Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Kaufmann Frust und Isolation Berlin im Goldmark's

Stuttgart und Berlin in trauter musikalischer Vielseitigkeit.

Ein mit Menschen voll besetzter Durchgang vor der Seitentür des kleinen Goldmark's verrät den längst nicht mehr geheimen Hype um die Haupstadtsensation Isolation Berlin, die heute Abend zu später Stunde dort aufspielt. Auch über die Großartigkeit des Supports, die aus dem Kessel stammenden Post-Punker von Kaufmann Frust, wird seit geraumer Zeit gemunkelt.

Und ja, es kommt wie es kommen musste. Im wohlklingenden und düster anmutenden Soundgewand eröffnen Kaufmann Frust mit einem vergleichsmäßig kurzen aber mächtig bebenden Set den Abend. Das vollgepackte Goldmark's schwelgt in minutenlanger Trance, die die Stuttgarter mit deutlichen Worten und aufwendig verwobenem Geschepper anführen. Geboten werden tiefgründige Stücke, unter anderem von ihrer aktuellen EP "Hinter den Fenstern", die uns nicht zuletzt durch greifbare Intensität gebannt lauschen lassen. Am 13. Mai gibt es sie übrigens nochmals in voller Schönheit bei ihrer Releaseparty im Laboratorium zu sehen.

Nach soviel Abgründigkeit sprengen Isolation Berlin im Anschluss den Mantel des Schweigens und lösen die feststehenden Reihen in glückselige Moshmomente auf. Ein bisschen Ostberliner Tanzbudencharme umgibt die erste Hälfte ihres Auftritts, der sich rund um Songs wie "Produkt", "Annabell" oder "Aufstehn, Losfahren" dreht.

Die Begeisterung beim Publikum ist hör- und vor allem sichtbar. Einvernehmliches Kopfnicken, sinnlich geschlossene Augen und keine störenden Handys über unseren Köpfen schaffen ein wohlwollendes Gemeinschaftsgefühl. Überhaupt sind alle gekommen. Ältere, Jüngere, Rockabellas und Newwave-Romantiker zeigen sich heute in allen Geschmacksfragen einig.

Nicht ohne einen Funken Hoffnung.

Auch der zweite Teil des Konzerts, der eher durch langatmige Gedankengänge und intensivierte Instrumentalparts auffällt, ist noch lohnenswerter als erhofft. "Bus der stillen Hoffnung" reiht sich mit 80er-Jahre Charme an das verschrobene "Ich küss dich". "Prinzessin Borderline" und "Meine Damen und Herren" schwingen mit hartem, geradlinigen Gitarrenrhythmen die Tanzbeine und alles schweigt abschließend langsam im Takt zu "Isolation Berlin".

Die Band überzeugt mit einer strikten Vorwärtshaltung, verliert dabei aber nie an Dynamik. Der in ihrer Musik immer betonte letzte Funken Hoffnung springt bis zuletzt auf das gesamte Goldmark's über, das erneut als ideale Kulisse für einfallsreiche, authentische und junge Livemusik steht.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
11. April 2016
Isolation Berlin Isolation Berlin
Protopop, punk, neue deutsche welle, abgehakt
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