren. Wenn nicht, wird's schwer.

Die Vorband besteht aus einem Typ, der eine Mischung aus DSDS Diva mit Tonhöhen-Handschwung-Anzeige und Sizarr ist. Eine haptische Nervensäge. Manchmal muss man eben stumm sein.

Zum danach stattfindenden Auftritt von Fink bin ich schlecht vorbereitet. Ich hab' die Musik früher mal gemocht, sie war ein bisschen persönlich emotional beladen und landete dann im Abseits. Ich hab' sie dort noch nicht wieder hervorgeholt und damit auch die neue Entwicklung von Fink verpasst. So geht es damit los, dass ich überrascht bin von so vielen Zuhörern. Und damit weiter, dass Konzertberichte schlechter ausfallen, je länger man auf die Musik warten muss. Bier aus Plastikbechern wirkt zusätzlich abwertend. Klingt unfair, ist aber halt manchmal so. Vor Jahren hab' ich Fink mal in Hamburg gesehen. Lokationsvergleiche kann das LKA nicht gewinnen.

Die ersten beiden Stücke sind gespielt, als ich versuche wenigstens ein wenig objektiv zu denken. Nach dem dritten will ich mit dem Denken ganz aufhören, dafür zuhören. Die langen Titel mit extra viel Bass und feinem Schlagzeug unterstützen das. Ganz kurz sehne ich mich an die Theke im Café Weiss, wo ich eventuell auch einen Euro in die Jukebox schmeißen könnte. Tschuldigung.
Die nächste Erkenntis ist, dass eine große Menge Tätowierungen noch keine gute Barfrau ausmacht.
Dann kommt Sort of Revolution, zumindest glaube ich das zu erkennen. Das ist schön, mit diesem trägen Gesang. Musik, die sich nicht entscheiden kann und den Kampf gegen den Bass verliert. 50 Cent für Ohrstöpsel wären wohl doch ein gutes Geschäft am Eingang gewesen. Und der Mischer sollte sich mit auf die Bühne stellen, da liegt so viel im Argen, dass er entscheidenden Einfluss auf das Konzert hat.

Na, ich übertreibe. Je länger das Konzert dauert, desto mehr sehe ich ein, dass sie das nicht verdient haben. Ich mag die Titel ja, aber heute werden sie nach fünf Minuten langweilig. Und dann hat man ja noch durchschnittlich weitere vier. Oder so. Durchgehend überzeugt bin ich nur vom Schlagzeug, das alles kann und fein variiert. Bei einem Song, dessen Textteile ich nicht heraushören kann, konzentriere ich mich auf den Off-Beat.
Später wird der Frontman seine Mütze absetzen und ein bisschen wie Sido aussehen, dabei eine Lagerfeuer-Hymne spielen, die mich an Roy Black erinnert, nur englisch halt.

Gott sei Dank spielen sie eine kleine Zugabe. Nein, nicht weil ich nicht mehr hören will. Sondern weil "This Is The Thing" alles irgendwie rettet und ich dann doch mit dem Gedanken nach Hause gehe, mich mit dieser CD von damals vor die Lautsprecher zu setzen.

Ich hab mich wohl nicht ganz in den Songs verloren. Und doch eine Kleinigkeit gewonnen.

Text:
Manuel Niedermann
Geschrieben am
01. März 2015
Fink Fink
Indie, singer-songwriter, downtempo, ninja tune, chillout