Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

New Fall Festival 2017: Olli Schulz

Von kleinen Bären, Bettmenschen und Reifen mit Profil.

Nach der rund einjährigen Bühnenabstinenz von Olli Schulz, der die Zeit unter anderem für eine Albumproduktion nutzte, erwartet ihn im sehr gut gefüllten Saal der knapp 2000 Personen fassenden Carl Benz Arena ein hauptsächlich aus jungen Menschen mit gelöster und erwartungsfreudiger Stimmung bestehendes Publikum.

Ohne Vorband startet der Abend gegen 22:15, es verdunkelt sich der Saal, eine Videobotschaft von Jan Böhmermann und Olli Schulz, aufgenommen während einer "Fest & Flauschig" - Podcastfolge wird eingespielt.
Kurz darauf betritt der Singer-Songwriter unter Jubel die Bühne. Dass der Abend wie gleich zu Beginn von Olli angekündigt, "nich so dolle, aber exklusiv wird“ ist - so kann man mit gutem Gewissen im Nachhinein sagen - pures vorgeschobenes Understatement. Denn Olli ist in Spiel- und Erzähllaune.

Musikalisch eröffnet er den Abend alleine an der Akustikgitarre, er stellt mehrere neue Stücke vom kommenden Album vor.
Beginnend mit dem treibenden, groovenden Song "Schmeiss alles rein", gefolgt von "Skatspielen mit den Jungs", der stilistisch an Songs von der "Save-Olli-Schulz"- Platte erinnert, geht er über in den schon älteren Song "Aufguss".
Passend zum Song wird das Publikum warm, es wird laut gelacht, spätestens jetzt ist die Verbindung zwischen Künstler und ZuhörerInnen voll da.

Parallel zum Konzert findet direkt neben an in der Mercedes Benz Arena das Bundesligaspiel VfB Stuttgart gegen Borussia Dortmund sein Ende, Olli witzelt beim Anblick der Fans, dass glücklicherweise die großen Rollos des Konzertsaals heruntergelassen wurden, denn hier drin ist „Premium, draußen ist das Volk“.

Zum Ende des Akustik-Solosets kommt ein weiterer neuer Track: "Junge Frau sucht Reifenmann" mit der wunderbaren Zeile "Sie mag Reifen mit Profil“.
Die neuen Songs machen Lust auf mehr, schon jetzt ist klar, dass das neue Album auf der Wunschliste eines jeden Olli Schulz Fans stehen wird.

Sein langjähriger Wegbegleiter an den Drums sowie sein Tastenmann aus Stuttgart kommen nun auf die Bühne und Olli startet mit den Akkorden von "Wenn es gut ist", dem Opener vom Album "Save Olli Schulz" - das Publikum jubelt.

Konzerte von Olli Schulz sind ja eigentlich immer was besonderes, sie sind ein gesamtheitliches Kunstwerk. So auch diesmal, in die Ansagen zwischen den Songs flechtet Olli mit Hilfe eines iPads weitere Medien auf die Bühne ein: selbstgezeichnete Bilder, ein Foto von einem springend-rennenden Hamster, alte Videoaufnahmen von Ollis Rapgang "Battle Enemies“ von früher sind ebenfalls ein Teil der gelungenen Show. Den Rapeinspieler nimmt Olli zum Anlass für eine kleine Freestyle Rapeinlage, seine Freestyle-Fähigkeiten hat er ja auch unter anderem schon bei "Schulz in the Box" während eines Besuchs bei Haftbefehl bewiesen.

Mit Ich dachte, du bist es spielt er dann wieder einen der schönsten deutschsprachigen Songs und kurz darauf den ebenso tollen Track Phase, der energetisch- groovend auf der Akustikgitarre, Sonor Drumkit und einem Fender Rhodes vorgetragen wird.

Olli ist in seinem Element als Unterhaltungskünstler, er wirkt immer authentisch und grundehrlich, sei es in seinen Songs oder wenn er Anekdoten wie die von Auftritten auf der Queen Mary 2 mit dem Hit "Was kriegt der Seemann bei See auf n Tisch - Fisch, Fisch, Fisch" erzählt und unterstützend mit Videos anschaulich vorträgt.

Der Song "Schrecklich schöne Welt" kippt anschließend kurzzeitig in "What a Wonderful World" von Louis Armstrong sowie "Perfekte Welle" von Juli.

Eine längere Stimmpause endet vorerst mit einem "Komm für Stuttgart reicht's“ und der großartig ernüchternden Feststellung beim ersten Anschlagen der Gitarre "Okay, das reicht nicht einmal für Stuttgart“ bevor es kurz darauf zur Freude der Fans in "Als Musik noch richtig groß" war übergeht.

In der Folge wird die Gitarre zurückgestimmt, Olli bricht dann aber aus einer Erzählung heraus ab und fängt begleitet von seiner jetzt jazzig-swingend spielenden Band an zu scatten. Dass er keine Berührungsängste mit dem Publikum hat wird spätestens hier deutlich, da er zum Scatten in den Saal geht, sich auf einen Stuhl stellt und einen kleinen Schluck von einem frisch erworbenen Getränk einer Zuschauerin nimmt.

"So muss es beginnen", der vorerst letzte Song des Abends und Opener vom Album vom "Feelings aus der Asche" geht dann wieder nach vorne, das Publikum ist voll da.

Nicht nur langjährige Fans erfreuen sich dann teils Lautstark vor Freude an der Zugabe, da er unter anderem auch Songs von den ersten beiden Alben "Das beige Album" und "Brichst du mir das Herz, brech ich dir die Beine" zur Geltung kommen. Nach "Spielerfrau" spielt Olli den ruhigen und einfühlsamen Song "Kleiner Bär", was zuvor mehrfach aus dem Publikum gefordert wurde.
Beschlossen wird der Abend dann mit "Bettmensch", "Song ohne Grund" und "H.D.F.K.K".

Es ist ein toller, kurzweiliger Abend voller wechselnden Emotionen und einem Olli Schulz, der am Ende sich geduldig für jede/n Einzelne/n Zeit um Fotos zu machen.
Das rundet den sehr sympathischen Eindruck an diesem Abend ab und man freut sich schon jetzt auf das nächste Olli Schulz Konzert.

Text: Jan Roth

Text:
Geschrieben am
25. November 2017
Olli Schulz Olli Schulz
singer-songwriter, Indie, german, deutsch, hamburg