Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Le Millipede in der Manufaktur

Platz da, jetzt kommen die Profis!

Der Abend fängt gemächlich an.
Der Kopf ist verbraucht vom Tag, das Tageslicht salutiert und verzieht sich hinterm nächsten Häuslein. Alles hat seinen und genug Platz heute — der Saal im Club Manufaktur ist nicht drängend voll, es gibt Luft nach oben, wortwörtlich. Und was für eine schöne Örtlichkeit! Wieso war ich hier noch nie? Achja, der Vorsatz: Mein Vorsatz, etwas mehr vom jeweils Anderen zu probieren. So auch bei der Wahl dieses Konzertes: Le Millipede ist kein Indie, kein Folk, kaum elektronisch, tanzbar, ja (auch wenn es heute bei angedeuteten Tanzbewegungen bleibt), bedient sich keiner klassischen Instrumentierung, nein, der Fokus liegt auf Tasten und Blech.

Die fünfköpfige Combo, bestehend aus Mathias Götz, den The Notwist-Brüdern Micha und Markus Acher, Manuela Rytzki und Nicolas Sierig, macht von Beginn an keine Anstalten, eine Show abzuziehen, sodass die sumpfigen, gebannten Blicke des Publikums augenscheinlich auf dem virtuos dargebrachten Wohlklang der Mehrfüßler ruhen. Und doch nicht ruhen. Mehrere Male stehe ich vor der Frage „Wo kommt dieses Geräusch her? Wer macht es und vor allem wie?“. Zumindest meine Blicke können nicht rasten. Die Stücke haben zum Teil ausgeprägten Trance-Charakter, was zum einem am stetig Repetitiven liegt, zum andern an der Länge der Lieder und wohl auch am Fehlen jeglichen Stimmeinsatzes.

Routiniert und doch präzise werden die einzelnen musikalischen Elemente zusammengesetzt und wieder neu zusammengesetzt: Rhythmus auf Synthie-Bass auf Harmonium auf Stylophon und Glockenspiel, auf Moog, auf Götze komm raus-Posaune; Götz’ mit verschlossenen Augen modelliertes Jazz-Posaunenspiel ist das i-Tüpfelchen über allem und die schwingenden Bewegungen der Tuba lassen das Konzert im Großen wie im Kleinen einem einzigen Gif ähneln, wie meine Begleitung zurecht bemerkt.

Eine knappe Stunde - inklusive zweifacher Zugabe - später ist das Konzert vorbei. Mein persönliches Conclusio: „Mehr vom jeweils Anderen“ hat sich heute abermals bewährt. Hat jemand Empfehlungen für ein Metal-Konzert?

Text:
Bettina Marquardt
Geschrieben am
27. September 2016
Le Millipede Le Millipede
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