Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Romano in der Schräglage

Mutti wäre stolz gewesen!

Heute pumpt das Blut durch Stuttgarts Mitte. Die Schräglage wird zum Epizentrum derber Beats und widersprüchlicher Texte. Die Rede ist dabei natürlich von keinem anderen als Köpenicks frischstem Exportschlager Romano.

Schon die ersten Takte krempeln den Club auf links, während mit Romanos verschmitzt lächelndem Gesicht bedruckte Geldscheine nur so durch die Luft wirbeln, und der Zöpfchenträger musikalisch ein paar Banken abbrennt. Der Kessel jubelt unverhohlen, denn auch der "Maskenball" ist in der Stadt. Die Arme fliegen hoch, die Temperatur steigt und der "Sextrain" bahnt sich seinen Weg durch das Stuttgarter Publikum.

Immer wieder gellen Kreisch-Eskapaden begeisterter Fans durch den Laden, das Publikum ist dabei ideal durchmischt, was Alter, Look und Tanzmoves angeht. Passend zum farbenfrohen Genrestrauß packt Romano seine "Metalkutte" aus, um seinen ersten großen Hit rauszuholen. Apropos rausholen.

"Jetzt wird Sekt gesoffen!"
Romano hat nämlich ein Date mit seiner Julia, die er liebevoll aus dem Publikum zu sich ruft. Eine Flasche Rotkäppchen wird geköpft und es wird Walzer mit dem jungen Fan getanzt. Niemand kommt mehr auf die Idee, dass dieser Mann, wie er behauptet, nicht auch einfach Menschen durch Gespräche an der Käsetheke kennenlernen kann.

Und er kann noch mehr, zumindest demonstriert er immer wieder mit kleinen Gymnastikeinlagen seine Beweglichkeit. Zu "Stahlraum" wird geshaked und über den erhöhten Catwalk im Takt stolziert. Natürlich hat er auch ein paar neue Tracks im Gepäck. Seine Metalkutte, die er möglicherweise aufgrund des gestiegenen Thermometers bald wieder abwerfen wird, wird nochmal zur Schau gestellt. Allen Muttis wird ordentlich der Hof gemacht und im Anschluss ein zärtlicher Klaps auf den Po verpasst. Genauer gesagt, streckt Romano seinen Hintern gen jubelnder Menschen, damit sie ihn gebührend hintenrum abklatschen können.

"Ich fühl mich extrem gut," ruft Romano weiterhin sein Pokerface zeigend. Bis zum Ende des unglaublich kurzweiligen Abends, wenn man den Facettenreichtum betrachtet, spittet der Köpeniker Jung' noch ein paar neue Zeilen über seinen Anwalt zu eindeutig von Prodigy abgeschauten Beats. Zu "Immun" drehen alle nochmal rund: "Mein Hosenstall, der steht immer offen, komm auf mein Zimmer, jetzt wird Sekt gesoffen."

Danke, Mutti.
Bis zu guter letzt fliegen die Hände stilecht zu Romanos schnellen Zeilen nach oben, als würde Stuttgart am liebsten sein Glas auf ihn erheben. Zum Dank dafür steigt Romano lässig nach der Bühne zu seinem Publikum herab, um fleißig Autogramme zu verteilen und seine Schokoladenseite für Bilder herzugeben.

Dieser Abend war definitiv heißer als Stuttgart es normalerweise vertragen kann. Da wäre jede Mutti stolz gewesen!

Text:
Amelie Köppl
Geschrieben am
13. März 2016
Romano Romano
jazz, black metal, trve, putin, nargaroth kann einpacken