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Levin Goes Lightly im White Noise
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Levin Goes Lightly im White Noise

Laut, neblig, psychedelisch.

Es ist brechend voll auf dem Josef-Hirn-Platz zwischen Eberhard- und Haupstätterstraße. Und das nicht zuletzt wegen des sommerlichen Ambiente, bei dem zahlreiche Leute auf den Stufen und Bänken der dort angesiedelten Gastronomiebetriebe Platz finden und das ein oder andere Feierabendbierchen genießen. Der Hauptgrund für den Andrang ist jedoch ein anderer: Levin Goes Lightly stellt sein neues Album "GA PS" vor.

Vor dem Clubeingang des geteilten Betriebs aus Bar und Disco steht Levin noch ungeschminkt kurz vor seinem Auftritt ziemlich entspannt im Eingang und unterhält sich. Wenig später steht er auch schon startklar hinter dem DJ-Pult des eigentlich für Elektropartys konzipierten Clubs. Doch für sein Konzept eignet sich die Location perfekt. Zusätzlich zu seinem Mischpult begleiten ihn noch Schlagzeuger und Gitarrist.

Die ersten Momente des Konzerts erlebe ich hauptsächlich durch die Kameralinse. Ein anständiges Foto kommt wegen der roten Nebelwand nicht einfach zustande. Nichtsdestortrotz: Gänsehaut als das erste Wummern einsetzt. Die Wände beginnen zu wackeln, die Leute bewegen sich tranceartig zu den sphärischen, zunächst langsamen, melancholischen Synthie-Klängen, den treibenden Beats und wuchtigen Bässen im Schweißnebelgemisch, das den Raum füllt. Irgendwann ergattere ich einen guten Platz links neben der Bühne auf der tribühnenartigen Stufe und kann beobachten, wie Levin, völlig auf seine Musik fokussiert, Knöpfe dreht, das Midi-Keyboard bedient und seine warme Baritonstimme erklingen lässt. Meistens lässt er dabei die Augen geschlossen. Er erscheint durch den auf ihn gerichteten roten Scheinwerferstrahl beinahe schon geisterhaft.

Lautstärke und Tempo steigern sich von Song zu Song. Das Konzert erfährt seinen Höhepunkt mit dem langgezogenen, ekstatischen Outro des Titels "Speedways" vom Vorgängeralbum. Dabei scheint er sowie sein Publikum komplett das Gefühl für Zeit und Raum zu verlieren, was dem immer gleichbleibenden hypnotischen Rhythmus und Akkord geschuldet ist.

Levin bleibt bescheiden, bedankt sich kurz nach jedem Lied für den tosenden Beifall, bewegt sich musikalisch jedoch in höheren Sphären. Ein oft mit David Bowie in Verbindung gebrachter Künstler, was Ästhetik, Kreativität und Genialität angeht, was er jedoch eigentlich nicht nötig hat.

Text: Mary Hinzmann

Text:
Mary Hinzmann
Geschrieben am
28. Mai 2017