Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Fink im LKA

Fink ist ein beeindruckender Geschichtenerzähler der das Publikum mit seiner Authentizität und Bescheidenheit begeistert.

Erwartungsvolle Spannung herrscht unter den Besuchern des nicht ausverkauften LKA, als Fink und seine Band um Viertel vor neun die Bühne betreten. Man glaubt einige dieser Gesichter schon beim letzten Gastspiel Finks vor gut drei Jahren gesehen zu haben, nur eben ein paar mehr davon. Liegt es an seinem möglicherweise etwas sperrigen und erst vor sehr wenigen Wochen releasten neuen Album, dass der Zuschauerzuspruch etwas abgenommen hat im Vergleich zur letzten "Hard Believer"-Tour, als es äußerst hip war, Fink gut zu finden?

Eventuell, jedenfalls sind weniger sehr junge Zuschauer da - der Durchschnitt dürfte bei etwa 45 Jahre liegen, so alt wie Fink selbst ist. Dieser lässt sich neben seiner Etat-mäßigen Band, bestehend aus Guy Whittaker am Bass und Drummer Tim Thornton, der auch gelegentlich in die Saiten greift, noch von einem weiteren Schlagzeuger (!) und einem E-Gitarristen begleiten.

Äußerst nervig fand ich beim Konzert vor drei Jahren die Tatsache, dass vor allem einige der jüngeren Zuschauer sehr respektlos mit der Band und den anderen Zuschauern umgingen. Da wurde sich in einer Dringlichkeit während (!) der Lieder unterhalten, als hätte man sich seit Jahren nicht gesehen und die Gesprächslautstärke so angepasst, dass man auf jeden Fall nicht durch die Band „beeinträchtigt" wurde. Dieses asoziale Verhalten stieß vielen damals sauer auf, und ich hörte von einigen Zuschauern gestern, dass mancher andere aus diesem Grunde gestern gar nicht erst (wieder-) kam.

Das ist bedenklich und Fink hat das auch gar nicht verdient. Seine Musik ist sowohl live als auch auf Platte von vielen Dynamiken durchzogen, spielt mit der Lautstärke und Intensität während der jeweiligen Songteile. Mit "Warm Shadows" vom 2011er Album "Perfect Darkness" beginnen Fink den Abend und deuten damit schon an, dass es einen interessanten Querschnitt durch die gesamte Schaffensphase der Band geben wird. Es werden Songs der letzten Alben "Hard Believer", "Perfect Darkness" und vom neuen Album „Resurgam" gespielt. Letzteres unterscheidet sich von seinen beiden Vorgängern durch eine veränderte Klangästhetik und Produktion. Es klingt irgendwie luftiger und wirkt trotzdem sehr direkt und dicht.

Es gibt ungewohnte Klänge zu bestaunen, wie Fender Rhodes Piano oder afrikanische Rhythmen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie würden sich diese Sounds in die Fink-Klanglandschaft früherer Alben und Performances einbetten lassen? Flankiert von bekannten, älteren Songs, Sounds und Strukturen, die jeder anwesende Konzertbesucher kennt und schätzt? Absolut überzeugend, würde ich sagen. Fink hat einen absolut eigenständigen Sound, der alles was von Ihnen dargeboten wird, stimmig und unverwechselbar nach Fink-Kosmos klingen lässt. Es ist Musik für die späteren Stunden des Abends oder die ruhigeren Momente des Lebens - wie wenn man nach einer langen Reise zurückkehrt und man sich selbst und alles erstmal wieder finden muss.

Fink und seine musikalischen Mitstreiter haben aber auch einen sehr speziellen musikalischen Flow und ihre meist im Midtempo gehaltenen, tragenden Songs, verlangen auch ein Publikum, dass sich dem Dargebotenen vollständig hingibt und von ihm wegtragen lässt. Erfüllt man diese Voraussetzung, kann man einen sehr intensiven und von musikalischer Melancholie durchströmten Konzertabend erleben. Das Schöne an Finks Musik ist, durch alle Melancholie und Düsterheit schimmert immer auch Hoffnung und Zuversicht durch - am Ende. Aber man braucht auch das Durchhaltevermögen bis zum Ende.

Diese Kommunikation des Gebens und Empfangens zwischen Band und Publikum, greift vor allem in der zweiten Hälfte des gut zweistündigen Konzertes, während man hingegen in der ersten halben Stunde manchmal das Gefühl hat, die Band und ihr Publikum sind noch in der warm-up Phase. Bevor die Band den Abend, dessen wunderbare Eindrücke bei den meisten Besuchern noch etwas nachhallen dürften - mit drei Zugaben - darunter die länger nicht gespielte Nummer "Biscuits For Breakfast" vom ersten Album, beschließen, registriert auch Fink die gesteigerte Begeisterungsfähigkeit des Publikums: "Things are always getting more intense, when they come to the end. Pretty much like right now." Da hat er mal wieder zur richtigen Zeit, genau das Richtige gesagt.

Timing is everything. Dass Dinge oder Beziehungen an Intensität zulegen, wenn es auf das Ende zugeht, mag eine Beobachtung sein, die vielleicht nicht so rasend neu und fast schon so trivial ist, dass sie auch in einem Glückskeks zu finden sein könnte. Das Interessante ist aber, der Kontext und die Perspektive, in der diese Aussage steht und wie sich diese in die Botschaft seiner Lieder einfügt. Fink schafft es, dass das Unspektakuläre, das, an was man sich längst gewöhnt hat, was auf der Hand liegt, einen beeindruckt und nachhallt.

[Text: Michael Rilling]

Text:
Geschrieben am
28. Oktober 2017
Fink Fink
Indie, singer-songwriter, downtempo, ninja tune, chillout