Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Get Well Soon im Wizemann

Schmachtfetzen in strahlender Idylle.

Der Schein des Trubels vom großen Saal des Wizemann trügt: Dösig schmachten Inner Tongue noch ihre letzten Takte, bevor der eigentliche Abend beginnt. Und zwar so gediegen, wie sich dieser Club vielleicht zum ersten Mal geben darf.

Im fast dunklen Saal tänzeln die Schatten von Konstantin Gropper und seiner Band vor überdimensionalen Lettern im Gegenlicht, die ihr Motto über das gut gefüllte Wizemann erstrahlen lassen: LOVE. In Form von "It's Love" wiegt uns der Auftakt sanft in warmen Gefühlen, bevor "Eulogy" die freudig erregten Reihen mitwippen lässt.

Zeit für Balladen.
Tragende Arrangements sorgen schon jetzt für Tiefenentspannung im Publikum. Da könnte fast der Wunsch nach einem Sitzkonzert laut werden. Nach so viel Liebe zum Auftakt folgt ein kleiner Ausflug zum letzten Langspieler mit "The Last Days Of Rome". Immer weiter schunkelt das Wizemann im Zeichen der Liebe im Takt.

"It's A Catalogue" glänzt gespenstisch, und "Marienbad" ist noch lange nicht die letzte zeitlos schöne Ballade, mit der Get Well Soon das Publikum heute noch umgarnen wird. Obwohl der Großteil der Setlist aus Songs der aktuellen Platte besteht, gibt es später ein besonders hübsches Cover von "Greatest Hits" zu belauschen. George Michaels "Careless Whisper" verwandelt die vor über 20 Jahren noch lasziven Klänge in ein düster schwelgendes Gewirr aus Piano-Geklimper und Streicherromantik. Da kann man schon mal ins Schmachten kommen.

"Too Much Love"
Bei so viel "Love in the Air" ist inzwischen jegliches Zeitgefühl verloren gegangen. Gut, dass inmitten der zweiten Hälfte elektronisch abgemischte Melodien die Eintönigkeit zahlreicher Kuschelmomente wenigstens kurzzeitig verscheuchen. "Too Much Love" – wohl wahr. Nach einer kurzen Atempause gibt es Groppers Solo-Intermezzo mit "33". "You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)" rüttelt uns aus dem 100-jährigen Schönheitsschlaf mit euphorischen Drums und gleißender Lichtshow.

Ein letzter akustischer Akt mit "Red Nose Day" und "Christmas In Adventure Parks" beschließt die Show, die zärtlicher nicht hätte sein können. So schön der Abend war - in manchen Momenten musste man sich fallen lassen können. Nicht, um in einem Sog aus Schmachterei verloren zu gehen, sondern um ganz bei der Musik von Get Well Soon zu sein, die ihre Existenzberechtigung heute Abend im sanften Streicheln von Schultern und Herzen gefunden hat.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
13. März 2016
Get Well Soon Get Well Soon
Indie, singer-songwriter, german, alternative, indie folk