Kulturpegel

 
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Human Abfall - Releaseparty im Schocken

Der Abriss eines Abends.

Es wird dunkel über Stuttgart. Human Abfall setzen zu ihrem wütenden Set im Schocken an. Alles stiert auf die vier Stuttgarter, als hätten sie uns eben vor die Füße gekotzt. Hier fackelt keiner lang, schließlich will ein neues Album vorgestellt werden. Und dass Human Abfall allen Momenten im wahrsten Sinne des Wortes "Form und Zweck" geben wollen und können, wird von der ersten Sekunde an greifbar.

Schnittige Riffs, heftig lärmender Bass und abwechslungsreiche Drums überraschen von Lied zu Lied. Durchgeatmet wird kaum. Flavio Bacon stiert in die Menge, die Menge hängt an seinen predigenden Lippen. "Sie befinden sich in einer bequemen Stellung", schallt es durch das Schocken. Doch bequem ist hier nichts. Die Songs von Human Abfall sind live noch direkter zu fassen als auf Platte.

Rythmusarien und effektvolle Saitenhiebe ziehen uns in ihren Sog. Wir lauschen gespannt auf den nächsten Spiegel, den uns Human Abfall voller Abscheu gegenüber der Welt gleich vorhalten werden. Bacon repetiert sich in den Wahn, JFR Moon und Ringo Stelzl werfen sich immer wieder hinter der Front hinundherwandelnd Bass oder Gitarre zu.

Die Show ist kurz, intensiv und bleibt bis zur letzten Sekunde auch mit Setlist vor Augen spannend. Erst als das Weiße in den Augen des Human Abfall-Sängers sichtbar wird und uns eine harte Kündigungslyrik in Form von "Abgesagt" ein weiteres Mal vor den Kopf stößt, der vor lauter Wirbeln kaum noch klar denken kann, begreifen wir das Ende des Abends. Doch Nacht wie Album sind noch jung. Und Human Abfall haben noch lange nicht alles gesagt.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
29. Mai 2016