Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Frank Turner & The Sleeping Souls im LKA

Scheiß auf morgen, es ist heute!

Dreimal Folk zum Preis von einem.
Das 1819te Konzert seines Lebens führt Frank Turner erneut ins LKA Longhorn nach Stuttgart. Hier hat er sich nach seiner Show im September 2013 ein Tattoo stechen lassen. Und hier hat er auch einen Großteil des Publikums für sich gewonnen, das sich nun ein paar Jahre später erneut hier einfindet. Überpünktlich kommen auch wir im ausverkauften und damit übervollen LKA an. Schließlich haben sich auch zwei Voracts angekündigt, die sich sehen lassen können.
Mit Witz und Melodien à la Johnny Cash unterhält Will Varley aus London und liefert einen würdigen Einstieg. Den darauffolgenden, ebenfalls aus London stammenden, Skinny Lister nimmt man ihre exzentrische, etwas spezielle Country-Folk-Punk-direkt-aus-dem Irish-Pub-Chose doch direkt ab. Multiinstrumental und mehrstimmig heizen sie dem Publikum ordentlich ein.

Licht an.
Nach den beiden soliden Supports schlägt die Uhr zehn, als endlich Frank Turners Show beginnt. Sind ja nur sechs Alben, die hier in den nächsten zwei Stunden komprimiert werden müssen. Erste Müdigkeitserscheinungen? Die werden mit erhobener Faust weggeschrien oder verspielt weggehüpft. Schließlich gilt, wie im Einstiegssong „The Next Storm“ festgehalten: „I don't wanna spend the whole of my life inside.“ Also gut. „Let's step out and face the next storm.“ Und der Sturm geht steil: Der Lautstärke-Pegel steigt proportional zu manch anderem Pegel. Und auch der Lichtmann scheint endlich die Regler gefunden zu haben. Und was da auf der Bühne passiert? Hingabe, Leidenschaft und Leben im Moment. Musikalisch bleibt Frank Turner grundsolide und charakterfest aber auch wenig überraschend. Der Stimmung ist das egal. Die steigt stetig. Seine Band, die Sleeping Souls, wirken alles andere als schläfrig und stehen ihm in Sachen Performance und Charisma in nichts nach.

Energetisch, sympathisch, prinzipientreu.
Durchgehend in Bewegung und überwiegend hüpfend scheint seine ganze Körpersprache zu schreien: „Kommt Leute, denkt nicht an morgen, lasst all eure Gedanken los und feiert mit mir!“. Außerdem weiß der ehemalige Punkbandfronter, wie man eine Beziehung zu seinem Publikum aufbaut. Begrüßung und Liedankündigungen auf deutsch, Publikumsnähe bis zum Anfassen, ständiges Auffordern zum Mitklatschen, Mitsingen, Hinknien, um danach ausgelassen rumzuhüpfen.
Ein Mann, ein Abend, zwei Regeln: 1. Be nice! Gebt aufeinander acht! 2. Sing along. Klappt heute Abend beides. Doch bricht einer die Regeln und pöbelt volltrunken in das einzige ruhige Lied des Abends, fliegt er aus dem Saal. Ohne Diskussionen.

Die Agenda für Frank Turners nächsten Besuch im Kessel steht somit. Und falls die Sleeping Souls mal ausfallen, geben die Stuttgarter einen würdigen Ersatz als Backing-Band ab. Die Vocals haben sie schon mal drauf.

Text:
Jelka Ottens
Geschrieben am
22. Januar 2016
Frank Turner Frank Turner
folk, singer-songwriter, acoustic, british, Indie