Kulturpegel

 
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Intergalactic Lovers im Schocken

Guten Menschen muss man immer zuhören. So behält man sie nämlich länger. Von dieser Einstellung überzeugen uns die Intergalactic Lovers an diesem regnerischen Samstagabend auf ganzer Linie.

Hey, Mr. DJ! Could you please be quiet? Please? ruft Lara Chedraoui, Sängerin der heute im Schocken auftretenden Intergalactic Lovers, und wirft dabei einen Blick nach oben. Trotz allen Bitten tröpfeln noch ein paar Takte der Musik aus den Boxen, die uns das Warten seit dem letzten Song der Vorband Peter Pux verkürzt hat.

Lost Message und Road wärmen zu Beginn diejenigen auf, die Peter Pux sanft emotional anghauchter Eröffnung widerstehen konnten. Der charismatische Sänger Peter, der seine Songs mit sympathischen Ansagen nie zu sehr ins Kitschige abdriften lässt und seine zwei Kumpanen aus Ravensburg haben den Abend bereits stimmig eröffnet. Draußen hat der kurze Regenschauer schon längst nachgelassen, doch fast alle sind geblieben, um Songs über die Facetten der Liebe oder gefühlvoll erzählten Kindheitserinnerungen zu lauschen.

Mit Shewolf und Fade Away als Titel Nummer drei und vier, spielen die Intergalactic Lovers die ersten zwei Songs vom Debutalbum. Zwischendurch gibt es kleine Geschichten zu Songs wie Islands und witzige Seitenhiebe der Band. Die vier und der Zusatz-Bassist aus dem schönen Köln fühlen sich im Schocken sichtlich wohl. Ihre Setlist schreiben sie auf Pappteller und es wird sich viel an- und in die Runde gelächelt. Seit ihrem letzten Auftritt im Zwölfzehn ist dennoch ein ganzes Album passiert, aus dem sie munter weiterspielen.

War, Distance und No Regrets greifen dabei tiefer in die Trickkiste, als die Songs auf Greetings & Saltutations. Die Sängerin singt effektvoll und immer ausdrucksstärker unter ihrem Haarwust ins Mikrofon und dirigiert die Band im Stillen. Währenddessen lacht Lara immer wieder in die Runde, freut sich über Fotos genauso wie über Dancemoves aus dem Publikum, die sie nicht allein wie ein verrücktes Huhn aussehen lässt.

Is someone already died of boredom?, fragt sie gegen Ende in die Runde. Aber aus Langeweile stirbt hier sicher niemand. Wenn, dann vielleicht aus Hitze. Die Frontfrau der Belgier ist wohl die einzige, die im heute mal feucht-warmen Schocken nicht ins Schwitzen kommt. Nach Howl und Bruises stellt sich die Band nocheinmal im Detail vor. Lara weiß zu jedem eine kleine Anekdote, wie zum Beispiel zum ihrer Meinung nach ängstliche Gesicht des Akustikgitarristen Raf de Mey neben ihr. Der begründet das aber mit ihren verrückten Tänzen, mit dem sie ihm Angst macht. Schlagzeuger Brendan Corbey erhält obendrauf eine Huldigung fürs Klavierspielen und Architekt sein, Gitarrist Maarten Huygens erfreut sich wegen seiner Getränkeversorgungsskills großer Beliebtheit und Bassist Philipp Weiß wird als perfekter Lara-Ersatz gehandelt, der, so wie alle anderen geliebten Bandmitglieder, in die lustige Runde passt.

Trotz immer wieder einsetzenden Regenfällen aus zig Eimern bleiben durchwegs schöne Erinnerungen an diesen Samstag im April, an dem die Intergalactic Lovers einen Tourstopp in Stuttgart eingelegt haben. Die Vorband gut gewählt, die Band überaus liebenswert, das Publikum gut gelaunt. Die Cocktailkirsche auf dem schon köstlichen Häufchen Sahne kredenzen uns die Lovers mit Delay und The Fall als Zugabe. Und während sich nach und nach erst der Gesang, dann Klavier, Drums und die Gitarre von der Bühne verabschieden, donnert der Bass noch ein paar Takte, um uns mit ein klein wenig Herzklopfen in die Nacht zu entlassen. Schön.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
27. April 2014
Intergalactic Lovers
Indie, belgian, indie rock, alternative, female vocalists