Kulturpegel

 
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OK KID im Wizemann

Alles oder nichts mehr. Mit neuem Album, neuem Live-Setting und einem Haufen Vorfreude eröffnen OK Kid ihre erste Headliner-Tour in Hip Hops Mutterstadt.

Punkt acht eröffnet Adi Ulmasky vor riesenhaft leuchtenden Lettern mit aufdringlich lautem verschwurbeltem Neo-R'n'B. Dass dieser Support keine Punktlandung erzielt, macht schnell die Runde. Das ausverkaufte Wizemann ist aber ohnehin schon voller Vorfreude auf den Tourauftakt von OK Kid, sodass für die Dame in Kappe und übergroßem Jeansmantel kaum mehr Platz in den Köpfen bleibt.

Wie auch das neue Album "Zwei" beginnt die Show: "Blüte Dieser Zeit" versetzt in Sekundenschnelle den kompletten mittleren Block in Euphorie. Den Rest erwischt es mit "Allein, zu zweit, zu dritt". Immer wieder flackert die pompös ausgeleuchtete Bühne in verschiedenen Farben: tiefes Rot, gleißendes Weiß, prächtig bunt. Das Wizemann jubelt, kreischt und singt lauthals mit. Auch die Band zeigt sich immer wieder kurz überwältigt von der Masse an Publikum, die sich in der Mutterstadt des Hip Hop und ihres Labels aufgetan hat.

Bei "Kaffee warm", einem vergleichsweise alten Stück, kommt das neue Live-Arrangement mit Verstärkung von Gitarre und Bass auch endlich voll zur Geltung. "Alles oder nichts mehr" eröffnet im Anschluss alle optischen Möglichkeiten der Bühne und leuchtet als großer Schriftzug auf der Rückwand der Szenerie. Nach einem weiteren, zugegeben bisher nicht so deutlich casperesk gefühltem Ausflug in alte Zeiten, kehren OK Kid zurück zu neuerem Material. "Ich kann alles", "Bombay Calling" und "Unterwasserliebe" sitzen textlich bei den Fans genauso wie alle anderen Stücke.

Intensiv auf Tuchfühlung.
Passend zum Text zerschneidet Rapper Jonas die inzwischen stehend warme Luft mit seinem Handtuch. Einen frischen Saunaaufgruss hätte auch der Mann am Ton gebrauchen können, der bei "Wisch & Weg" kurz über einem Regler weggenickt zu sein scheint, was eine Millisekunde lang für einen Milli-Vanilli-Moment sorgt. Gut, dass die Band eingespielt ist und, da alles live ist, schnell drüberbügeln kann.

Nach einer kurzen Entspannungsrunde mit "Bank" geht der Mittelfinger auf der Rückwand der Bühne nach oben. Es ist Zeit für "Gute Menschen" - und Zeit für einen stilecht dirigierten Zuschauerchor. Das "5. Rad am Wagen" wird nach "Borderline" kurz angeschnitten und mündet in einen tanzbaren Remix von "Euforia". Danach kann man auch kurz Danke sagen. Der Crew, der Band und den Fans für Platz sechs der heute aktualisierten Charts. Jonas geht obendrein noch mit allen auf Tuchfühlung und lässt sich zu "Grundlos glücklich" von der Bühne bis zum FoH auf Händen tragen.

Zugabe-Rufe braucht heute scheinbar keiner. Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es mit "Stadt ohne Meer" (das beachtenswerterweise bei wirklich allen Besuchern von der ersten Sekunde an sitzt) und "Ich verschwende mich" weiter. Alles singt noch einmal gemeinsam, Jonas dirigiert, Moritz, Raffi und der Rest von Band und Crew strahlen breiter als das glücklichste Honigkuchenpferd. Kein Wunder, so kann die Tour gerne weitergehen. Nur das mit "Schlaf" als spontane Zugabe könnt ihr ab sofort getrost weglassen.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
16. April 2016
OK KID OK KID
electronic, rap, hip-hop, trip-hop, electro punk