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FRAKTUS in den Wagenhallen
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FRAKTUS in den Wagenhallen

Die Band, die keinen Anreißer braucht: FRAKTUS – die Jackson Five aus Brunsbüttel, die Velvet Underground der Nordseeküste. Die einzig wahren Erfinder des Techno.

Die Konzertreihe "POP FREAKS" präsentiert in den nächsten vier Wochen einige herausragende Newcomer Acts wie Lambert, Drangsal, Fenster oder Locas in Love, sowie Blumfeld-Mastermind Jochen Distelmeyer. Headliner und ein dickes Ausrufezeichen im Line-Up sind jedoch ganz andere.

Völlig überraschend schafften es die Veranstalter ebenfalls die Pop-Lichtgestalten und absoluten Megastars FRAKTUS für ein Konzert nach Stuttgart in die Wagenhallen zu lotsen. Auf ihrer sagenumwobenen Stadion-Tour "Welcome To The Internet" haben sich die drei Hamburger Visionäre, Chartstürmer und Klick-Millionäre – trotz sonst riesigen Hallen, Festival-Headline-Slots und restlos ausverkauften Arenen – für eins ihrer seltenen, intimen Clubkonzerte verpflichten lassen. Bernd Wand (Geräusche), Dirk Eberhard 'Dickie' Schubert (Gesang) und Torsten Bäge (Drum-Machine) werden, welch Coup, am 26. Januar in den Wagenhallen auf der Bühne stehen.

Nachdem die Band jahrelang im Schatten ihrer populären Ziehkinder Sven Väth, Westbam oder Marsusha stand, änderte die Dokumentation "Fraktus - Das letzte Kapitel der Musikgeschichte" von Dokumentarfilmer Lars Jessen 2012 alles. Fraktus, die in den 70er Jahren als die Ersten mit Sampling experimentiert hatten, gelang es mit Tracks wie "Affe sucht Liebe" oder "Computerliebe" weit vor den bekannten DJs und Krautrock-Heroen, den Techno zu erfinden. Die folgenden Alben "Millennium Edition", "Freunde sind Friends" und der neue Longplayer "Welcome To The Internet" stiegen auf Platz 1 der deutschen Album-Charts ein und prägten, wie kaum eine andere deutsche Band, die internationale elektronische Szene und DJ-Culture. Hiermit riefen sie nicht weniger als die Revolution von Dance-Music aus - David Guetta und Avicii werden vergessen sein, Fraktus will live forever.

Die hochexperimentelle, intellektuell-poetische Musik von Fraktus besticht dabei stets durch eine Catchyness, die Krautrock-Elemente und moderne Dance-Patterns zu einem irrwitzigen Pop-Kunstwerk remixt. Abstrakte, dadaistische Texte und eine unheimliche, fast magische Bühnenpräsenz – Zuschauerinnen beschrieben Konzerte als göttliches Erweckungserlebnis – sind ein Trademark der vielleicht größten, deutschen Band seit den Scorpions.

Text:
Stefan Sommer
Geschrieben am
12. Januar 2016
Fraktus Fraktus
seen live, electronic, experimental, ndw, Heinz Strunk