Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Ian Stahl & The Imaginary Prairie im BIX

The Imaginary Prairie schafft Szenen, gemalt aus Melodien und Dialogen zwischen den Instrumenten.

Das Licht wird gedimmt, die Hintergrundmusik versiegt und vier junge Männer treten ohne ein Wort auf die Bühne. Die Gespräche im Publikum enden und eine gespannte, fast elektrisierende Stimmung erfüllt das BIX. Die Spannung hält an, es ist ein Rhythmus zu hören, ein Klatschen, ein Trommeln und vokale Sounds. Dann beginnt die Gitarre zu spielen und im nächsten Augenblick löst der lächelnde Blick des Saxophonisten die Anspannung im Publikum und wandelt sie in freudige Erregung. Applaus erklingt und das Quartett nimmt uns mit auf ihre knapp einstündige Reise.

Ian Stahl an der Gitarre, Janis Lugerth am Saxophon, Brian Thiel am Bass und Klemens Fregin am Schlagzeug beginnen ihr Set mit dem Titel "Sad Horse“, welches die Zuhörer direkt in eine melancholische, fast düstere Stimmung mitnimmt. Durch den energischen Bass und den interessanten Dialog zwischen dem Saxophon und der Gitarre jedoch, möchte man mehr davon hören und sehen, wo die Reise hin geht. Die Stücke gehen zumeist fließend ineinander über, ohne ein Wort, doch jeder Titel ist für sich geschlossen und erzählt eine neue Geschichte. Beeindruckend ist dabei die Leichtigkeit des Saxophons, mit tiefen und vielfältigen Phrasen, die Energie des Basses und der Sound der Gitarre. Zusammen mit dem Schlagzeug bilden sie eine Einheit, die gut zusammen harmoniert.

Fließend geht es ohne Pause weiter zum zweiten Song „Ganymede“, welcher interessante Soli bietet und nach einem lauten Applaus von dem Song "I Think I Saw A Rat“ abgelöst wird. Dieser Titel beginnt leise, wobei das Saxophon mit filmischer Melodie die Spannung aufbaut. Die Spannung kommt zum Höhepunkt und reißt das applaudierende Publikum mit sich. Im nächsten Stück „Buffalo Hunger“ bringt die Band die Spannung auf die Spitze und beginnt mit einem rockigen Einstieg. Das Saxophon verkörpert die Melodie und entlädt sich in rhythmischen Höhen und Tiefen. Der Fuß wippt mit.

Es ist mir und dem Publikum bereits jetzt schon klar, dass diese vier Musiker es geschafft haben uns einzufangen und mit auf ihre instrumentale Reise zu nehmen. Auch die weiteren zwei Stücke "Red Moon“ und "The Uncanny Valley“ gehen ohne jegliche Ansprache der Band mehr oder weniger ohne Pause ineinander über und erzählen weitere Geschichten. Dabei wandern sie durch interessante Taktwechsel, Dialoge zwischen den einzelnen Instrumenten und Soli hindurch. Sie sind abwechslungsreich und stellenweise fast hypnotisch.

Eine Stunde ist beinahe vergangen und nun greift Ian das erste Mal zum Mikrofon an diesem Abend. Er bedankt sich bei dem Publikum für sein Erscheinen, beinahe schüchtern, formell und sehr zurückhaltend. Dann folgt die erste Hintergrundgeschichte zu dem nun folgenden letzten Song "Juniper & Eucalyptus“. Ein Titel der Ian Stahl an seine Heimat denken lässt. Ein Song, der vom Heimkehren erzählt. Nach Kalifornien.

Normalerweise, so erzählt mir Ian später an diesem Abend, haben seine Titel keine tieferen Hintergründe die er erzählen möchte. Es geht ihm mehr darum instrumentale Landschaften zu schaffen, die ihre eigenen Geschichten erzählen und wobei die Gitarre im Vordergrund stehen sollte. Ihm war schon lange klar, dass er dieses Projekt irgendwann auf die Beine stellen wollte. Bereits vor sechs Jahren kam der Bandname quasi über Nacht zu ihm und in den darauf folgenden Jahren in Deutschland auch die passenden Bandmitglieder, die auf, wie auch neben der Bühne, gut zusammen harmonieren. Die Musiklandschaften, erschaffen aus Ian's Feder und zu viert gemeinsam arrangiert, finden sich nun heute das erste Mal vor Publikum auf einer Bühne wieder.

Applaus beendet den kurzen Monolog von Ian und das einstündige Konzert nähert sich seinem Ende. Doch zuvor erzählen The Imaginary Prairie auf ihre eigene instrumentale Weise von dem Gefühl heim zu kommen. Es folgt ein leiser melodischer Einstieg, ein aufleuchtendes Saxophon, weiter ein kraftvoller Bass und untermalende Schlagzeug Beats. Wieder geht das Publikum mit, es wippt nun mehr als nur der Fuß und die funky und jazzigen Beats tragen uns davon, wie bereits angekündigt, dahin wo "The Mahavishnu Orchestra“ auf "Twin Peaks" treffen und wieder zurück.

Ein klangvoller letzter Ton beendet die Reise, beinahe abrupt und definitiv. Das Publikum bedankt sich für die "Entführung in imaginäre Landschaften, weiträumig und verträumt, wo fragmentierte Film-Noir-Szenen aus der nebligen Ferne erscheinen und wieder abebben" , mit einem langanhaltenden Applaus. Ian, Klemens, Janis und Brian verlassen die Bühne sichtlich erleichtert. Es war ein gelungenes Debüt, das auf mehr hoffen lässt.

Text: Christin Erdmann

Text:
Gast
Geschrieben am
15. Februar 2018