Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

L'Aupaire Im Wizemann

Mann, ist der Typ sympathisch. Das ist ja kaum auszuhalten. Wir halten es aus. Bis zum Ende. Mit Vergnügen.

Im Dunkeln und in der Stille schleicht Robert mit seinen anderen Kollegen von L'Aupaire auf die Bühne. Unscheinbar. Ganz unprätentiös. Aber dann beginnt er zu singen und plötzlich ist er alles andere als unscheinbar. Und dann kommt sein Lächeln dazu. Eher verschmitzt und eines, das er versucht zu unterdrücken. Was beim ersten Song des Abends schon durchscheint, soll im Laufe des Abends noch ärger werden: Mann, ist der Typ ist sympathisch.

Nach über einem Jahr Stuggi-Abstinenz haben L'Aupaire es endlich mal wieder in den Kessel geschafft und konnten mit dem IM WIZEMANN einen weiteren Punkt auf ihrer umfangreichen Stuttgart-Rundreise abhaken. Die lange Abwesenheit sei ihnen verziehen, denn wie erwartet hat Robert viele Geschichten mitgebracht. Nicht nur in seinen Songs, sondern auch zwischen den Liedzeilen, erzählt er uns humorvoll und selbstironisch von seinem Leben: Davon, wie es ist, im Taxi in Los Angeles seinen eigenen Song auf jeder Radiofrequenz zu hören (Uptown Diva (Funk!)), von der jungen Liebe, die auf Weltreise geht (Always Traveling) oder vom ersten Song, den er am Stück durchgeschrieben hat. Das war am 11. Januar 2011, als seine Interessen noch mehr auf Whiskey trinken, rauchen und kneipensongschreiben lagen. Als All U Gotta Do entstand, das noch besonders bluesig daherkam und in dem seine Stimme den passenden Platz findet. Ja, seine Stimme ist schon einmalig – mal rauh, dann wieder weicher, immer kräftig. Sie entfaltet aber immer einen ganz eigenen Flair, der uns mal in Amerikas Südstaaten, mal auf die Straßen Budapests wirft.

Bei dem ruhigen Hold On versinken wir im roten Nebel und das Lied geht in der allerschönsten Klangwolke auf. Doch auch seine poppigen (für's Radio gemachten) Lieder, wie The River oder Flowers, wirken ansteckend. Hauptsächlich wegen dem losgelösten, tanzenden Robert auf der Bühne, der solch ehrliche Spielfreude ausstrahlt. Welch Freude für uns es ist, diesem Musiker zuzusehen, wie er seine Musik liebt, wie er sie mit wilden Körperverrenkungen und Gestiken zum Ausdruck bringt. „Get up and dance!“ Seine Art lässt schließlich auch das Eis beim erst noch sehr verhaltenen Publikum brechen. “Don't be afraid to dance!“ – auch wenn es erst der zweite Abend der Woche ist.

Das Lieblingslied wird entfremdet. I Would Do It All Again hören wir als Acoustic-Version mit Gesangssolo seiner Bandkollegin Peppa (Back Vocals und Keyboard). Für Neues bedarf es ja meist des Mutes, das Altbekannte zu verändern. Dann entsteht Unerwartetes und bei ihrer Wahnsinns-Stimme, nehmen wir ihnen das nun wirklich nicht übel. Und genau dieses Überraschende – manchmal Unperfekte, ist es, was den Abend ausmacht.

Es ist die zweite Show der Tour und diesen riesen Bock auf alles, was noch kommen mag, merkt man ihnen richtig an. Da gibt es nichts Abgeklärtes. Das Gefühl bei einer Generalprobe zu sein, bei der improvisiert wird und die Band sich einfach erlaubt Ungeplantes zu machen, bekommen wir nicht los. Wie erfischend. Ansteckend.

Bei der Zugabe wird jedes weitere Lied gesanglich und instrumental bis zum äußersten ausgebaut. Die Instrumental-Einlage am Schluss von Rollercoaster Girl bringt die Stimmung zum Höhepunkt. Vorerst. Denn daraufhin folgt bei Good Old Fashioned die gelungene Jamsession mit dem Publikum (Respekt Mädels). Da kommt der musikalische Absacker When The Music Is Over gerade recht.

Wie war's alles in allem? I would do it all again! Lalala lalala lalala.

Text:
Jelka Ottens
Geschrieben am
13. April 2016