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New Fall Festival: Regina Spektor
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New Fall Festival: Regina Spektor

So schön, so traurig, so musikalisch.

Regina Spektor betritt die Bühne, lächelt, nimmt Platz und schon erklingt "On the Radio" mit einem Satz mitten in den Konzertabend.

Die Akustik im Hegelsaal spielt dabei hervorragend Streiche. Es fühlt sich an, als würde sie neben einem sitzen, anstatt auf der Bühne in Strahlen aus violetten und blauen Licht am Flügeln zu spielen.

Regina Spektor hält niemanden mit Zwischengebrabbel auf. Nur ihr Cellist bekommt vom ganzen Saal ein Geburtstagsständchen spendiert und manchmal entfährt ihr ein laut lachendes "Fuck", wenn was nicht ganz ist, wie es sein sollte.

Während Regina Spektors Hände an den Tasten eine stoische Gleichmäßigkeit vollführen, singt sie voller Inbrunst, voller Esprit. Jeder Song könnte soeben erst geschrieben sein, so erfrischt klingt jeder Einsatz. Am Anfang des Abends erzählt sie eine kleine Geschichte und beschreibt damit unbewusst ihr musikalisches Werk: Sie hat heute eine einen Vogel dabei beobachtet, wie er mitten in Stuttgart einen Fisch aus dem Wasser zieht. So schön und traurig zugleich sind auch viele ihre Songs.

Liebe zum Detail.

"Tornadoland" klingt, als würden gleich Stücke der Decke auf uns herabprasseln. Gleichzeitig suggeriert das lockere Klavierspiel die Ruhe vor dem Sturm. Bei "Small Bills" lässt sie das Piano rechts liegen und greift zum Mikrofon, spittet ein paar Lines im Stehen und spielt mit Stimme und Hauchlauten. "Aprés Moi" beweist ihre einmalige Anziehungskraft, die einen alles um sich herum vergessen lässt.

Ihre Songs sind nicht nur einfach Songs. Regina Spektor vollführt Anekdoten, Balladen, Operetten, Soundtracks, Arien. Sie sind opulent, sachte, geheimnisvoll, sprunghaft, erhebend und dabei immer wunderschön.

Oft geht ein kleines erfreutes Klatschen oder Raunen durch die Reihen, wenn ein für manchen oder viele besonderes Lied erklingt. Jede dieser Aufwallungen bedeckt Regina Spektor mit einem kurzen Lächeln ins Publikum. "Samson" beschließt mit einigen Hängern den Abend und hinterlässt einen sympathischen Eindruck, der von dieser wunderbar wandelbaren Künstlerin bleibt. Und am Ende bebt der Saal vor stehenden Ovationen.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
30. Oktober 2016
Regina Spektor Regina Spektor
female vocalists, Indie, singer-songwriter, piano, alternative