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Happiness Festival Tag 2 in Straubenhardt
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Happiness Festival Tag 2 in Straubenhardt

Am 16. Juli wurde es ganz schön heiß. Sum 41, Turbostaat, Bakkushan und viele mehr machten das Happiness Festival 2011 unsicher. Tag 2 des Happiness Festivals.

Neuer Tag, neues Glück? So konnte man das Ganze nennen! Sonnen- wie Schattenseiten bestimmten auch den zweiten Tag des Happiness Festivals.

Am Samstag hatte sich die Organisation nämlich was Neues ausgedacht: Das Parken auf der Landstraße wurde von der Polizei verboten und man sollte sein Glück auf dem Campingplatz versuchen. Wofür wurde hier bitte bezahlt? Da aber der Campingplatz irgendwo am anderen Ende der Welt war, wurde kurzerhand die Straße wieder in Beschlag genommen. Besagter Parkplatz war der Polizei relativ wurscht, aber die unglaubliche Erdreistung eines Campingstuhles hinter dem Auto sorgte für eine pochende Halsschlagader des Herren Polizeiwagenfahrers. Auch der Zwang zur Beseitigung fremden Mülls zeugte vom Weitblick der Männer in grün… Niemand nahm das Wort „Beamtenwillkür“ in den Mund.

Ein weiterer Clou war der neugestaltete Einlass, bei der Mann wie Frau abgetastet wurde. Dadurch kam es zu enormen Verzögerungen, sodass man gegen Abend nicht einmal mehr das Festival durch diesen Eingang/Ausgang verlassen konnte. Kontrolle muss sein, aber Leute, die über den Zaun klettern um rauszukommen, müssen nicht sein.

Fathead aus Bruchsal durften um kurz vor 5 ran und begeisterten schon eine ganze Menge Leute mit ihrem Alternative Rock. Mit CD-Geschenken an die Damenwelt wurde der Auftritt aufgelockert. Waldo and Marsha waren eine achtköpfige dänische Band die man unter die Rubrik Lückenfüller packen konnte. Musikalisch gab es Pop-Rock in die Arcade Fire Richtung. Leider ein wenig fehl am Platze.

Aufgrund der genannten Verzögerung am Einlass wurden leider auch Yakuzi verpasst, dafür hatte man dann genug Zeit, bis Bakkushan anfangen durften. Bevor diese aber loslegten, gab es noch Aufruhr, da ein Motorrollerfahrer durch das Festivalgelände brauste. Erst rannten Polizisten und Securities dem Randalierer hinterher, aber nach zwei Runden gaben diese auf und er durfte unbeirrt weiter seine Runden durch die Menge drehen.

Die guten Stuten von Bakkushan spielten nun zum dritten Mal hintereinander auf dem Happiness und allen Anschein nach bekommen die Straubenhardter nicht genug. Mit Hits wie Springwut, Alles war aus Gold (inkl. Goldfontäne) und der Bandhymne Baby, du siehst gut aus wurden die gut 2000 Menschen angeheizt und mit lustigem Zwischenspiel animiert. Es wird langsam Zeit für ein neues Album, liebe Bakkushan-Boys.

Pünktlich zur Dämmerung kamen die schönsten Friesen des Nordens auf die Bühne: Turbostaat. Manche können mit ihrem Deutschpunk, mit ihren Texten, die zwischen Poesie und Alkoholmissbrauch hin- und herschwanken, nichts anfangen. Andere wiederum tanzen und gröhlen Texte wie Pennen bei Glufke mit. Es ist also schwer, diese Band auf einem Festival unterzubringen. Leider sprang der Funke auf die meisten jetzt schon in den Reihen stehenden Sum 41 Fans nicht über. Schade schade, dass solche Reißer wie Husum verdammt nur von wenigen zur Kenntnis genommen wurden. Aber von so was lassen sich Turbostaat nicht unterkriegen und überraschten mit teils verschollen geglaubten Liedern des Flamingo Albums. Sogar vor dem Fünffingerwürstchengriff inkl. Drumcomputer wurde kein Halt gemacht. Nach über einer Stunde war dann Schluss und für Sum 41 wurde mal richtig dick aufgefahren.

Punkt halb 12 ging es los. Viele haben es nicht für möglich gehalten, aber Sum 41 kamen tatsächlich auf die Bühne. Das Happiness Publikum war glücklich und heiß, nachdem man sie nun über 30 Minuten mit einem AC/DC-Best Of hat schmoren lassen. Deryck Whibley brauchte nicht viel, um die Fans außer Rand und Band zu bringen. Schon bei den ersten Tönen von Reason To Believe drehten mindestens 2500 Leute komplett durch. Auch bei Skumfunk ging die Meute steil. Mit den Singles We're all to Blame, Walking Desaster und Over My Head wurde ein Blick zurück geworfen. Aber die meist jungen Leute warteten auf die neuen Lieder der Screaming Bloody Murder. Zwischendrin wurden immer mal wieder ein paar Fans auf die Bühne geholt, die dann aus der Bühnenecke aus zugucken durften. Diese Aktion erinnerte aber irgendwie leicht an Green Day Konzerte… da füllt Billie Armstrong auch immer die Bühne. Gegen Mitte des Konzertes wurde es dann noch metallisch. Laut Deryck mag ja eh jeder Metal und vor allem Metallica. Daher gab es ein schickes Metallica-Motörhead Cover-Medley, das mal gar nicht so übel war. Nun vermisste man den alten Bassisten Brownsound doch ein bisschen, den alten Metalhead. Der Stimmungspegel wurde mit Fat Lip noch mal richtig nach oben gedrückt und mit ihrer ganzen Bandbreite zogen Sum 41 alle Leute mit sich. Nach 1 Uhr mussten wir aber langsam aufbrechen, bevor die Menschenmassen uns den Weg erschwerten.

Als Fazit kann ich nur sagen, dass das Happiness Festival 2011 wohl einen zu großen Sprung gemacht hat und manche Eventualitäten gar nicht beachtet wurden. Wir hoffen das das nächstes Jahr wieder besser wird. Vielleicht auch mit weniger als 5000 Leuten.

Text:
Rene König
Geschrieben am
14. Juli 2011
Sum 41 Sum 41
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Emil Bulls Emil Bulls
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Turbostaat Turbostaat
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Ohrbooten Ohrbooten
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