Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Intergalactic Lovers im zwölfzehn

So hatten wir ein gutes Konzert, mit sich freuenden, hüpfenden Menschen und wunderbarer Musik, die genauso rüber gebracht wurde.

„So ist die auf dem Maifeld aber nicht rumgehopst“, war die eine Mitteilung eines Konzertmitbesuchers. Die andere Aussage eines weiteren: „Die langsamen Lieder können die aber auch einfach weglassen.“

In der wunderbaren Einfachheit der Beschreibung des Moments stecken noch weitere Aussagen, die den Samstagabend im zwölfzehn sehr gut beschreiben. Zum einen musste ich mich nicht weit umschauen, um bekannte Gesichter zu erspähen, was mit dem sehr gut gefüllten Club zu tun hatte. Und diese Leute hatten richtig große Lust sich diese Band anzuschauen und das an einem Samstag, was tatsächlich nicht allzu oft vorkommt. Das Anschauen natürlich, nicht der Samstag. Es ist nämlich so, dass ich um diese Konzerttermine immer einen großen Bogen mache, da das Konzerterlebnis bis zu einem gewissen Punkt noch vor der großen Samstagssause steht. Mit dieser Ansicht bin ich dann immer recht auf verlorenem Posten. Nicht so diesmal.

Die Intergalactic Lovers verstehen es, die Stimmung hoch zu pushen und machen dies mit einem Hit-Trio gleich am Anfang des Konzertes. Soul for hire, Howl und Shewolf werden da gleich in jugendlichem Unverstand auf die wartenden Menschen losgelassen, dass man sich nach den abgelaufenen ersten 15 Minuten schon auch mal fragen darf, was den bitteschön jetzt noch kommen kann? Dass diese Frage sich nicht schon während der Lieder stellt, liegt zum einen an dem Hitpotenzial, der wunderschönen Stimme und dem oben so schön formulierten Rumgehopse. Da steht also die gebürtige Libanesin und hüpft wie wild auf der Bühne umher, die Haare schwingen wie Rotoren um den Kopf und ich achte auf die Füße vor mir. Sie mögen auch hüpfen und kreisen und wippen. Anfangs dachte ich noch an ein Schmusekonzert, was der Name der Band auch ohne Weiteres hergeben könnte, doch die ersten Minuten sind zum Loslassen gedacht. Danach kommt dann die zweite Aussage des Abends zum Tragen.
Zweifelsohne können die Intergalactic Lovers schwebende, in die Sonne segelnde Balladen schreiben, doch diese wirken zwischen den lauten Stücken wie Lückenfüller. Leider. Man mag sich auf einen Steg an einen See denken. Das Wasser ist still und nur die Bugwellen der landenden Enten stören die spiegelglatte Friedlichkeit. Der Nebel lichtet sich nur langsam über dem wärmeren Wasser und die Sonnenstrahlen erhellen dein Gesicht, während Worte nirgends falscher sein könnten und doch ein Lied von den Intergalactic Lovers passend die Szenerie umhüllt. Bruises ist dafür gemacht und eben nicht für einen Samstagabend.

An dieser Stelle kann man der Band aber sicherlich keinen Vorwurf machen, da dieses Lied zu wunderbar ist. Nur funktionieren diese Stücke in einem anderen Rahmen. Eigentlich sogar in zwei Rahmen. Allerdings nicht gleichzeitig, da es einen Doppelrahmen meines Wissens nicht gibt. Zum einen sitzend in einem großen Theatersaal. Aus der Dunkelheit wabert der Hall aus den Boxen und die Stimme legt sich präsent, aber nicht aufdringlich, über die Musik. So ist dieses Lied abgemischt und so wäre es auch am besten live zu spielen. Diese Kulisse gibt das zwölfzehn aber leider nicht her. Was aber keinesfalls schlimm ist, weil es eben ja noch den anderen Rahmen gibt: Den ruhigen, akustischen. Und vor zwei Jahren hatten die Intergalactic Lovers diesen sogar im Schocken, als der Strom ausgefallen ist. Was ein Albtraum für viele elektronische Bastler sein muss, würde bestimmten Liedern der Intergalactic Lovers helfen etwas Besonderes zu erschaffen, was das Konzert vor zwei Jahren auch zweifelsohne war. Fade Away fängt am Samstag in diesem Gewand an und die Handclaps und Backvocals bewegen den Song in die richtige Richtung. Eine Soley hat dies zu ihrem Markenzeichen gemacht und gestaltet so ein in sich stimmiges Konzert.

Das haben die Intergalactic Lovers an diesem Abend leider verpasst. Was nicht ihrer Musik, sondern den Umständen zuzusprechen ist. Allerdings kann und muss nicht jedes Konzert großen Erwartungen und Maßstäben gerecht werden. So hatten wir ein gutes Konzert, mit sich freuenden, hüpfenden Menschen und wunderbarer Musik, die genauso rüber gebracht wurde. Wird man von diesem Konzert noch in einem Jahr sprechen? Nein. Hatte man für ungefähr 70 Minuten einen schönen Samstagabend mit den Intergalactic Lovers? Ja! Nicht mehr, aber dafür auch nicht weniger.

Text:
Markus Bur am Orde
Geschrieben am
30. September 2013
Intergalactic Lovers
Indie, belgian, indie rock, alternative, female vocalists