Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

IAMX im Universum

Ein kurzes Vergnügen.

Der Konzertabend hatte schon gut begonnen. Mit zwei Objektiven ausgestattet, den Akku der DLSR über Nacht extra noch ans Ladegerät angeschlossen, begab ich mich des Dienstagabends zum Universum. Voller Vorfreude auf IAMX, die Band, deren Fan ich nun schon seit 10 Jahren bin, gepusht von den Erwartungen und Eindrücken, die das letzte Konzert, 2013 in Berlin (hier der Bericht), bei mir hinterlassen hatte. Doch mein Enthusiasmus wurde gleich zu Beginn etwas gebremst, nachdem ich, verwundert über das Gewicht meiner Kamera, bemerkt habe, dass sich mein Akku wohl noch im Ladegerät befinden müsste. Da ich gelernt habe, über solchen Gegebenheiten zu stehen, habe ich mich davon nicht weiter beirren lassen und hab mich einfach zu Beginn kurzerhand ganz nach vorne durchgeschlängelt, bis ich einen einigermaßen akzeptablen Blick auf die Bühne hatte. Dank einer sehr netten Besucherin, der ich meine Situation erklärt habe (etwa so: „sorry, kann ich hier kurz stehen bleiben? Bin Fotograf aber hab meinen Akku zuhause vergessen und muss jetzt halbwegs gute Handyfotos hinbekommen“), hatte ich eine ganz gute Position und hab versucht, das Beste aus meinem Huawei P9 Lite herauszubekommen. Dank grandiosem Licht ist das auch relativ gut gelungen (für Huaweiverhältisse).

Ein weiterer Vorteil, ganz vorne stehen zu dürfen, war natürlich auch die ultimative Live-Erfahrung, die sich mir dadurch bot. Ich stand quasi einen Meter vor Synth-, Bass- und Vocal-Göttin Janine Gezang, die ihre musenhafte Ausstrahlung nutzte, um dem Publikum konstant einzuheizen. Ich war begeistert. Etwa vier Meter von mir stand Chris Corner, Stimme, Hirn und Herz von IAMX, der seine gesamte Power, seine gesamte Leidenschaft und Energie in gleich zwei einhändig gehaltene Mikrofone gechannelt hat. Zu seiner rechten befand sich die Keyboarderin in zauberhafter Gothic-Doll-Montur. Zusammen mit Drummer Jon Siren, der ebenfalls heftig reingehauen hat, haben die vier Londoner ihren einmaligen düsteren, melancholischen aber durchaus tanzbaren Synthpopsound zum Besten gegeben, wunderbar kombiniert mit der fantasievollen Lichtshow, die hier und da von Lichtstrahlen durchzogen wurde. Zusätzlich ästhetisch untermauert wurde der Auftritt vom Outfit der Bandmitglieder. Während Janine seit den Dreharbeiten des Musikvideos zu Stardust mit ihrem frisch rasierten Kurzhaarschnitt die Menge begeisterte, dazu eine kunstvoll neuverwendete Spitzenfeinstrumpfhose als Oberteil über x-förmigen Nippelklebern und IAMX-Minirock trug, entschied sich Chris für die krallenbesetzten Lederhandschuhen, dazu Cappy über zwei Zöpfen, gepaart mit Plateauschuhen und Skinny Jeans.

Alles in allem ein typisches, gelungenes IAMX-Spektakel. Neue Songs vom aktuellen Album wurden präsentiert, wie gleich zu Beginn Alive in New Light, neben Stardust, Body Politics (übrigens mein Favorit) und Break The Chain. Hinzu kamen noch Songs der Vorgängeralben wie Northstar, I Come with Knives und Happiness und leider nur wenige Klassiker wie Kiss and Swollow, welcher nach der ersten und einzigen Zugabe, zusammen mit dem abschließendem, ruhigen Song The Power and The Glory vom aktuellen Album gespielt wurde. Man konnte sehen, dass die Tour Chris bis nach Stuttgart wohl sehr geschlaucht haben musste, zwischendurch gab er kurz an, müde zu sein. Dass er jedoch das Set nach einer Stunde und zehn Minuten mit einem Mic-Drop beenden würde, hatte wohl keiner der Besucher und wohl auch keiner der Veranstalter gedacht, den Zugabe-Rufen des Publikums, sowie den ausbleibenden Lichtern und Anlage nach zu urteilen. Nach gefühlten zehn Minuten in der Schwebe ging das Licht schließlich doch an. Ein kurzes, dafür intensives Vergnügen. Beim nächsten Mal hoffentlich mit mehr Schlaf und Akku!

Text:
Mary Hinzmann
Geschrieben am
17. März 2018
IAMX IAMX
electronic, synthpop, alternative, electroclash, trip-hop