Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Kids Of Adelaide - Black Hat & Feather Tour

Viel Musik und viel Geschwätz - Stuttgart zeigt sich mal wieder von der besten Seite.

Folkrock in seiner abwechslungsreichsten Form gibt es bei den Kids Of Adelaide pünktlich zu ihrem Albumrelease im Wizemann zu bestaunen. Während ein einsamer junger Mann namens Sascha Reske das Warm-Up liefert, steht es noch in den Sternen, ob selbst musikalische Höchstleistungen bei diesem Publikum heute Abend fruchten werden.

Mitsingen für Fortgeschrittene
Kein Flüstern oder Murmeln, sondern lautstarke Unterhaltungen über den weiteren Verlauf des Wochenendes oder die anstehende Urlaubsplanung können wir im Wizemann noch vor dem Hauptact belauschen. Sascha Reskes leidenschaftliche Soloperformance an der Gitarre, die am Schluss in eine kleine Mitsingarie mündet, geht an den meisten Stellen unter. Gut, dass er für diesen letzten Part ein Schild mit dem mitsingenden Text vorbereitet hat. Schließlich fällt es denjenigen, die mitmachen wollen schwer, seine Worte zu verstehen.

The show must go on
Dann pünktlich um Neun haben wir die Hoffnung, das geräuschliche Chaos könnte verebben. Doch die Hoffnung stirbt heute zuerst. Frisch und motiviert betreten Benjamin Nolle und Severin Specht die Bühne des kleinen Wizemann-Clubs, um endlich ihre "Black Hat And Feather Tour" zu starten. Kraftvoll schwingen sie Akustik- und E-Gitarren, scheppern mit Schellenkränzen und einer Bassdrum. Doch das Gefühl, einige hier geben gern Geld für Konzerttickets aus, damit sie sich endlich mal in anderer Atmosphäre über Gott und die Welt unterhalten können, reißt nicht ab. Zwischen die Tracks der neuen Platte drängen sich immer wieder alte Stücke, die mit viel Herzblut über die Menge verstreut werden. Und erst, als die Kids einen Zwei-Song-Gig in der Mitte des Publikums anstimmen, geht ein lang nachhallendes "Pscht" um und vereinzelte Feuerzeuge werden zwischen den Smartphone in die Höhe gestreckt.

Frisch zurück auf der Bühne erfüllt bei Jinx schließlich auch das kleine Klavier seinen Sinn und selbst die letzten, die bis dahin noch falsch gepostete Bilder in Skigruppen bejammerten, springen auf den immer noch rollenden Folktrain auf, den die Kids Of Adelaide mit ihrem neuen Album in kreative Bahnen lenken. Ein nett kommuniziertes Finale nach dem Motto "Wir gehen und dann jubelt ihr ein bisschen und wir kommen wieder" steht noch an und der Tourstart ist mit Old One, Tried & Trusted und Home musikalisch perfekt. Nur eine Meute, die die gleiche Leidenschaft für Musik aufbringt, wie die beiden Stuttgarter, sei ihnen gegönnt. Damit der Funke, bevor er überspringt, auch mal Gehör findet.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
23. Januar 2016
Kids of Adelaide Kids of Adelaide
guitar, folk, acoustic, singer-songwriter, german