Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Jimmy Eat World im Wizemann Stuttgart

Hallo Stuttgart, hier ist Jimmy!

In Massen pilgerten Jungs und Mädchen, Damen und Herren zum Wizemann ins Industriegebiet. Kurz nach Einlass wurde einem wieder mal die prekäre Parksituation bewusst. Als Einheimischer kann man mehr oder weniger bequem mit der Bahn anreisen, was anderen leider vergönnt bleibt. Wesentlich entspannter ging es am Einlass zu, da die Security-Leute auf komplette Körperkontrollen verzichteten. Heutzutage eine Wohltat. Während um 20 Uhr Deaf Havana kamen, sangen und dann recht flott wieder gingen, durfte man sich als Fotograf wieder mal mit einem Fotovertrag rumschlagen.
Liebe amerikanische Bands und euer Management: Nicht jeder will eure Fotos kommerziell verwenden, aber selber sollten nicht die kompletten Rechte an euch gehen. Ist ja schließlich ein Geben und Nehmen. Daher viel Spaß mit unserer Galerie.

Doch nun zum Wesentlichen:
Pünktlich und mit ziemlich viel Elan stürmten Jimmy Eat World die Bühne. Man könnte den ganzen Aufritt ein Wenig als schlicht bezeichnen. Zum einen lag das am einheitlich schwarzen Outfit der vier Herren, aber auch die Lichteffekte waren eher im moderaten Bereich, wobei vier große Straßenlaternen einen gewissen Akzent setzten. Bei anderen Shows haben sich Jimmy Eat World mehr Mühe gegeben. Wahrscheinlich wollte man in 90 Minuten lieber die Musik sprechen lassen.

Die Frage, wie sich die neuen Lieder in die Klassikern einfügen, wurde nach den ersten drei Liedern flott geklärt. "Get Right", "Bleed American" und "I Will Steal You Back" schafften den Spagat zwischen drei Alben und versetzten Stuttgart in leichte Euphorie. Auf das hymnische und emotionale You With Me folgte das weniger starke "If You Don’t, Don’t".

Persönlich hab ich mich auf eher progressive Lieder wie "Get It Faster" oder "Pass The Baby" gefreut und wurde tatsächlich mit letzterem überrascht. Dieser Song spielt mit einem langsamen Songaufbau und endet mit einer Gitarreneruption. Das Lied mag zwar nicht tanzbar sein, zeigt aber was Sänger Jim Adkins und seine Freunde musikalisch drauf haben.

Schön war zu sehen, dass die Leute, für Stuttgart untypisch, wirklich Bock hatten und unbeschwert tanzten und mitsangen. Mehr Highlights zum Mitmachen hatten die Arizona Boys natürlich in Petto: "Lucky Denver Mint", "You Are Free" und "A Praise Chorus". Damit auch jeder Fan zufrieden sein konnte, gab es vom Album "Futures" noch drei Lieder obendrauf.

Aber da fehlten doch nicht noch ein paar Lieder? Ganz genau! "The Middle" - das Lied das auf keiner Studentenparty des jungen Jahrtausends fehlen durfte. Und damit wir auch alle leicht verschwitzt nach Hause gehen durften spielten Jimmy Eat World das zuckersüße "Sure & Certain" und das noch viel süßere "Sweetness".

Wie man über 20 Jahre Bandgeschichte in 90 Minuten packt, zeigten uns Jimmy Eat World mit Bravour.
Bis auf eine Begrüßung und ein paar Danksagungen blieb es recht ruhig zwischen den Liedern. Auf politische Äußerungen aufgrund der Präsidentschaftswahl in USA wurde weitest gehend verzichtet.
Danke dafür und bis bald Jimmy!

Text:
Rene König
Geschrieben am
13. November 2016
Jimmy Eat World Jimmy Eat World
rock, alternative, emo, alternative rock, seen live