Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Hundreds im Wizemann

Step into the wilderness.

Hundreds und Stuttgart - In der Vergangenheit waren das magische Abende. Ob nun als wilde Tanzorgie beim Pop Not Pop Festival oder als intimes, bestuhltes Konzert im Theaterhaus, bisher enttäuschten Hundreds einen nie und überraschten dafür umso mehr.

An diesem recht kalten und verregneten Herbsttag konnte es daher nicht schnell genug losgehen, um den neuen Klängen des Albums "Wilderness" zu lauschen. Um 20 Uhr fing pünktlich das Duo Apren an, welches versuchte ein wenig stimmungsvollen Ambient-Pop zu verströmen. Leider gelang ihnen es in den 30 Minuten nicht das Publikum mitzureißen und sie mussten sich mit allgemeinem Gemurmel und einem Höflichkeitsapplaus begnügen.

Alles richtig machte um 21 Uhr das Geschwisterpaar Eva und Philipp Milner, die mit ihrem Intro "Wilderness" gemächlich anfingen. Sängerin Eva nahm natürlich in der Mitte, traditionell barfuß, Stellung, während ihr Bruder sich hinter Klavier und Elektrotürmen bedeckt hielt. Musikalisch ging es von Anfang an erhaben los, leider war der Sound etwas kraftlos, weshalb Evas sanfte Stimme nicht zur vollen Geltung kam.
Auf das neue Album wurde selbstverständlich der größte Fokus gelegt und gerade Lieder wie "Black Sea", welches hymnisch bis zum imposanten Ende begeistert, werden Hundreds Setlist lange nicht verlassen. Trotz all den neuen Melodien, wurde auch die Vergangenheit nicht vernachlässigt: "Ten Headed Beast" wurde nur von Klavier und Stimme getragen, während das mystische "Beehive" eine Videoanimation präsentierte, welche durch die zusätzlichen Lichter eine Dreidimensionalität vorgaukelte.

Jedes gute Hundreds-Konzert steht und fällt mit dem Publikum und wie es sich auf die Band und ihren Sound einlässt. Immer wieder gab es laute Gespräche oder kurze Platzrangeleien, die sich unschön auf die Atmosphäre auswirkten und einen aus den bedächtigen Songs rausrissen. Besser wurde es als Hundreds ihre tanzbaren, elektronischen Lieder auspackten. Dann konnte man sich ganz auf Evas Stimme einlassen und sich fast schon in Trance wippen.

Ein weiterer schöner Abend ging mit den Hamburgern zu Ende und obwohl das neue Album noch ein wenig Zeit braucht um zu wirken, freu ich mich schon auf die nächste Begegnung im neuen Jahr.

Text:
Rene König
Geschrieben am
14. November 2016
Hundreds Hundreds
electronic, electronica, Indie, ambient, german