Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

PopnotPop Clubfestival 2014 - von Club zu Club zu Club

Gemeinsam sind wir Kulturpegler am Samstagabend losgezogen, um uns dann in alle Winde zu verstreuen um möglichst viele Konzertstationen zu besuchen. Im rasanten Tempo ging es durch die Stuttgarter Nacht.

CAFE BOHEME

21 Uhr: Art Brut

Art Brut in Akustikversion im Café Bohème. Wie das geht, haben sich am Samstag zur PopnotPop Startzeit um 21 Uhr ziemlich viele Menschen gefragt, sodass Gedrängel entsteht. Keine Ahnung, wie viele davon zum gleichen Schluss kamen wie ich: Es geht nicht.
Zuerst My Little Brother Just Discovered Rock’n’Roll. Akustisch. Keine E-Gitarre, nicht mal ein Schlagzeug. Durch den fehlenden Lärm, der sonst zu diesem Song dazu gehört, ist Eddie Argos Stimme viel zu genau zu erkennen.
Danach gibt’s eine schöne Anekdote zum Song und eine kurze Lesung aus einem Buch, dass er wohl geschrieben hat. Ich weiss auch nicht, warum er das macht. Ab jetzt ist klar, woraus dieser Auftritt besteht. War nett, dass Art Brut dabei war, aber so muss man es eigentlich echt nicht haben. Auch wenn die Stimmung nett ist und der Unterhaltungsfaktor stimmt. (Manuel Niedermann)

KELLER KLUB

22 Uhr: Eau Rouge

Eau Rouge ist unter den Kulturpeglern ja bereits gut bekannt. Nachdem sie im letzten Jahr schlagartig aus dem Stuttgarter Boden und schon recht weit nach oben geschossen sind, waren wir bei ihren Konzerten, Live Sessions mit dem Popbüro Region Stuttgart, ihrer Release Party und haben sie im persönlichen Interview befragt. Mir allerdings war es bis dato noch nicht vergönnt diese neue Stuttgarter Band-Hoffnung auf der Bühne zu sehen.
Als wir im Keller Klub ankommen, spielen die drei Jungs schon. Wir bahnen uns unseren Weg bis nach ganz vorne an die Bühne. Ob das so eine gute Idee war, nun direkt neben der Nebelmaschine zu stehen, werden wir uns noch fragen. Ich bin sicher, dass die meisten Zuschauer durch den Nebel und die Dunkelheit zwar nichts von dem, was auf der Bühne passiert, erkennen können, aber das tut dem Sound ja keinen Abbruch.
Als erstes fällt die Stimme von Sänger Jonas auf. Hell und klar kommt sie aus dem Dunst. Dadurch ist die Musik einerseits weich und gefühlvoll, andererseits kraftvoll und abwechslungsreich durch starkes Schlagzeug, Gitarre und Synthies. Das ist also Indie Electronic Noise Pop. Mir gefällt`s. Als Undergroundband wird Eau Rouge beschrieben. Vielleicht passt sie deshalb heute so gut in den KellerKlub. (Jelka Ottens)

23.30 Uhr: The Majority Says

Indie- Pop aus Schweden gab es ebenfalls im Keller Klub am Samstagabend. The Majority Says, eine Boyband mit einer kleinen, süßen, natürlich schwedisch blonden Frontfrau, namens Hanna Antonsson.
Als ich den Menschen gefüllten Keller Klub kurz vor Konzertbeginn betrete, gehe ich irgendwie davon aus, dass die meisten aus Neugier oder Zufall da sind. Schon nach den ersten Songs werde ich eines Besseren belehrt. Textsichere Fans stehen neben und auch hinter mir, sodass ich teilweise mehr den Gesang meines Nachbarn im Ohr habe, der sich mit geschlossenen Augen im Takt die Hand auf die Brust schlägt, als die zarte Stimme der sympathischen Hanna auf der Bühne erklingt.
Um genauso textsicher zu werden, wie der junge Mann nebenan und einige andere tanzende Besucher, hat mir ein wenig die Abwechslung gefehlt, aber schön war es trotzdem alle Mal mit The Majority Says. (Jenny Ziegeler)

