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Marienplatzfest - Samstag
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Marienplatzfest - Samstag

Natürlich waren wir für euch auch am Samstag auf dem Marienplatzfest vor Ort. Das musikalisch bunte Potpourri, das geboten wurde, zeugte erneut von viel Fingerspitzengefühl und Experimentierfreude.

Am Samstag, 15.00 Uhr wurde es zünftig im Stuttgarter Süden: Bayrischer Elektrofolk wummerte über den Marienplatz. Hüttenzound aus Stuttgart sorgten dafür, dass die noch übersichtliche Menschenanhäufung sich bestens unterhalten fühlte, was deren Kopfnicken und breites Grinsen schlussfolgern ließen. Mit Vollbart, Lederhosen und Hosenträgern pustete das musikalische Multitalent Loisach Marci kraftvoll in Alphorn, Flöte oder Mundharmonika, trommelte auf allerlei geräuschproduzierendem Zeugs herum oder brachte Löffel mithilfe seiner strammen Oberschenkel beatgenau zum Klappern. Besagte Beats kamen vom Bixn Michi und klangen mal nach Reggae/Dancehall und mal nach Dubstep und Drum’n’Bass. Und da auf Englisch jeder rappt, macht das Hüttenzound natürlich in breitestem Bayrisch. Und da sag noch einer, Mundart sei langweilig.

Ab 17.00 Uhr stand der Berliner Singer/Songwriter Moritz Lieberkühn mit seinen drei schwedischen Bandkollegen auf der Bühne. Zusammen bilden sie die Band 1000 Gram und spielten Indie-Folk-Pop, der perfekt zu diesem sonnigen Samstagnachmittag passte. Die eingängigen Melodien mit hohem Wiedererkennungswert gingen direkt in Ohr und Beine. Natürlich nicht nur, aber vor allem beim jungen Publikum kam 1000 Gram sehr gut an. Die Zielgruppe der Drei- bis Achtjährigen bewegte sich vor und auf der Bühne ausgelassen zu den Gitarrenklängen und sauste von links nach rechts über die Bühne, bis der Veranstalter das illustre Treiben mit viel Ausdauer, Geduld und noch mehr Humor beenden musste, bevor ein Kleinwüchsiger noch das Crowdsurfing ausprobiert. Marienplatzfest – einmal mehr ein Fest für Groß und Klein.

Bestens unterhalten von den Kindern fühlte sich auch die Britin Liz Green. Offensichtlich war ihr die Kinderschar auf der Bühne nicht ganz geheuer, sodass sie sich weniger wie eine Sängerin, sondern eher wie „the world’s worst storyteller“ vorkam. Ich kann aber versichern, dass Liz Green lieber weiterhin Musik machen sollte: Was geboten wurde, war großartig. Eine Mischung aus Jazz, Blues, Pop und Singer/Songwriter mit extrem hohem Unterhaltungsfaktor: So gab es Lieder mit 14 Toten und Songs, die vor dem Konsum von Alkohol warnten – natürlich wurde letzterer nicht angekündigt, ohne dass Liz einen Becher mit Mojito in der Hand hielt und die Kinder an der Bühne gleichzeitig eindringlich auf die negativen Folgen hinwies. Gepaart wurden die witzigen Lyrics mit sehr viel musikalischem Talent und der männlichen Unterstützung an Kontrabass, Schlagzeug und Saxophon, die nicht zuletzt für den bezaubernd jazzigen Charakter sorgte.

Um 21 Uhr kam leider schon die letzte Künstlerin für den Samstag auf die Marienplatz-Bühne, die Singer/Songwriterin Kat Frankie. Mit ihrer zarten und filigranen Silhouette und ihren ebenso gefühlvollen, teilweise melancholichen Songs hat sie es bei ihrem Solo-Auftritt nicht ganz so leicht, die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen - nicht zuletzt wegen ein paar technischer Probleme hier, einem sehr gemischtes Publikum da und vor allem dessen verständlicher Erwartung an etwas schnellere, tanzbare Musik an einem Samstagabend. Die gebürtige Australierin lebt seit 2004 in ihrer Wahlheimat Berlin und widmet sich dort ihrer erfolgreichen musikalischen Karriere. Sie hat kürzlich sogar ihren ersten deutschen Song aufgenommen. Eigentlich überzeugt ihr Talent live: Mit Gitarre in der Hand und der Energie in ihrer Stimme spielend. Gestern waren wir aber schließlich doch etwas enttäuscht, weil sie als Headliner für Samstag nicht so ganz auf den Marienplatz zu passen schein. Wir freuen uns dafür umso mehr auf den 19.10., dann wird sie gemeinsam mit ihrer Band im Schocken auftreten - und wir verlosen unter anderem Tickets für dieses Event. Dann hoffen wir auf eine bessere Show, Kat Frankie - wir geben dir noch eine Chance, und ihr solltet das auch tun!

Text:
Isabel Thalhaeuser
Geschrieben am
07. Juli 2013
Hüttenzound Hüttenzound
1000 Gram 1000 Gram
Indie, rock, swedish, indie rock, coldplay
Liz Green Liz Green
singer-songwriter, female vocalists, acoustic, blues, manchester
Kat Frankie
singer-songwriter, female vocalists, acoustic, berlin, beautiful