Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Juliette & The Licks in den Wagenhallen

Guter alter Rock'n'Roll für Freunde der feucht-fröhlichen Abendunterhaltung.

Hier wird der Rockstar-Traum hochgehalten: Alex Mofa Gang drehen einen gitarrenverzerrten Wheely durch die Halle und lassen uns schwerhörig, aber aufgewärmt für Juliette & The Licks zurück.

Zum Glück, denn schon der Auftakt der endlich wieder tourenden Röhre und ihren Jungs gestaltet sich rasend. Zum ersten Stück "Mindfull Of Daggers" greifen die Licks in die Saiten und Juliette Lewis nach ihrem Mikrokabel, um es lasziv umherzuschwingen. Zu einem weiteren Track von der 2006er-Platte tritt Juliette um sich und ist vor Tanzwut kaum mehr zu bremsen. Offenbar trägt sie manches Kleidungsstück nur, um es dann im Rausch wieder von sich zu schütteln. Doch, wer hätte das gedacht, die Dame in Stars & Stripes auf Brust und Mikro kann auch anders.

Der Rock'n'Roll von "Pergatory Blues" und dem zackigen "Killer" verliert schnell an Fahrt, als Juliette Lewis tief in den Möglichkeiten ihrer Stimme kramt und sich ganz dem Jam zu den Klängen des Led Zeppelin-Klassikers "Whole Lotta Love" hingibt. Das von ihrer Bandbreite begeisterte Publikum dankt es mit lautem Jubel und Zwischenapplaus.Theatralisch, inbrünstig, lässig und leidenschaftlich. Juliette Lewis windet sich in krachenden Melodien und gibt ihren verrucht bis knallenden Gesang preis. Alles tanzt dazu, spätestens bei "Hello Hero".

Doch jeder Song, der angestimmt wird, vermittelt irgendwie das Gefühl, genau zu wissen, wie es weitergeht. Manchmal stellt sich sogar die Vermutung ein, dass es sich um einen bekannten Klassiker handelt, zu dem man jede Zeile parat hätte. Kein Wunder, schließlich füllen Juliette & The Licks die Lücken zwischen alten und neuen Songs mit grandios dargebotenen Cover wie eben "Whole Lotta Love", "Proud Mary" oder Toni Basils "Hey Mikey!". Trotz wenig neuen Titeln und dem für klassisch amerikanischen Rock'n'Roll typischen und auch immer wiederkehrenden Motiven, macht diese Band jedoch unbestreitbar Spaß.

Zum krönenden Abschluss wird nach einer kleinen Ballade namens "This I Know" noch "You Really Got Me" von den einzig wahren Kinks angestimmt und sowohl auf der Bühne als auch im Publikum Hüfte und Bierbecher geschwungen, nachdem man sich eben noch Feuerzeug schwenkend in den Armen lag.

Groß überraschend war letztendlich bei der wieder live spielenden Juliette Lewis und ihren Licks nichts. Aber wer sich beim Hören einer ihrer Platten schon immer gefragt hat, warum Schauspielerinnen manchmal denn unbedingt singen müssen, sei die Konzertvariante der wilden Mähne dringend empfohlen.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
07. Mai 2016