SCHOCKEN

21 Uhr: Malky

Was für ein Start in den Abend! Auch, wenn der charismatische Sänger Daniel Stoyanov aus Leipzig anfangs vom grellen Scheinwerferlicht geblendet wird, verteilt er den mit Schöpflöffeln einverleibten Soul in seiner Stimme über die ersten gestrandeten Popnotpop-Besucher im Schocken. Mit kompletter Band präsentiert er uns alte und neue Songs, teilweise aus dem neuen Album "Soon", mit dem Malky schon Anfang nächsten Jahres wieder in Stuttgart Halt machenwerden. Optisch fährt die Band eine klare Schiene: Weiße Shirts und ein Frontmann in schwarz, der gerne mal die Hände der begeisterten ersten Reihe schüttelt. Malky präsentieren uns Soul, poppige Songstrukturen und viel Liebe zum Detail. Am meisten wird diese durch den Gitarristen transportiert, der jeden Song doppelt zu fühlen scheint, wenn man ihn länger betrachtet. Was die Ausgelassenheit der Gäste betrifft, ist noch Luft nach oben. Dafür wiegen uns Malky sanft in die noch junge Nacht und entlassen uns nach guten eineinhalb Stunden in das schillerndste Clubfestival, das Stuttgart seit fünf Jahren zu bieten hat. (Amelie Köppl)

23 Uhr: The Robocop Kraus

Wie kann es sein, dass ich noch nichts von The Robocop Kraus gehört hab?
Vielleicht liegt es daran, dass sie fast fünf Jahre untergetaucht sind, sodass man glaubte, sie hätten sich getrennt. Seit diesem Jahr sind die Hersbrucker wieder da und der Ruf eine der besten Live-Bands zu sein, eilt ihnen noch immer voraus. Und tatsächlich enttäuschen sie uns heute nicht.
Das Schocken ist rappelvoll und zum zweiten Mal heute Abend überzeugt mich die Location mit gutem Sound. Das Bild, das die fünf Dorfpunks auf der Bühne liefern, ist herrlich: Wild, authentisch und gut dabei, geben sie ihre energetische Stimmung sofort ans Publikum ab.
Spätestens bei In fact you`re just fiction bleibt keiner mehr still stehen. Die Jungs feiern für uns, mit uns und werden von uns groß gefeiert.
Jetzt weiß ich: The Robocop Kraus - das ist Post Punk, Indie, Pop, Soul, Rock und Energie, Energie, Energie. (Jelka Ottens)

CUE

22 Uhr: Mont Oliver

Erwartet haben wir im Grunde nichts. Vielleicht ein bisschen Hip Hop, wenn das genrevorbelastete Cue zum Tanze lädt. Mont Oliver aus Dänemark zerstreuen aber schon mit dem ersten wabernden Bass diese Vorurteile und bringen effektheischende, soulige und gleichzeitig urbane Popmusik unter das Volk. Bewegen lässt es sich hier nicht viel. Zu sehen gibt es jedoch einiges. Der E-Schlagzeuger (ja, es gibt noch einen "normalen Drummer"), springt passend zum Beat im Viereck, die Visuals schimmern als tausende LED-Lämpchen im Hintergrund. Die tiefen, im Gegensatz zu den Songs unverzerrten Bässe klirren noch Stunden nach dem Konzert zwischen den Ohren und der Gang in einen zumindest mir neuen Club hat sich am Ende doch ein bisschen gelohnt. (Amelie Köppl)

23.30 Uhr: Adam Tensta

So viel positive Überraschung braucht mehr Platz und den bekommt Adam Tensta hier.

Zwölfzehn

21 Uhr: L'aupaire

Den ausführlichen Bericht findet ihr hier.

Text:
Jelka Ottens
Geschrieben am
09. November 2014
The Robocop Kraus The Robocop Kraus
Indie, indie rock, german, post-punk, alternative
Malky Malky
soul, alternative, live gesehen, schlau machen, als vorband gesehen
The Majority Says The Majority Says
Indie, indie pop, swedish, indie rock, scandinavian
Art Brut
Indie, indie rock, british, rock, alternative
Mont Oliver Mont Oliver
Indie, electronic, indie pop, indie rock, trip hop
L'aupaire L'aupaire
Adam Tensta Adam Tensta
hip-hop, swedish, rap, electronic, hip hop
Zulu Pearls Zulu Pearls
luisterpaal, seen live
Eau Rouge Eau Rouge