Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Junip in den Wagenhallen

Unaufgeregt, aber nicht unaufregend!

Mit der Ruhe und Gelassenheit, mit der das kleine Bambi auf dem Banner im Hintergrund der Bühne die große Wagenhalle beäugt, stehen auch Junip auf der Bühne. Ganz unaufgeregt spielen sie ihre Lieder. Und durch diese Unaufgeregtheit bekommen selbige noch mehr Intensität.

Zuerst wird das bei Suddenly, dann extrem bei Walking Lightly spürbar. Junip stehen fast im Dunkeln. Immer wieder leuchten die Spots kurz auf, dann werden sie wieder gedimmt. Nur hören und fühlen. Wie das funktioniert und beim Publikum ankommt, wird durch den Beifall deutlich.

Die sich für die Tour zum Sextett verdoppelten Junip stehen und sitzen auf der Bühne wie Felsen, die nichts erschüttern kann. Die meisten würden es souverän nennen, aber Souveränität hat nichts mit Gefühl zu tun. Doch davon steckt jede Menge in jedem einzelnen Stück.

Der Sound ist genial. Jeder Ton und jedes durch große oder kleine Instrumente verursachte Geräusch auf der Bühne sitzt perfektionistisch genau. Gonzáles’ Lagerfeuer-Gitarre verursacht einen so schönen, rauen, aber echten Sound, dass die elektronischen Klänge der Synthies und Keys perfekt ergänzt werden.

Gonzáles’ Ansagen ans Publikum sind minimalistisch, zunächst nur ‚Thank You’, dann aber kündigt er die Songs immer mal wieder an, auf Deutsch. Der weiß, was zieht.

Zwischen den Liedern, wenn leisere Töne angeschlagen werden, höre ich die Leute hinten quatschen. Diese Ignoranz regt mich auf. Selten so extrem wie heute. Dafür ist die Smartphone-Dichte geringer als sonst. Spricht wiederum gegen ein ignorantes Publikum. Ich schaue mich um, die Anwesenden sind alters- und styletechnisch herrlich durchmischt und daher so schön normal. Der Murmel-Pegel scheint mit fortschreitender Konzertdauer abzunehmen, viele wippen im Takt, lächeln, scheinen in Gedanken versunken, während sie die Augen sporadisch geschlossen haben - so wie Gonzáles auch - oder singen leise mit. Ganz unaufgeregt, aber intensiv. Junip eben.

Mit jedem Lied wird der Beifall lauter. Die Songs gehen stetig nach vorne, die Leute im Publikum proportional dazu mit. Immer noch unaufgeregt, aber immer intensiver. Man spürt, dass sich der Abend zielstrebig auf seinen Höhepunkt zubewegt. Wie der aussieht bzw. klingt, ist wohl klar. Ich hoffe nur, dass sich Junip damit noch ein wenig Zeit lassen. Nach 50 Minuten kommt er mit dem letzten Lied. Mit Line Of Fire. Natürlich.
Dem lautstarken Wunsch nach Zugabe wird freudigst nachgekommen.

Zwischen den letzten Songs stellt Gonzáles noch kurz die Band vor. Bloß nicht unnötig lange im Beifall baden. Herrlich bescheiden.

Den Abend schließt - genau wie auf dem aktuellen Album - After All Is Said And Done. Ein sphärischer, verträumter Ausklang, mit dem man die Anwesenden gerne in die Nacht entlässt. Da darf dann auch schon mal die große Diskokugel unter der Hallendecke Sterne durch dem Raum fliegen lassen.

Und ich entlasse euch mit Gonzáles letzten Worten an diesem Abend: „Stuttgart, vielen Dank, bis nächstes Mal!“ .

Text:
Isabel Thalhaeuser
Geschrieben am
24. September 2013
Junip
Indie, folk, swedish, acoustic, alternative