Kulturpegel

 
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Gurr bei den Pop Freaks im Merlin

Zwischen grrrr, schnurr und rwaarr.

Es scheppert, es lacht, es jault. Wolf Mountains verlegen den bei zumindest ihnen auch auf Platte üblichen rohen Sound auf die kleine Merlin-Bühne. Die Stuttgarter, deren Konstellation sich aus egal welchen großen Namen einer kleinen Szene zusammensetzt, lachen uns ins Gesicht. An vorderster Front dabei Kevin Kuhn, der nicht nur perfekt intuitiv auf seine Felle hackt, sondern zu irrer Mine auch noch irres Gesangstalent beweist. Rechts und links von ihm tummeln sich der singende Reinhold Buhr und der stille Thomas Zehnle um verzerrte Garagensounds.

Nach wenigen Minuten sitzt das Bier im Anschlag. Wolf Mountains können sich zum Glück bis zum Ende ihres Auftritts weder für Post-Punk noch für Noise, Garage oder derben Sixties Sound entscheiden und verlassen uns mit Spannung auf ihr noch für dieses Jahr angekündigtes Werk.

Wir nehmen Teil an der Belanglosigkeit.

Allein beim Namen ploppen tausend Querverweise auf. Die buntesten Tiergeräusche und natürlich nichts geringeres als die große Revolution weiblich besetzter Bands in den 90er Jahren. Der Name, irgendwo zwischen grrrr, schnurr und rrwaarr beweist eindeutige Tendenzen, sich nicht ganz so ernst zu nehmen, wie es in einem solch feministischen Kontext vielleicht erwartet wird. Dabei blecken sie aber gleichzeitig jedem Niedlichkeitsvorwurf zu genüge ihre Zähne. Eine 2014 erschienene EP lautete übrigens "Furry Dream" und ging wahrscheinlich schneller über die Ladentheke, als man sich zu den rasanten Riffs bewegen kann. Gut, dass Andreya und Laura Lee vor gar nicht so langer Zeit mit ihrem Langspieler In My Head famos nachgelegt haben.

Jetzt aber Schluss mit den Mutmaßungen. Schließlich geht es hier um Pop Freaks und eine feucht-fröhliche Live-Erfahrung. Gurrs Gitarren klirren im Sound der 90er, aber ihre mitreißende Art passiert im Hier und Jetzt. Und das Publikum? Fängt sich eine musikalische Ohrfeige nach der anderen ein und schüttelt sich vor Freude darüber. Ein bisschen "riot" wird es am Ende dann auch noch, als sich eine Hand voll junger Frauen und ein tänzelnder Herr zu ihnen auf die Bühne gesellt, um einen privaten Women's March zu begehen - zu Gwen Stefanis "Hollaback Girl" versteht sich.

Egal, ob nun von gurrenden Tauben oder von der Riot Grrrl Bewegung inspiriert - Gurr aus der Hauptstadt halten die schreddernde Garagenfahne ganz weit nach oben. Die Stimmen der beiden Frontfrauen überschlagen sich vor Motivation, die Tanzschritte kommen tief aus ihrem Bauch. Gurrs Sound ist vom ersten Moment an aufregend und bleibt es bis zum Schluss. No Shit, no Bananas.

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
23. Januar 2017
Wolf Mountains Wolf Mountains
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Gurr Gurr
garage, bandcamp