Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Olli Schulz im LKA Longhorn

Du wirst das hier eh nicht lesen, lieber Olli, aber wir heißen KulturPEGEL und nicht KulturPIG! Jetzt dachte ich, wir wären zwischenzeitlich ein renommiertes Online-Magazin in Süddeutschland und dann sowas!

Fangen wir mal grundlegend an, bevor wir zu den Unverschämtheiten des Herrn Schulz' kommen: Diesen Olli Schulz kenn ich. Die erste Begegnung war auf dem Obstwiesenfestival vor 10 Jahren oder so. Da fand ich ihn großartig mit seinem Hund Marie und Coverversionen von Eagle Eye Cherry. Dann habe ich ihn musikalisch aus den Augen verloren und immer mal wieder in der Flimmerkiste gesehen. So jetzt wisst ihr Bescheid, ich bin kein Hardcore-Fan, der jede B-Seite abfeiert, kenn aber den Boogie Mann, der den Bibo macht.

Von einem Konzert, was 30 bunte Scheine kostet, erwartet man schon einiges. Für manche Studenten ist das schließlich das Monatsbudget fürs Essen. Das fängt schon mal mit der Hintergrundbeschallung im LKA an, bei der man es sich zwischen Hamburger Hafenklängen und 80er Jahren Serienintros gemütlich machen kann. Während fragende Blicke auf die Leinwand im Hintergrund fallen, auf der anfangs nur sein Name gekritzelt war, füllte sich das LKA recht flott und war im Endeffekt brechendvoll. Wer zu dem Zeitpunkt kein Getränk seiner Wahl in der Hand hatte, hatte einen schweren Gang zur Bar.

Mit leichter Verspätung trat ein gewisser Bibo äh Olli Schulz auf die Bühne, während sich seine recht opulente Band im Hintergrund aufhielt. Der müde Onkel erzählte uns erst, dass sie ein wenig angeschlagen vor lauter Touren sind, aber mit dem ersten Gitarrenschlag hatte er uns direkt in seinen Fängen! Der erste Block von diesem zweistündigen Opus lag seinen Schwerpunkt auf die, nennen wir es mal normalen Lieder der letzten beiden Alben. Zwischen den Songs wurde gefrotzelt, Geschichten erzählt oder auch mal gedisst. Zwischenrufe aus dem Publikum wurden meist postwendend beantwortet und auch unsere Fotografin wurde Opfer des Schulzes. Nochmal: Kulturpegel! Und nicht Kulturpig!. Aber danke für die Werbung.

Er stellte recht früh klar, dass er hier nicht den Hampelmann aus dem Fernsehen macht. Das heißt: Kein Bibo und kein verhaftet wegen sexy. Apropos sexy, Herr Schulz möchte gerne, dass wir erwähnen, dass er Sexrock macht. Nö machen wir nicht! Ich lass mich doch schließlich nicht kaufen! Dafür fand ich es gut, dass er Smartphone-Filmern nahegelegt hat, nur wegen ein paar jämmerlichen Klicks auf Youtube, das doch lieber sein zu lassen. Außerdem hasst er das grelle Kacklicht.

In musikalischer Hinsicht konnte man ihm und seiner Band nur noch zujubeln. Der hübsche Gesang der Gitarristin Kat Frankie gab den Liedern noch eine zusätzliche Note. Aber auch Herr Schulz bot eine herausragende Leistung an der Gitarre und am Mikrofon und scheute sich auch nicht das Lied Passt schon! Freestyle zu rappen. Verrückter Typ.

Der zweite Block gefiel mir ziemlich gut, da Olli alleine Klassiker wie Saunaaufguss in Lankwitz, Human Of The Week oder Vorführ-Effekt (Reihenfolge ohne Gewähr) intonierte. Im dritten Block vor der Zugabe stand seine dufte Band wieder auf der Matte und es wurde zusammen unter anderem die Ankunft der Marsianer besungen. So schön dieser Abend. Und das alles ohne Bibo und sexy Verhaftungen.

Nach über 2 Stunden war dann das ganze Spektakel vorbei, man schob sich glücklich durch das LKA raus in die Nacht und hatte eigentlich Lust gerade nochmal 2 Stunden den Geschichten dieses Onkels zuzuhören. Auch wenn er manchmal ein assi Mediensack ist, auf der Bühne sollte eigentlich sein Stammplatz sein.

Abschließend freu ich mich auf allerlei Kommentare dank unserer patentierten Kommentier-den-Stuff-Funktion, die mir schon beim Kraftklub-Bericht viel Freude bereitet hat. Vernichtet mich!

Text:
Rene König
Geschrieben am
30. März 2015
Olli Schulz Olli Schulz
singer-songwriter, Indie, german, deutsch, hamburg