Kulturpegel

 
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New Fall Festival 2017: Little Dragon

"It’s a party here tonight!"

Ein absurd grelles Lichtermeer tut sich auf, als der kleine Drache im Mozartsaal der Liederhalle landet.In Schleier gehüllt heißt uns die Sängerin Yukimi Nagano in einem wabernden Intro herzlich willkommen. Keine zehn Minuten später steht der halbe Saal.

"Feel free to stand up!" schallt es durch den holzvertäfelten Saal. Die Synthies purzeln zu einem fernöstlichen Beat zusammen. Håkan Wirenstrand zieht an seinen Keys alle Register und bildet einen perfekten Konterpart zum extrem tanzbaren Bass. Der kommt übrigens fast komplett aus den Tasten Fredrik Källgren Wallins - Erik Bodin am Schlagzeug sorgt vorrangig für die Fusion aller klangvollen Einzelteile und setzt mit kräftigen Schlägen und Streicheleinheiten auf seine Becken knallige Akzente. Naganos Tänze wirken dabei wie eine extrovertierte Mischung aus Tanz- und Kampfkunst. Hochkonzentriert und zugleich völlig losgelöst streut sie vereinzelt ausgefallene Figuren ein und breitet ihre Arme aus, um das Publikum zu umarmen und es anschließend in den nächsten Drop hinab zu reißen.

Dann krachen plötzlich Sirenengeheul und 80ies Beats durch die unbesetzten Sitzreihen und Nagano lächelt zu den ersten Sekunden von "Sweet" verträumt vor sich hin. Ohne Zweifel freut sie sich darüber, dass sich der Bereich vor der Bühne langsam füllt. Nur wenige in den oberen Reihen des Mozartsaals wollen sich das Spektakel einfach aus der Ferne ansehen,

Während die Luft immer dicker wird, verschafft uns "High" eine kleine Slow-Dance-Pause in fluoreszierender Bühnenperformance. Der Gesang hallt effektvoll von Wand zu Wand, dazwischen flimmern die Neonfarben in den Outfits der Bandmitglieder.

Keine zehn Minuten später vollführt der Sound wieder eine 180-Grad-Drehung und das technoide "Push" bringt unsere Hüften erneut ausladend zum kreisen. In der ersten Reihe sitzt tatsächlich noch eine Handvoll Menschen, während sich Little Dragon selbst und das Publikum mit den wildesten Moves feiern. Straight back to the 80ies und in neue Neongewänder und Lametta gehüllt, schmettern uns die Schweden kurze Zeit später schon die nächsten schimmernden Dancehymnen um die Ohren. "Ritual Union" bricht kurz vor am Ende noch das letzte Eis und wir singen, noch immer vor unseren Sitzplätzen stehend, gemeinsam im Chor.

Nach über einer Stunde haben Little Dragon ihr Publikum begeistert und zeigen nicht mal einen Hauch Müdigkeit. Der abschließende Applaus - wie soll es anders sein - in Form von stehenden Ovationen, dauert noch nicht lange, da kehren sie schon zurück auf die Bühne, um noch einmal mit uns zu tanzen.

Fazit? Ob man Little Dragon vorher wirklich kannte ode nicht. Bei ihren Konzerten kommt es nicht drauf an, einzelne Songs beim Namen zu kennen oder sogar textsicher zu sein. Die Schweden zaubert für alle mit unbeschreiblicher Leichtigkeit ein Gesamtkunstwerk, das tanzbarer nicht sein könnte.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
19. November 2017
Little Dragon Little Dragon
trip-hop, electronic, female vocalists, chillout, swedish