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New Fall Festival: Agnes Obel
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New Fall Festival: Agnes Obel

Hämmernde Beats, unheimliches Wummern und tapsende Cellotöne umzingeln uns bis zum Schluss.

Den Sonntagnachmittag eröffnet Sophie Frances Cook, besser bekannt als Frances allein mit Stimme und Piano. Sie ist nicht nur Britin, sondern hat auch einen Song mitgebracht, den sie gemeinsam mit dem Songschreiber von Adeles "Hello" produziert hat.

Ihre Lieder sind liebevoll und elegant komponiert. Und nebenbei ist Frances als Person das vielleicht das herzigste, was das New Fall Festival in diesem Jahr begrüßen durfte. Lovely.

Irgendwo aus den Wäldern.

Mystisch beginnt das Konzert von Agnes Obel mit ihren drei Gespielinnen an Cello, E-Drums, Bassklarinette und einem langen Intro zu "Dorian".
Zart arrangierte Pianoklänge schleichen sich heran, um unsere Nackenhaare beim Aufstehen inflagranti zu erwischen.

Jedes Lied ist nicht nur für sich selbst ein kleines Kunstwerk, sondern ist auch kunstvoll mit visuellen Effekten garniert. Sie spielt hauptsächlich Songs aus dem aktuellen Album "Citizen Of Glass", aber auch ein paar heimliche Hits.

Das Gefühl bei einem Agnes Obel-Konzert lässt sich in vierlerlei Hinsicht vorfühlen, doch immer schwingen naturverbundene, Animalisch-verträumte Elemente mit: Schlagende Schmetterlingsflügel, ein atemloser Wolf, fällende Blätter, das Rascheln in den Bäumen, das Knacken im Unterholz.

Man stelle sich hier zum Beispiel den Mozartsaal als einen dunklen Wald vor, und die Lichteffekte als letzte Sonnenstrahlen, die durch die Wipfel der Bäume auf eine Lichtung fallen, die kalten Nebel der finsteren Nacht ankündigen.

Agnes Obel ist auf Platte bereits ein Stück Musik, das in keiner Sammlung fehlen darf. Doch live springt der Funken über und macht ihre Zeilen, ihre wilden und zugleich zarten Titel zu einem in der Luft greifbaren Erlebnis. Wer hier rausgeht und die Gedanken an dieses Konzert nicht wenigstens einen Hauch von schönen Gefühlen auslöst, muss einfach ein Herz aus Stein haben.

Schon immer war Agnes Obel Teil meiner liebsten Herbst-Playlisten und der perfekte Soundtrack zu den kürzer werdenden Tagen. Damit hat das New Fall Festival erneut ein hervorragendes Booking beweisen - nicht nur, was die zeitliche Komponente betrifft.

Ciao, bella.

Am Ende eines neuen Festivalformats erfahren wir schon zu Beginn des Konzerts von den Veranstaltern, dass es auch einen Termin für nächstes Jahr geben wird. Ich persönlich würde mir für diese zweite Ausgabe wünschen, dass auch eine etwas jüngere Zielgruppe angesprochen wird. Nicht unbedingt, weil das Publikum im neuen Schloss und in den Sälen der Liederhalle erwartungsgemäß war, sondern es sich bei fast allen Acts um Generationen verbindende Künstler handelt, der Preis für einen Abend jedoch meist für junge Menschen unerschwinglich.

Popmusik darf nicht der eingeschlafenen Hochkultur verfallen, sondern muss agil und zeitgemäß bleiben. Für den ersten Schritt, aus Klassik und Pop wahre Freundschaften zu knüpfen, danken wir vom Kulturpegel aber schon jetzt den Machern des New Fall Festivals. Wir sehen uns nächstes Jahr!

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
31. Oktober 2016
Agnes Obel
singer-songwriter, female vocalists, folk, danish, Indie
Frances Frances
Indie, indie pop, pop, all, seen live