Kulturpegel

 
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New Fall Festival 2017: Tom Odell

Right Crowd.

Schon vor Beginn des Konzerts spürte man die freudige Erwartung bei den Fans. Denn bevor der Künstler aus nur die Bühne betrat, gab es schon "Tom!“-Rufe, dann frenetischen Jubel als er auf die Bühne kommt.

Tom Odell enttäuscht seine Fans nicht, er ist voller Energie, spielt mit Leidenschaft sein Flügel, dirgiert sogar später noch stehend auf ihm eine Zugabe.
Der Mann ist zu beneiden, hat er doch eine unglaublich gutes Händchen für Songwriting und eine kraftvolle Stimme, die ihm erlaubt seine Texte auf eine Art und Weise vorzutragen wie nur wenige es können. Das bemerkt man schon im ruhigen Opener des Abends "Heal“. Seine Leidenschaft für Musik wird an dem Abend mehr als deutlich, Vorbilder und Einflüsse wie David Bowie, Rolling Stones, Coldplay, Leonard Cohen und Cat Stevens hat Odell fest verinnerlicht.

Mit „I Know“ passiert dann die Vereinigung von Band und Publikum, der Song treibt selbst schwer nach vorne, auch die sitzende Menge vor ihm. Ein bestuhltes Tom Odell Konzert sei eh so semi, findet ein größerer Teil der Besucher des nahezu ausverkauften Saals der Carl Benz Arena. Denn nach schon dem zweiten Stück halten es viele nicht mehr auf ihren Sitzen aus, Fans strömen direkt vor die Bühne. Tom Odell ist sichtlich erfreut darüber und seine Band spürt die Energie der Fans, „Wrong Crowd“ wird zur Dancenummer. Der Gitarrist, dessen Spiel nahtlos in das treibende, groovende Spiel des Drummers und Bassisten mit eingreift, bereichert die Songs mal mit rockigen Riffs, mal mit filigrane Gitarrensoli und funkigen Single Notes. Gespielt auf einer Gibson Semi-Hollowbody trägt er Licks zu den Songs bei, an denen selbst Hendrix seine wahre Freude gehabt hätte.

Tom Odells Klaverspiel ist mal sanft, mal filigran in Parts, in denen er alleine singt, nur, um dann kürzeste Zeit später wieder mit voller Kraft in die Tasten zu schlagen und seine Stimme selbst laut und klar durch den Saal zu jagen. Seine Ansagen enthalten kurze Erzählungen zu Songs und zum kommenden Album, an dem er im Moment arbeitet.

Nach "Here I Am" und "Hold Me“ ist der Saal endgültig am Kochen - Tom startet mit den ersten Tönen von "Another Love“. Sofort stehen nun alle, es wird mitgeklatscht, getanzt.

Und da weder die Band noch das Publikum am eigentlichen Ende des Konzerts genug hatte - warum auch - folgte als letzter Song und als Zugabe "Magnetised“, das sich in einem Gitarrensolo und einem Duett von Drums und Bass verliert, um dann wieder in den Schlussrefrain zu enden. Bis zum Schluss ist das Publikum voller Energie, man hat das Gefühl es könnte ewig so weiter gehen.

Den Abend eröffnet hatte Hayden Calnin aus Australien. Sein Ein-Mann-Setup aus MacBook, Native Instruments "Una Corda“ + Keyboard und einer Fender Semi-Hollowbody Gitarre spielte er sehr ruhige, traurige Lieder; so traurig-sphärisch-schön, dass er sich für's Zuhören bedankten wollte: "Thank you for listening to my sad songs." Da es nicht nur ausschließlich traurige Songs waren, gab es noch einen Exkurs zu „semi happy song“ sei, „the lyrics are sad, guitar is happy“. Man wünscht sich spontan, dass alle Songwriter einen so amüsanten Humor haben.

Ein Song mit Voocoder und Harmonizer erinnert an Bon Ivers "715-CREEKS", Calnins stehts cleane Gitarre kippt erst gegen Ende des Sets mal leicht ins angecrunchte und sein Klavierspiel erinnert an Nils Frahm. Sein knapp 30-minütiges Set an diesem Abend klang traurig, aber schön - und aufgeräumt, wie seine Stimme, die in sehr ruhigen Parts oft gerne mal höhere Lagen erklimmt.

Abschließend gesagt, hatte der Abend musikalisch gesehen alles: von der einsamen Traurigkeit bis zur puren Lebensfreude. Und das alles in knapp 2,5 Stunden. Top!

Text: Jan Roth

Text:
Geschrieben am
23. November 2017
Tom Odell Tom Odell
Indie, folk, singer-songwriter, british, piano