Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Molly Burch in Schorndorf

Wenn eine/r eine Reise tut: Schorndorf, Liebesleben und zurück aka. "Wenn ich morgen jemanden treffe, der auch so nach Knoblauch stinkt, weiß ich, wo er war."

1 Please be mine [...] I want you back
Schorndorf ist kein Katzensprung entfernt, so gerne ich das so hätte. Das kulturelle Angebot möchte vielmehr mindestens mit Fahrtkosten und Zeit verdient werden. Doch man tut's gerne, weil aufstrebende Veranstalter und Kreative wie Mimi und Marius des in den Startlöchern stehenden Konzept-Restaurants Éclat einem mit ihren liebevollen Realisierungen ein ganzes Stück entgegenkommen.

2 Why did I leave you? [...] thinking of you [...] forgive me
Auch an diesem vorfreudig antizipierten Abend werden die Erwartungen erfüllt:
Wenige Minuten vom Bahnhof Schorndorf wartet das Pfleiderer Areal auf seine nächtlichen Besucher; Tür an Tür mit dem sagenumwobenen und totgeglaubten Seconhandladen "Wühli". Hier schmiegen sich Lichterketten an bröckelnde Fassaden, lugt langsam der strahlend dunkelblaue Abendhimmel durch karge Wege inmitten des Areals und surrt das liebliche Geräusch des Generators zum Gebabbel einer überschaubaren Menschenmenge.

3 I love you more each day [...] I cried [..] I wish you saw me [...] I love you more each day
Einzelne Fenster haben Sprünge und Löcher, der Eingang zur Venue besteht aus einer umgedrehten Kiste, die emporgestiegen werden muss. Das Auge erfasst, was es erfassen möchte: das strahlende Gesicht von Miriam Lehle, die selbst die Kasse übernimmt und wieder ihr modisches Händchen unter Beweis stellt; keck und schmusig zusammengewürfelte Möbelstückchen, die für jedwede Sitz- und Liegepositionen geschaffen sind, köstlich duftendes Essen aus einer Pfanne, die in ihren Ausmaßen einem Traktorrad ähnelt, Hintergrundmusik von schwarzem Gold und erlesene Tropfen aus Hopfen und Trauben. Mit-Gründer und Musiker bei Tristan Rêverb, Marius Jentschke, beaufsichtigt mittlerweile fellgewordene Institution Bruno.

4 Why you got to be like that?! [...] crazy to ever think you were mine [...] you broke my hear [...] you were not nice
Wir finden uns wider auf flauschigen Sitzpolstern, direkt vor den ebenerdigen Instrumenten von Molly Burch und ihrem Gefolge. Dieses besteht aus Bassistin, Schlagzeuger und Lead-Gitarrist. Um 21:00 Uhr wird den Zeitüberbrückungsmaßnahmen ein Ende gesetzt und das knapp einstündige Konzert beginnt.

5 I promise I will / why did I ever think of another?
Im Raum fangen nebst dem Geruch von Knoblauch geschwängerten Teigwaren schmachtende bis fordernde Gesänge an zu flirren, begleitet von ausgefeilten Gitarren-Melodien, dem tragenden Basslauf und stimmungsvoll gedämpften Schlagzeug-Schlägen. Dass diese "Stöckchen" auch anders Verwendung finden könnten deutet Hund Bruno im Laufe des Abends mehrmals an: ohne Scheu vor den Blicken tummelt er sich mal inmitten des Publikums oder tapst schwerfällig durch die Band - ein Bild für Götter.

6 I know you say that to all girls [...] I know I'm wrong for you, I know no one really belongs to you
Gefasst vom Momentum der Musik macht man es sich noch ein Stückchen gemütlicher im Paradies der Sitzmöglichkeiten; sinkt noch ein wenig tiefer in die Polster der Chaiselongue, der Matratze auf dem rostigen Bettchen oder den flauschigen Sitzsäcken. Die Songs sitzen ebenfalls und bieten kaum Raum für Abweichungen von der Studioaufnahme.

7 Don't make me wait [...] I would wait a million years [...] call my name [...] I wish you were right [...] I knew I wanted you since the day that we met
Ein Blick in die Gesichter des vorbildlich ruhigen Publikums spiegelt meine eigenen Emotionen wider: Zufriedenheit, zu genau diesem Zeitpunkt an diesem Ort zu sein und alles außerhalb der grauen Wände einfach sein lassen zu können. Obwohl die Reise durch Burch's Liebesleben viel mehr einer Fahrt im Rollercoaster gleicht und jedes Lied eine andere Perspektive auf Liebe und Beziehung wirft, wird die Darbietung an keiner Stelle eintönig...

8 Everything was good when I was yours and you were mine [...] I loved you then and I love you now [...] I'll be your pet [...] I'm sorry I made you brokenhearted

Angelockt von "I Love You Still", das von Einsicht, Eingeständnissen und Entschuldigungen handelt, (oder doch nur von der Aussage "I'll be your pet") bietet Flokati Bruno seinem Fußvolk eine reizende Erinnerung, als er sich frontal vor Molly setzt und ihr zu verstehen gibt, dass alles vergeben, vergessen und gut sei.

9 You seem awfully quiet [...] you got me so down hearted [...] I got a lot to give
Ohne viele Worte zwischendurch zu verlieren spielt die Band mit der Frontfrau im kurzbeinigen Jumpsuit Lied für Lied. So vergehen 9 Titel, die in eine Zugabe und eine weitere - unverhofft durch Mimi erbeten - münden. Mit "Loneliest Heart" und einem solo an der Gitarre performten älteren Song beschließt Molly Burch den Abend unter entzücktem Applaus.

10 What do I do when he's not around [...] I walk alone this is the loneliest part / I've got the loneliest heart
Das "kühle Blonde" in der Hand testet meinereiner noch so viele Sitzmöglichkeiten, wie eine Pinkelpause zulässt und wir machen uns auf den Heimweg mit Knoblauchdampf, müden Augen und der Vorfreude auf das nächste Event von Éclat und Art meets Art.

11 For a long time I haven't been so blue / I'm the only one to blame for every little thing.

Text:
Bettina Marquardt
Geschrieben am
29. September 2017
Molly Burch Molly Burch
singer-songwriter, folk, female vocalists, seen live, indie folk