Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Kaufmann Frust in der Manufaktur

Bitterkalt wie der Winter.

Inmitten von dickem, wabernden Qualm eröffnen Prynum den Abend mit basslastigen Instrumentalhymnen in der Manufaktur. Langsam lässt auch die Kälte nach, die der zu klein geratenen Zuschauermasse nach drinnen gefolgt ist. Das wäre sicher schneller gegangen, hätten sich in diesem Moment mehr Menschen nach Schorndorf verlaufen, um den Stücken von Kaufmann Frust und ihrem Support zu lauschen. Dabei ist schon dieser Beginn ein früheres Erscheinen wert.

Vier junge Männer aus Stuttgart ohne viel stimmliche Verstärkung (wie wir später feststellen, lohnt es sich aber gesanglich ein wenig zu wagen) jammen fast ohne klare Pause in verspielten Lichtnuancen. Das Publikum sieht Prynum dabei andächtig zu.

Und dann stehen sie da, die Kaufmänner und gehen das letzte Mal vor ihrem Debütalbum nochmal aufs Ganze. Dabei wirken sie gefühlt immer ein wenig von Gott und der Welt verlassen und ohne jede Hoffnung auf ein Licht am Ende des Tunnels.

Zelebrierte Tristesse

"Viel zu kalt," schreien Jan, Matze, Ollo und Flo im Chor. "Der Tag war auch noch meilenweit entfernt," hallt es in unseren Köpfen zurück. Man könnte einen Bericht über diese Band auch einzig und allein mit ihren Texten gestalten. Diese Art von zelebrierter Tristesse ist in fremden Worten kaum zu beschreiben.

Kaufmann Frust lecken auf der Bühne ihre Wunden, ihre Gitarren wüten, der Bass läuft eiskalt den Rücken hinunter, die Drums treiben das Schauspiel in wechselndem Tempo voran. Dabei verlieren sie sich nicht in Postpunk-Erwartungen, sondern viel mehr in ihren bis ins Detail ausformulierten Stücken.

"Felsenkelle", "Sommermelodie", "Verbrannte Haut" - Viele ihrer Songs sind so aufgebaut, als würde man aus einem kurzen Hoffnungsmoment heraus in den tiefsten Abgrund stürzen. Die neuen Songs, die Kaufmann Frust in der Manufaktur noch vor ihrer Studiopause anstimmen, wecken erste Vorfreude auf das Debütalbum: Mit abgrundtiefer Stimme vorgetragen, pointiert und von Gitarre begleitet kriechen *Kaufmann Frust uns mit "Schlag zu, wenn du darfst" unter die Haut und das zur Abwechslungs ganz ohne ausufernde Vollinstrumentierung.

Die Musik der Stuttgarter wirkt unnahbar und zugleich anziehend. In vielen Momenten aber, sind die Songs, die bereits auf zwei EPs erschienen sind, der Soundtrack eines Gefühls, dass uns so nackt gegenüber steht, dass man es nur noch schwer beschreiben kann. Aber auf jeden Fall hätte es sich für mehr Menschen gelohnt, die Kälte da draußen vertont zu wissen.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
22. Januar 2017