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IAMX im Astra Berlin
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IAMX im Astra Berlin

Am 14 April beehrte Chris Corner mit seinem Soloprojekt IAMX die Bühne des Astras in Berlin. Das Gesamtpaket aus düsteren Elektro-Pop-Klängen und der visuellen Untermalung in Form von Videoprojektionen und schrägen Bühnenoutfits nahm das Publikum auf eine dunkel-glitzernde Reise in elektronische Sphären mit.

Das Duo Noblesse Oblige, das die Zuhörer zuvor in konzerttaugliche Laune bringen sollte, lieferte eine solide elektronisch-multiistrumentale Show ab. Neben dem beständigen Wechsel der Instrumente von Kastagnetten über Gitarren zu Ukulele, Drums und Trompete, stach vor allem die leicht bekleidete Sängerin Valerie Renay ins Auge, welche durch dramatische Posen davon ablenkte, dass sie ihrem Mitstreiter Sebastian Lee Phillip stimmlich unterlegen war. Nichtsdestotrotz eine unterhaltsame Show, die durch die zuckenden Tanzeinlagen der ehemaligen Schauspielerin zu einem kleinen Spektakel wurde.

Als dann gegen 22 Uhr endlich Chris Corner die Manege betrat, mit behandschuhten Fingern nach dem Mikro griff und ein laszives Bonjour Berlin hineinhauchte, war der Jubel groß. Der Entertainer hatte sich in ein schwarzes Outfit geworfen, das die Assoziation an eine zu groß geratene Fledermaus hervorrief, ergänzt durch eine als Augenklappe dienende Glitzernerzmütze. Zur Unterstützung hatte sich Corner noch drei weitere Mitstreiter auf die Bühne geholt. Eine Schlagzeugerin, ein Bassist und ein Paradiesvogel am Keyboard in einer silbern schillernden Toga mit überdimensionaler Fliege sorgten für elektronische Klanggebilde der IAMX'schen Art.

Mit dem im Rahmen der Fires and Whispers-Tour stattfindenen Konzert präsentierte Corner sein neuestes Album Volatile Times, das er selbst als sein mitteilsamstes und persönlichstes Werk bezeichnet. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, auf diesem Album „Das unakzeptierbare private Ich mit den Gesetzen und Widersprüchen der Außenwelt“ zu vergleichen. Dies geschieht in ironisch-provozierender Manier. Widersprüchlich sind auch die zwar düsteren, aber nichtsdestotrotz treibenden Partypopbeats, welche die sozialkritisch angehauchten Lyrics untermalen. Als selbstironisch ist wohl hier auch die Tatsache zu verstehen, dass der Abend mit Music People begann, einem Song, der das Musikkarussell kritisch beäugt.

Im Laufe des Abends wurde Volatile Times nahezu komplett gespielt. Zu Highlights wurden neben der Abschlusshymne Spit it Out auch Ghost of Utopia und The Alternative, die als Elektro-Pop-Hymnen den Saal schnell in Bewegung brachten. Das bunt durchmischte Publikum hatte neben Glitzerfetischisten mit Flitterkram in Gesicht, Haaren und auf der Kleidung und der Berlin-Hipster-Fraktion in Skinnyjeans, mit Existenzialistenbrillen auf der Nase und Umhängbeuteln über der Schulter auch einige dunkel Gewandeten zu bieten, die sich vermutlich in mühevoller Schminkarbeit Tribal-Make-Up á la Lafee in die Gesichter gepinselt hatten. Dennoch, eins vereinte sie alle: Die Menge im Astra war erstaunlich textsicher, die meisten Songs wurden mitgesungen und betanzt. Dabei genoss der Wahlberliner Corner die Aufmerksamkeit der Zuhörer sichtlich und legte sich musikalisch und tänzerisch ins Zeug. Wie ein kleiner Wirbelwind fegte er über die Bühne, trommelte leidenschaftlich auf die Drums ein und warf dabei auch den einen oder anderen Mikrofonständer um. Der herbeigeeilte Roadie wurde zwischendurch in die Showeinlagen eingebunden und von Chris oder der togatragenden Keyboarderin angetanzt. Auch präsentierte Corner seine Sprachkenntnisse indem er die an Zirkusmusik erinnernde Zugabe Bernadette unter Jubel der Fans auf Deutsch sang.

Musikalisch war der Auftritt von IAMX ein kleines Highlight. Die düsteren Beats der geschickt komponierten Songs wurden durch Wave-Elemente und dem poppig-melancholischen Dancesound perfekt abgerundet, untermalt vom starken Gesang des androgynen Entertainers. Chris Corner Stimme war sowohl für kreischig-raue Passagen, als auch für emotionalen Singsang gerüstet und der Rest der Band war ein eingespieltes Team, das sich perfekt ergänzte.

Das Konzert von IAMX im Astra war eine rundum gelungene Show, an dessen Ende viele Mädchen und Jungs, die der Glitzer-Diva Corner verfallen waren, glücklich nach Hause gingen.

Text:
Sarah Neuhaus
Geschrieben am
08. April 2011
IAMX IAMX
electronic, synthpop, alternative, electroclash, trip-hop